Einblicke in die Welt vor über 100 Jahren

Zufallsfund auf Homberger Flohmarkt: Unterhaltungsblatt aus vergangener Zeit wirft Fragen auf

+
Clemens Lohmann und Martina Bülter zeigen im Fritzlarer Stadtarchiv das „Illustrierte Unterhaltungsblatt der Fritzlarer Zeitung“.

Fritzlar.Martina Bülter stöberte auf dem Homberger Flohmarkt nach Kinderbüchern. An einem Stand entdeckt sie ein gebundenes Buch, das Zeitungen enthält. Ein interessanter Fund.

Der Titel: „Illustriertes Unterhaltungsblatt der Fritzlarer Zeitung“. Der Band erweckte sofort ihr Interesse und sie kaufte es dem Händler ab. Als erstes suchte sie den Homberger Stadtarchivar Eckard Preuschhof auf. Über ihn kam  sie Kontakt mit dem Fritzlarer Stadtarchivar Clemens Lohmann. Er konnte den Fund historisch richtig einordnen.

„Das Unterhaltungsblatt“, erklärt Lohmann, „war eine Beilage des Fritzlarer Kreisanzeigers“. Ihm sei nur eine Ausgabe aus den 1920ern bekannt. Der Fachmann zeigte sich überrascht, dass die Beilage schon lange vor dem Ersten Weltkrieg erschien.

Im Gegensatz zum Kreisanzeiger erhält die Illustrierte keine lokalen Nachrichten und keine Tagespolitik. Sie bildet vielmehr ein „Kaleidoskop der damaligen Zeit ab“, erklärt der Archivar.

Für die meisten Menschen waren Reisen unvorstellbar, die Mobilität war oftmals nur auf die nächste Umgebung beschränkt. Auch steckte die Film- und Rundfunktechnik noch in den Kinderschuhen. Somit nutzten die Menschen solche Unterhaltungsblätter, um sich ein Bild von der Welt zu machen. „Die Menschen sehnten sich nach Exotischem und Nachrichten aus aller Welt“, so Lohmann, „nicht umsonst waren in dieser Zeit Abenteuerromane, wie die von Karl May, so beliebt“.

Fortsetzungsromane füllen die Seiten, gepaart mit Berichten aus fernen Ländern und den Kolonien. Dem Zeitgeist entsprechend sind die Darstellungen von den Einwohnern der kolonisierten Länder rassistisch geprägt. Das Bild des „dummen Schwarzen“ herrscht vor.

Unterhaltungsblatt voller Poesie 

Die Begeisterung für Armeen und Kriegstechnik findet ihren Einzug. Ein großer Bericht widmet sich dem britischen „Dreadnought“ (Fürchtenichts)-Kriegsschiff, das die Seekriegsführung revolutionierte.

Aber auch seichtere Themen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft werden abgehandelt. Alles ist mit zahlreichen Bildern versehen, sowohl Fotos als auch Zeichnungen. Gedichte, Lieder und Kurzgeschichten komplettieren das Angebot.

„Ob die Beilage auch in der Huhn’schen Druckerei in der Fritzlarer Fraumünsterstraße entstand, ist mir nicht bekannt, ebenso wenig, in welchem Rhythmus die Hefte erschienen“, erzählt Lohmann. Auch warum die einzelnen Hefte der Jahrgänge 1909 und 1910 gebunden wurden, sei ihm schleierhaft.

Hinweis könnte der Name Liesel B. aus Borken sein, der auf der Umschlaginnenseite notiert ist. Eventuell gibt es noch Nachfahren, die etwas wissen.

Stadtarchivar Clemens Lohmann ruft dazu auf, dass Menschen, die dazu etwas sagen können oder die im Besitz von Ausgaben des „Illustriertes Unterhaltungsblatt der Fritzlarer Zeitung“ sind, sich unter Telefon 0 56 22/ 9 88 6 46 bei ihm melden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.