Zuhausebleiben ohne Heim?

Wohnungslose in Fritzlar sind auf Hilfe angewiesen

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Er weiß, dass er sich auf die Wohnungsnotfallhilfe verlassen kann, und sei es nur, wenn es ums Wäschewaschen geht: Rolf Peil. Foto:

Zuhause bleiben in der Coronakrise um sich selbst und andere zu schützen- was für die meisten Menschen einfach scheint, stellt Wohnungslose vor ein großes Problem

Rolf Peil hat es sich an der langen Tafel der Wohnungsnotfallhilfe gemütlich gemacht, die in Fritzlar von der Diakonie betrieben wird. Er sitzt allein dort – wegen der Coronakrise. „In Spitzenzeiten essen wir hier gemeinsam mit rund 20 Besuchern“, sagt der 63-Jährige, der als Wohnungsloser zu den Klienten der Diakonie gehört und die Angebote vor Ort gern wahrnimmt.

Auch wenn er derzeit keine eigene Bleibe hat, ist er doch nicht obdachlos. Seit einiger Zeit lebt er in einem Übergangszimmer, das ihm die Diakonie vermittelt hat. „Das ist eine Ausnahme, aber bei mir ist eine positive Veränderung absehbar, deshalb darf ich das Zimmer länger nutzen als üblich“, sagt der gebürtige Dortmunder, der seit vielen Jahren in Fritzlar lebt und durch gesundheitliche Probleme in seine missliche Lage gerutscht sei.

Hilfe keine Selbstverständlichkeit

„Was die Mitarbeiter hier für mich und andere Menschen in Not tun, ist nicht selbstverständlich“, sagt der frühere Lkw-Fahrer, während er seine frisch gewaschene und getrocknete Wäsche fein säuberlich zusammenlegt und im Trolley verstaut. Deswegen sei er heute da, in seinem Übergangszimmer könne er nicht waschen.

Außerdem seien die Stunden in der Einrichtung immer eine schöne Abwechslung, auch wenn er wegen Corona derzeit auf kurzweilige Unterhaltungen mit anderen Klienten verzichten und sich mit Sozialarbeiter Tobias Diekmann begnügen müsse. „Der Tobi ist ein feiner Kerl, wie alle hier“, sagt er.

Coronakrise: zu wenige Notunterkünfte

Wie wichtig das gerade für Menschen in Krisenzeiten ist, weiß Diekmann genau, der sich mit seinen Kollegen pro Jahr im Schwalm-Eder-Kreis um an die 80 Menschen in Wohnungsnot kümmert. Die aktuellen Maßnahmen der Regierung einzuhalten, sei für seine Klienten nicht leicht, das fange schon damit an, dass man ohne ein festes Zuhause gar nicht zuhause bleiben könne.

„Notunterkünfte öffnen in der Regel abends und schließen am Morgen wieder, tagsüber sind die Menschen ohne eigenen Wohnsitz gezwungen, rauszugehen“, erklärt der junge Mann, der hilft, wo er nur helfen kann. Dass die Wohnungsnotfallhilfe derzeit aufgrund der Bestimmungen nur noch nach Voranmeldung und in begrenztem Rahmen möglich ist, sei ein zusätzliches Problem.

Hoffen auf bessere Zeiten

Er unterstützt Klienten beispielsweise auch bei Telefonaten mit Behörden. Problematisch sieht Diekmann aktuell die Situation der Notunterkünfte, da etwa Pensionen weggefallen seien. „Wer über freien Wohnraum verfügt und diesen für Menschen in Wohnungsnot zur Verfügung stellen würde, auch als Zwischenlösung, kann sich gern bei uns melden.“

Rolf Peil weiß, dass er innerhalb der Wohnungsnotfallhilfegemeinschaft gut aufgehoben ist. „Probleme werden offen angesprochen, Lösungen gesucht und in der Regel auch gefunden, egal wie“, so der 63-Jährige. Den Kopf will er trotz einer gewissen Traurigkeit über die Situation nicht hängen lassen. Er freut sich darauf, wenn er hoffentlich schon bald nicht mehr allein an der großen Tafel der Wohnungsnotfall hilfe sitzen muss.

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