Mutter war schockiert 

Sieben weitere Verhandlungen nach sexuellem Missbrauch durch Stiefvater aus dem Schwalm-Eder-Kreis 

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Sieben weitere Verhandlungen nach sexuellem Missbrauch durch Stiefvater aus dem Schwalm-Eder-Kreis 

Im Prozess um sexuelle Handlungen an einer Stieftochter sind so viele Fragen offen, dass das Schöffengericht am Amtsgericht Fritzlar sieben weitere Termine festgelegt hat. 

Mehr als zehn Zeugen sollen nun vernommen werden. Bisher waren nur die Mutter (44) und ihre jetzt 23-jährige Tochter im Zeugenstand. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll der jetzt 52 Jahre alte Stiefvater zu einem unbekannten Zeitpunkt in den Jahren 2008 bis 2014 sexuelle Handlungen an seiner Stieftochter vorgenommen und dies mit seiner Kamera fotografiert haben.

Während der Verteidiger von der Unschuld seines Mandanten überzeugt ist, sprach die Oberstaatsanwältin von einer „heftigen Straftat“. Sie möchte auch den jetzt 13-jährigen Sohn hören, „ob ihm Ähnliches passiert“ sei. Der 13-Jährige ist der gemeinsame Sohn des Angeklagten und seiner Ex-Frau, die die Tochter aus einer anderen Beziehung mit in die Ehe gebracht hatte. Die Frau, ihre Tochter und der Sohn leben inzwischen in Niedersachsen. Der Sohn sei inzwischen über den Vorfall informiert, erklärte die Mutter vor Gericht.

Die Frau, die bei ihrem Ex-Mann angestellt war, hatte den Fall durch eine Anzeige bei der Polizei Ende April 2016 ins Rollen gebracht. Auf dem Computer ihres damaligen Mannes hatte sie – wie sie dem Gericht schilderte – Fotos entdeckt, die ihre schlafende Tochter und ein erigiertes männliches Geschlechtsteil zeigen. „Ich war schockiert, hatte Herzklopfen, Angst und überschlagende Gedanken“, sagte sie bei ihrer zweiten Zeugenaussage. Mit ihrem Handy habe sie die Bilder vom Computer abfotografiert und der Polizei zur Verfügung gestellt. Ihr damaliger Mann habe dann – von ihr zur Rede gestellt – gesagt, „da ist nichts“, und er habe die Fotos doch gelöscht.

Im Computer habe sie auch von ihrem Mann gefertigte Fotos entdeckt, die sie nackt zeigen. Ihre Forderung, diese zu löschen, habe ihr Ex-Mann abgelehnt, weil diese „eine schöne Erinnerung“ seien. Er habe noch mehr Fotos davon. Nach Ansicht der Mutter können die Fotos ihrer Tochter mit dem Geschlechtsteil nur von dem Beschuldigten stammen, weil nur er Zutritt zu dem Zimmer gehabt habe.

Die Frage des Verteidigers, ob es auch der Penis des nunmehr 17 Jahre alten Sohnes des Angeklagten oder dessen Freundes gewesen sein könnte, beantwortete die Frau mit einem eindeutigen Nein. Zeigen die belastenden Fotos in den Ermittlungsakten nun tatsächlich den Penis des Angeklagten oder nicht? Diese Frage ist nach wie vor offen. Der Verteidiger sprach von einem Fall für einen Freispruch, da die Ex-Frau nicht einmal gesagt habe, es sei das Körperteil des Angeklagten. Auch die Möglichkeit einer Fotomontage schloss der Verteidiger nicht aus.

Er ist nach wie vor gegen die Verwertung der Lichtbilder, sieht Verstöße gegen die Strafvorschriften sowie das Urheberrechtsgesetz. Er fordert ferner ein anthropologisches Gutachten zu Geschlechtsteilen. Im Verlauf der Verhandlung kam es mehrfach zu harten Diskussionen zwischen Verteidiger und Oberstaatsanwältin. Sie habe „innerlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, sagte sie zu den Anträgen der Verteidigung.

Update vom 1.11.2019: Ein 33-jähriger Mann aus Hofgeismar wird verdächtigt, zahlreiche Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft Kassel hat Anklage erhoben.

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