Zweiter Piks kommt zu spät

Fritzlarerin bekommt derzeit keine Impfung gegen Gürtelrose 

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Zweimal muss sein: Ärzte verabreichen den Impfstoff gegen Gürtelrose in zwei Dosen – bestenfalls innerhalb von zwei bis sechs Monaten.

Gürtelrose kann vor allem für ältere Menschen gefährlich werden. Deshalb hat sich auch Ulrike Würfel aus Fritzlar im April impfen lassen. Leider brachte ihr diese Entscheidungnur Ärger.

Denn zurzeit ist der Wirkstoff nicht erhältlich. Und Würfels erste Impfdosis droht hinfällig zu werden.

„Das darf doch eigentlich nicht wahr sein“, sagt die Fritzlarerin. Damit der Körper hinreichend Antikörper gegen das Virus bilden kann, sind insgesamt zwei Dosen des Impfstoffes Shingrix erforderlich – und zwar laut medizinischen Studien im Abstand von zwei bis höchstens sechs Monaten. „Als ich in die Apotheke gegangen bin, um mir die zweite Dosis abzuholen, war der Impfstoff einfach nicht mehr da.“

Laut Dr. Ulrich Klinge, Leiter des Gesundheitsamtes im Schwalm-Eder-Kreis, ist der Wirkstoff, der erst seit dem vergangenen Jahr auf dem Markt ist und von der Münchener Firma Glaxo Smith Kline GmbH verkauft wird, in der Einer-Packung wieder Ende des Jahres erhältlich. Zu spät für Ulrike Würfel, die besonders über eines grübelt: „Ich habe 113 Euro für die erste Dosis bezahlt. Und jetzt muss ich wieder von Neuem anfangen?“

Das sei nicht unbedingt nötig, sagt Klinge. „Laut der Ständigen Impfkommission zählt bereits jede Impfung.“ Bei einem verspäteten zweiten Impftermin gehe also nicht zwangsläufig etwas verloren. Dass Impfstoffe zeitweise nicht mehr lieferbar seien, komme immer wieder vor, so Klinge. „Eine Nachproduktion ist zeitaufwendig.“

Damit hat auch Dr. Saskia Schmidt Erfahrung. Sie ist Ärztin der Gemeinschaftspraxis in Gensungen, in der sich Würfel behandeln lässt. „Es ist für uns unerklärlich, warum einige Impfstoffe so häufig nicht erhältlich sind“, sagt sie. Nicht nur bei Shingrix, sondern auch bei Gardasil, dem Wirkstoff gegen Humane Papillomviren (HPV), und sogar beim Impfstoff gegen Tetanus gebe es zeitweise Lieferengpässe. „Um ganz sicher zu gehen, dass die Impfung wirkt, wäre es schon das Beste für Frau Würfel gewesen, den empfohlenen Zeitraum einzuhalten“, rät sie.

Würfel muss nun selbst entscheiden: Lässt sie sich erneut zweimal impfen, um auf Nummer sicher zu gehen? Es könnte allerdings sein, dass sie zumindest für die erste Impfung auf den Kosten sitzen bleibt. „Das hängt von der Kulanz der Krankenkasse ab“, erklärt Karl Matthias Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KVH) Hessen. „Das Problem liegt definitiv am Hersteller“, sagt er. „Mit einer solch hohen Nachfrage hat dieser einfach nicht gerechnet und dementsprechend falsch kalkuliert.“

Da sich die KVH und die Krankenkassen in Hessen derzeit noch nicht auf eine Form der Vergütung geeinigt haben, müssen Patienten die Apotheken selbst aufsuchen, um eine Einzelpackung zu erhalten. Und die gibt es erst wieder ab Dezember.

Hessens Ärzte dürfen Impfstoff noch nicht lagern

Dass die Nachfrage nach dem Impfstoff Shingrix schon nach einem Jahr so überwältigend hoch ist, damit hat selbst die Herstellerfirma Glaxo Smith Kline GmbH nicht gerechnet. Schnellstmöglich werde nun dafür gesorgt, dass der Wirkstoff wieder lieferbar ist, sagt Dr. Anke Helten, Senior-PR-Managerin des Unternehmens. 

Das Problem liegt laut Helten allerdings vor allem an einer anderen Stelle: „Hessen ist das einzige Bundesland, das sich noch nicht auf den Sprechstundenbedarf geeinigt hat.“ Das heißt: In Bundesländern, in denen die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen eine Impfvereinbarung getroffen haben, können Ärzte den Impfstoff Shingrix in ihrer Praxis lagern – und zwar im Zehnerpack. „So müssen Patienten nicht im Hochsommer mit einer einzelnen Dosis, die eigentlich dauerhaft gekühlt werden muss, von der Apotheke zur Praxis laufen,“, sagt sie. 

Außerdem sei so sichergestellt, dass trotz Lieferengpässen ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Ohnehin sei die Zehnerpackung nicht erst im Dezember, sondern sogar schon in Kürze wieder lieferbar.

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