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Frühe Hilfe für Familien: Immer mehr Eltern nutzen Angebot des Kreises

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Von: Claudia Brandau

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Sie gehören zum Netzwerk, das hinter den Frühen Hilfen Schwalm-Eder steht: von links Natalie Schwab, Björn Angres, Jutta Petrich und Antonette Bongartz.
Sie gehören zum Netzwerk, das hinter den Frühen Hilfen Schwalm-Eder steht: von links Natalie Schwab, Björn Angres, Jutta Petrich und Antonette Bongartz. © Claudia Brandau

Sie sind Ansprechpartner für Eltern, die Unterstützung bei der Pflege und Versorgung ihrer Kleinkinder brauchen.

Schwalm-Eder – Das Team der „Frühen Hilfen“ des Jugendamtes besteht aus Fachkräften im Gesundheitswesen – und bietet Rat und Tat und damit Hilfe im Alltag. Immer mehr Eltern nutzen dieses Angebot: Waren es vor zwei Jahren noch 50, so sind es nun bald 100 Mütter und Väter, die Unterstützung, Begleitung und Betreuung suchen – und auch erhalten. Das Angebot sei mehr als zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie gefragter denn je, sagt Fachbereichsleiterin Jutta Petrich.

In Coronazeiten hätten vielen Familien die sozialen Verbindungen gefehlt, viele Eltern seien auf sich selbst gestellt gewesen, viele Kinder ohne ausreichende Kontakte gewesen“, sagt auch Antonette Bongartz, Hebamme aus Niedermöllrich: „Es gab in der Pandemie kein normales Aufwachsen – jetzt besteht großer Nachholbedarf.“

Beratung für Schwangere, Alleinerziehende und Eltern

Die „Frühen Hilfen“ bieten Hilfe und Beratung für Schwangere, Alleinerziehende und Eltern mit Kindern bis drei Jahren in schwierigen und belasteten Lebenssituationen. Fachkräfte aus Gesundheitsberufen beraten Eltern beim Start ins Familienleben, das oft viele Herausforderungen und Unsicherheiten mit sich bringt.

Die Gesundheitsfachkräfte geben Informationen und Anleitungen zu Pflege, Ernährung, Entwicklung und Förderung des Kindes. Bei Bedarf vermitteln sie auch weiterführende Hilfsangebote. Es sei ein niederschwelliges Angebot, das dabei helfen soll, Überforderung in Familien und damit akute Krisensituationen zu vermeiden und Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Manche Eltern, die Hilfe benötigten, hätten aber Probleme, diese auch anzunehmen: Viele seien zum einen überzeugt, dass sie doch alles alleine schaffen könnten – und hätten zum anderen auch Angst davor, die alltägliche Überforderung vor einer Behörde zu zeigen. Das sei völlig unnötig, sagt Jugendamtsleiter Björn Angres. „Unser Ziel ist es, freiwillige Angebote zu machen, Probleme zu lösen und damit Kinder und Eltern zu stabilisieren.“

Gesundes und gewaltfreies Aufwachsen ist das Ziel

Das alles im vertrauensvollen, zugewandten Interesse und Gespräch. „Ein gesundes und gewaltfreies Aufwachsen der Kinder ist unser Ziel“, sagt Fachbereichsleiterin Jutta Petrich. Die Frühen Hilfen sind damit ein präventiver und freiwilliger Bestandteil des Kinderschutzes. Einer, der Eltern vor Überforderung schützen und zugleich die Entwicklung des Kindes fördern soll.

Eine, die diese Hilfe gibt, ist Natalie Schwab. Die 32-jährige Kinderkrankenschwester aus Schwalmstadt arbeitet in einer Marburger Klinik und hat für die nebenberufliche Tätigkeit bei den Frühen Hilfen die geforderte Zusatzqualifizierung abgelegt. Zurzeit unterstützt sie eine alleinerziehende Mutter, gibt Tipps, unterstützt sie bei Behördengängen, ermutigt sie, den Alltag anzugehen und zu stemmen: „Ich versuche ihr, auf die Beine zu helfen.“

Auch das ist eine Art des Begleitens, die die Mutter so festigt, dass sie besser auf ihr Kind eingehen kann. „Das ist eine Arbeit, in der man sehr viel anstoßen und erreichen kann“, sagt Natalie Schwab. Und selbst wenn weitere Hilfe gebraucht werde – das Netzwerk im Landkreis, das Familien in den Fokus stellt, ist dicht geknüpft: Auch starke Eltern brauchten hin und wieder Unterstützung.

Die Tätigkeit für die Frühen Hilfen seien finanziell attraktiv, zeitlich sehr flexibel und für alle Seiten effektiv, betont Björn Angres. Der Landkreis sucht nun Menschen aus Gesundheitsberufen, die sich 2023 weiterbilden und dann für die Frühen Hilfen tätig sein wollen: Die Kosten dafür trägt der Landkreis
(Claudia Brandau)

Landkreis sucht Gesundheitsfachkräfte

Weil der Bedarf an psycho-sozialer Unterstützung steigt, sucht der Landkreis weitere Gesundheitsfachkräfte, die eine Zusatzqualifikation absolvieren wollen und danach nebenberuflich bei den Frühen Hilfen tätig sein wollen. Gesucht werden Menschen aus Gesundheitsberufen, die sich 2023 weiterbilden wollen: Die Kosten trägt der Landkreis. elternsein.info

Qualifizierung

Die Weiterbildung 2023 qualifiziert Gesundheitsfachkräfte wie Hebammen und (Kinder-)Krankenpflegerinnen mit Erfahrung in der Pflege oder einer Geburtsklinik. Die Ausbildung findet in Kassel statt, sie dauert ein Jahr und ist in mehrere Module unterteilt. Der Landkreis übernimmt die Kosten, wenn die Teilnehmer nach der Zusatzqualifikation nebenberuflich bei den Frühen Hilfen tätig sind. Anmeldeschluss ist der 9. Januar.

Kontakt: Jutta Petrich, Fachstelle Frühe Hilfen, Tel. 0 56 81 / 77 55 59 Mo. bis Fr. 9 bis 12.30 Uhr.

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