Es geht aufwärts

Kellwerwaldturm hat wieder geöffnet

Wieder geöffnet: Der Kellerwaldturm auf dem Wüstegarten ist wieder geöffnet. Foto: nh

Jesberg. Der Kellerwaldturm im Wüstegarten ist nach 13 Monaten ab sofort wieder für Besucher geöffnet. Allerdings mit Einschränkung. Denn nach Auflagen des Gutachters dürfen nur 15 bis 20 Personen gleichzeitig die Aussicht vom höchsten Punkt des Schwalm-Eder-Kreises aus genießen. Noch am gestrigen Dienstag ließ Jesbergs Bürgermeister Günter Schlemmer das Absperrband und die Verbotsschilder beseitigen.

Mit der eingeschränkten Freigabe des Aussichtsturms ist die Durststrecke für den Fremdenverkehr zu Ende, sagte Rainer Paulus, Geschäftsführer des Naturparks Kellerwald-Edersee gestern im Rathaus von Jesberg. Dem pflichteten auch Vizelandrat Winfried Becker, Bad Zwestens Bürgermeister Michael Köhler und Jesbergs Bürgermeister Günter Schlemmer bei.

Es seien vor allem Wanderer, die ein Ziel benötigten, und das sei der Kellerwaldturm. Seit er aus Sicherheitsgründen vor gut einem Jahr geschlossen worden war, habe der Fremdenverkehr starke Einbußen erlitten. Das sei nun vorbei.

Der Streit um die Mängel am Kellerwaldturm ist dagegen nicht zu Ende. Nach Darstellung von Paulus ist das Gerichtsverfahren noch anhängig. Dabei geht es unter anderem darum, wer die Verantwortung übernimmt. Die waren schon kurz nach der Eröffnung des 28-Meter-Turms im Oktober 2004 aufgetreten. Mit Auflagen durfte er zunächst noch genutzt werden. Doch im April vergangenen Jahres sprach sich der gerichtlich bestellte Gutachter für eine komplette Schließung aus. Ein herber Schlag für den Tourismus, vor allem für die Wanderer im Kellerwald.

„Der Kellerwaldturm hat keine statischen Probleme. Er ist standsicher.“

Rainer Paulus

Doch nun gab er in seiner 183-Seite-Expertise den Turm für 15 bis 20 Personen frei. Untersagt habe er, den „Turm in Voll-Last zu nutzen“, sagte Paulus. Das bedeute, dass nicht alle drei Ebenen gleichzeitig voll besetzt sein dürfen. Klar sei damit aber auch, dass der 160 000 Euro teure Turm auf dem Hohen Keller von der Statik her keine Mängel aufweise.

„Der Aussichtsturm ist standsicher, er hat keine statischen Probleme“, unterstrich Paulus.

Was den Gutachter zu seinem Sinneswandel bewogen habe, darüber könne er nur spekulieren, sagte Bürgermeister Schlemmer. Vielleicht liege es auch daran, dass der Turm die heftigem Stürme überstanden und Wind und Wetter getrotzt habe.

Dennoch: Im Streit darüber, wer Schuld an den Baumängeln ist, geht es um viel Geld. Der Streitwert vor Gericht beläuft sich auf 160 000 Euro.

Doch nun können Wanderer den Turm erstmal erklimmen. Allerdings müssen sie in eigener Verantwortung darauf achten, dass nie mehr als 15 bis 20 Personen gleichzeitig die Aussicht genießen. Eine Überwachung, gibt es nicht. (ras)

Hintergund: Ein Prunkstück mit Rissen

Im Oktober 2004 wurde der neue, 28 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Jesberger Wüstegarten eröffnet. Eigentümer ist der Naturpark Kellerwald-Edersee , der die Lärchen-Holzkonstruktion auf dem höchsten Punkt im Schwalm-Eder-Kreis errichten ließ. Höher hinaus kommt man im Landkreis nicht: Der Wüstegarten liegt 700 Meter über dem Meeresspiegel.

Die Kosten für den Turm betrugen 270 000 Euro inklusive Zufahrten und Vorbereitungsarbeiten, sagt Rainer Paulus, Geschäftsführer des Naturparks Kellerwald-Edersee. Der Turm allein habe 160 000 Euro gekostet. Bereits im Herbst 2006 wurden erste Bauschäden sichtbar: "Das Prunkstück zeigt Risse", titelte die HNA damals. Die Leimverbinder lösten sich, Risse entstanden. Seitdem streiten sich der Handwerksbetrieb, der die Balken verarbeitet und der Hersteller, der sie produziert hat, darum, wer Schuld daran ist, dass sich die Fugen an etlichen Schichtholzbalken öffnen. (bra)

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