Nach fünf Tagen auf Achse

Erlöst, erleichtert, beruhigt - So geht es Känguru Karlchen und seinen Besitzern

Metze. Als ob nichts geschehen wäre: Känguru Karlchen hüpfte am Freitagmorgen wieder wie gewöhnlich in seinem Gehege herum, spielte mit seinen Bällen und einem Stofftiger. Kamerunschaf Angel folgte dem Wallaby-Känguru auf Schritt und Tritt.

Nach der fünftägigen Suche wurden Karlchen und Angel am Donnerstagabend wieder vereint. Tierarzt Rainer Czipri hatte Karlchen mit einem Betäubungspfeil getroffen. Es war aus Sicht von Kängurubesitzer Rainer Aschenbrenner die letzte Chance, das Känguruh noch zu fangen.

An dem Abend sah es allerdings noch nicht nach einem herzlichen Wiedersehen aus: Karlchen, noch angeschlagen von der Betäubung, fauchte, schlug und trat nach Aschenbrenner und Angel. Nach Aschenbrenners Fürsorge kehrte dann aber doch Ruhe ein. „Ich habe ihm Hafer gebracht, dann hat er auch irgendwann seinen Lieblingsplatz wieder gefunden“, und von da an habe Karlchen sich beruhigt. „Jetzt ist er wieder ganz zutraulich“, erzählte Aschenbrenner am nächsten Morgen, „als ob er gar nicht weg gewesen wäre.“

Wieso er am Sonntag ausgebüxt war, darüber kann Aschenbrenner weiterhin nur spekulieren. Die Vermutung, dass er tatsächlich auf der Suche nach einer Partnerin war, sei aber wahrscheinlich.

Jetzt sei er erstmal erleichtert, dass Karlchen sich so schnell wieder an sein Zuhause gewöhnt habe: „Er war schon dabei zu verwildern.“ Karlchen sei wie ein guter Freund, so der 48-jährige.

Jetzt bleibe Karlchen erstmal in dem vorderen Teil des zweigeteilten Geheges. Um einen weiteren Ausbruch zu verhindern, sei das hintere Gehege mit dem niedrigeren Zaun vorerst Tabu für das Wallaby. „Die nächsten Tage bleibt er erstmal vorne“, meinte Aschenbrenner, „und wenn er überhaupt irgendwann wieder nach hinten darf, dann nur unter Aufsicht.“

Die Kosten der dramatischen Suche, die auf Aschenbrenner zukommen, kann der Kängurubesitzer noch nicht überblicken. Besonders ärgerlich: Bei der Suche wurde auch sein neues Auto beschädigt. Hinzu kommen noch Kosten für Tierarzt, Suchhunde. Und auch die vielen anderen Helfer, die sich angeboten hatten, sollen nicht leer ausgehen.

Chronologie der Suche

• Sonntag: Karlchen wird nach der Fütterung vermisst und den ganzen Tag gesucht.

• Montag: Mit Hunden und Drohne wird beim Junkerskopf gesucht. Die Drohne zerschellt an einem Baum.

• Dienstag: Schaf Angel soll helfen, büxt aus und muss eingefangen werden. Karlchen wird in einem Maisfeld vermutet, die Suche wird gegen 21 Uhr erneut abgebrochen.

• Mittwoch: Die Suche wird im Wald oberhalb der Metzer Grillhütte fortgesetzt, Karlchen entdeckt, verschwindet aber wieder im Dickicht.

• Donnerstag: Im selben Gebiet wird Karlchen mehrmals gesichtet. Mit Leckerlis wird das Wallaby angelockt und durch Czipri betäubt. Gegen 19:30 Uhr ist Karlchen wieder in seinem Gehege.

Von Benedikt Dittrich

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