Gewalt bleibt ein Problem

Frauenhaus Schwalm-Eder-Kreis: Awo und Hephata arbeiten enger zusammen

Heidemarie Lange, Leiterin Frauenhaus.
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Heidemarie Lange, Leiterin Frauenhaus.

Im vorigen Jahr haben weniger Frauen im Frauenhaus des Landkreises Schutz vor gewalttätigen Partnern gesucht: Waren es 2019 noch 52 Frauen und 68 Kinder, die dort Zuflucht vor drohender oder tatsächlicher häuslicher Gewalt fanden, so belief sich deren Zahl 2020 auf 40 Frauen und 42 Kinder, die vor gewalttätigen Partnern und Vätern in die Einrichtung flohen.

Schwalm-Eder - Der Rückgang aber habe nichts damit zu tun, dass die Zahl der häuslichen Gewalttaten in der Coronakrise gesunken sei, betont Frauenhausleiterin Heidemarie Lange. Das belegen auch die Zahlen der Beratungen: 59 von Gewalt bedrohte oder betroffene Frauen ließen sich in der Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo), weitere 102 am Telefon zur häuslichen Situation beraten.

55 Mal hatte die Polizei das Frauenhaus von Fällen häuslicher Gewalt im Landkreis unterrichtet. Die Dunkelziffer der tatsächlichen Taten aber sei hoch. Deshalb ist Heidemarie Lange sicher: „Die Pandemie wirkt sich nicht unmittelbar auf die Belegung aus.“ Sie ist sicher: „Sobald sich die Situation entspannt, steigen auch die Zahlen.“

Ein Grund dafür sei, dass viele Frauen in schwierigen Lebensumständen glaubten, dass die Frauenhäuser in Coronazeiten bis unters Dach gefüllt seien – und damit die Infektionsgefahr entsprechend hoch sei. Das führe dazu, dass es zurzeit noch Kapazitäten im Frauenhaus gebe. Die Frauen, die zurzeit dort wohnten, erlebten – viele zum ersten Mal – dort Sicherheit und eine gewisse Stabilität. Doch es sei meist ein langer Weg, bis Betroffene der Gewaltspirale entkämen: „Der Entschluss, einen Mann zu verlassen – selbst dann, wenn er gewalttätig ist – braucht einen langen Vorlauf.“

Unterstützung bei diesem Entscheidungsprozess gibt es nun auch von Hephata: Das Frauenhaus arbeitet seit 2020 mit der diakonischen Einrichtung zusammen, um so auch Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen besser zu erreichen. Das Frauenhaus hat eigens dafür einen Flyer in vereinfachter Sprache erarbeitet, der mit kurzen Sätzen und vielen Symbolen klar macht: Gewalt darf man nicht einfach hinnehmen.

Mehr als 69 000 Fälle von Gewalt gegen Frauen

Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal im Leben von Gewalt betroffen, jede vierte erleidet körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten. 2019 verzeichnete das Bundeskriminalamt 69 012 Körperverletzungen, 1514 Freiheitsberaubungen und 301 Fälle von Mord und Totschlag. Diese Zahlen nennt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf der Internetseite. (Claudia Brandau)

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