Ein Glücksfall für alle

40 Jahre Kindergarten Mardorf: Eigeninitiative hatte Erfolg

Tuck, tuck, tuck, mein Hühnchen: Zu Ehren der ehemaligen Leiterin Gertrud Kothe führten die derzeitigen Kindergartenkinder ein Singspiel auf.

Mardorf. Für viele Menschen in Mardorf war dies ein Grund zu feiern: Das 40-jährige Bestehen des örtlichen Kindergartens, der zudem seit seiner Gründung in dem Gebäude untergebracht ist.

Dabei sei es im Jahr 1974 alles andere als einfach gewesen, die Stadt Homberg für diese Idee zu begeistern, beteuerte der damalige Fürsprecher und Initiator Klaus-Thilo Kroeschell in einem Rückblick.

Damals habe man die Kleinkinder gern im Ort halten und ihnen eine Busfahrt ersparen wollen. So plante man, ein kostengünstiges Betreuungsangebot im Ort zu gründen und dieses im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) im Homberger Stadtteil Mardorf anzusiedeln.

Der damalige Homberger Rathauschef Horst Gunkel schlug angesichts der Sorge vor Dreck und Beschädigungen durch die übermütige junge Klientel und mögliche anderweitige Nutzungseinschränkung regelrecht die Hände über dem Kopf zusammen. Erst eine taktische Raffinesse ermöglichte das Projekt: „Getarnt als Kinderchor mit vormittäglichen Proben haben wir einen Kinderspielkreis gegründet. Das war zwar irgendwie am Rande der Legalität, hat aber hervorragend geklappt“, freut sich Kroeschell. Zum Gelingen habe auch beigetragen, dass mit der in der Kinderbetreuung erfahrenen Gertrud Kothe genau die richtige Frau für die Leitung gefunden wurde.

Die heute 85-Jährige, die im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier stand, erinnerte sich an die spartanische Ausstattung der Anfangszeit: „Wir haben auf einem Teppich gehockt und gesungen, gebastelt und gespielt - mit einem selbstgebauten Kasperletheater.“ Die knappe Kasse füllte sich ein wenig durch Kindergartenfeste sowie Geburtstagsständchen im Ort. Wenn andere Veranstaltungen im DGH stattfanden, habe man wie im Zirkus kurzerhand alles eingepackt und sich im Wohnzimmer von Mardorfer Familien getroffen. „Der Zusammenhalt war groß und die Einrichtung konnte dank viel Eigeninitiative erhalten werden. Ich selbst habe mir damit meinen Lebenstraum erfüllt“, beteuert die gerührte Seniorin.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

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