Analyse

Glücksspiel birgt Suchtpotential, füllt aber die Gemeindekassen

Eine Frau sitzt an einem Spielautomaten: Der rasante Anstieg bei der Zahl der Spielhallen bringt den Kommunen viel geld in die Kassen. Foto: Federico Gambarini/dpa

Schwalm-Eder. Glücksspiel birgt ein erhebliches Suchtpotential, die Zahl der Abhängigen ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Gleichzeitig spült die Spielautomatensteuer den Kommunen teilweise auch erhebliche Einnahmen in die Kassen.

Viel Geld kommt vor allem dort zusammen, wo größere Spielhallen in Gewerbegebieten und an Autobahnen betrieben werden. Edermünde etwa verbucht im Haushaltsplan einen Betrag von 240 000 Euro, in Guxhagen sind es 205 000 Euro. Schwalmstadt, die größte Stadt im Landkreis, nimmt 50 000 bis 60 000 Euro ein. Glücksspiel bringe natürlich eine Menge Schattenseiten mit sich, aber eine Kommune habe keine Möglichkeit etwas zu verändern, meint Thomas Petrich, Bürgermeister von Edermünde. Hier seien die Gesetzgeber von Land und Bund gefordert.

„Es gehört zu einer freien Gesellschaft, dass jeder Dinge tun kann, die ihn schlimmstenfalls auch schädigen“, sagt sein Guxhagener Amtskollege Edgar Slawik. Schwalmstadts Bürgermeister Dr. Gerald Näser weist darauf hin, dass eine Spielhalle auch viele Nachteile für die Kommune mit sich bringe, etwa Kleinkriminalität und eine Abwertung des Wohnquartiers.

Die Auswirkungen einer krankhaften Spielsucht sollten nicht unterschätzt werden, sagt Petra Hammer-Scheuerer, die beim Diakonischen Werk in Kassel das Sachgebiet für Sucht- und Sozialtherapie leitet. Dorthin können sich auch Abhängige und Angehörige aus dem Schwalm-Eder-Kreis wenden.

„Eine unbehandelte Spielsucht kann zum Suizid führen, weil die Verzweiflung so groß ist, dass die Betroffenen nicht mehr wissen, was sie tun sollen“, sagt sie. Petra Hammer-Scheuerer würde sich wünschen, dass die Kommunen einen Teil der Einnahmen zur Verfügung stellen, um die Beratungsangebote zu verbessern.

Von Heinz Rohde

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