Heute vor 25 Jahren starben bei einer Explosion 51 Bergleute

Grubenunglück in Borken: Noch sind viele Fragen offen

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Bergarbeiter und Rettunsghelfer vor einem zerstörten teil der Grubenanlage am 2.6.1988 in Borken.

Borken. Wenn heute um 12.37 Uhr in ganz Borken die Kirchenglocken erklingen, ist es genau 25 Jahre her, dass eine Explosion die Grube Stolzenbach erschütterte. Bei dem Grubenunglück kamen 51 Bergleute ums Leben, sechs wurden nach vier Tagen aus der Tiefe gerettet.

Die Erinnerungsfeier in Borken beginnt heute mit einer Kranzniederlegung an der Gedenkstätte Stolzenbach um 13 Uhr. Dazu hat sich unter anderem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) angekündigt, der am Tag des Unglücks vor 25 Jahren als Justiz-Staatssekretär am Unglücksort war. Neben Bouffier wird an der Gedenkstätte der türkische Generalkonsul Ufuk Ekici sprechen. Viele Borkener Bergleute stammten aus der Türkei.

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Eine große Gedenkfeier findet ab 15 Uhr im Borkener Bürgerhaus statt. Sie wird aus einem christlichen und einem muslimischen Teil bestehen, unter anderem sind Bischof Martin Hein (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) und Mehmet Cemal Pekacar, Hodscha der türkischen Gemeinde in Borken, dabei.

In Borken ist die Erinnerung an das Unglück noch sehr lebendig. Besonders das Chaos an der Grube in der ersten Zeit nach der Katastrophe habe sich ihm eingeprägt, sagte Bürgermeister Bernd Heßler in einem HNA-Interview. Mit der Kohlenstaub-Explosion endete abrupt die lange Bergbau-Tradition in Borken. Vor einigen Jahren entdeckten HR-Journalisten ein Dokument, das nahelegt, dass die Gefahr durch den Staub bekannt gewesen sein müsste.

Damit begann auch eine juristische Aufarbeitung der Katastrophe, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Ein Verfahren um Schadenersatz läuft noch.

Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal

Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Blick auf das Fördergerüst der Grube Stolzenbach vor dem Bergbaumuseum von Borken. Das Borkener Grubenunglück, bei dem 51 Bergleute den Tod fanden, jährt sich am 1. Juni zum 25. Mal. © dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Die völlig zerstörte Materialzufahrt zur Grube. Bei dem größten Grubenunglück in der Bundesrepublik seit 26 Jahren wurden am 2. Juni 1988 im Braunkohlebergwerk Stolzenbach bei Borken 51 Arbeiter getötet. Sechs Bergleute überlebten in einem Nebenstollen und konnten am 4. Juni gerettet werden. © A0009 dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Die Rettungskapsel, die durch einen Luftschacht herabgelassen wurde. © picture-alliance / dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Mit der Rettungskapsel konnten am 2. Juni 1988 nur tote Kumpel geborgen werden. © picture-alliance / dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Bergarbeiter und Rettunsghelfer vor einem zerstörten teil der Grubenanlage am 2.6.1988 in Borken. © picture-alliance / dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Erschütternde Szenen vor der Schachtanlage als bekannt wurde, dass für die Vermissten Bergarbeiter keine Hoffnung mehr besteht. © picture-alliance / dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Die ersten geborgenen Toten des Grubenunglücks im hessischen Borken werden am 02.06.1998 von Feuerwehrleuten auf einen Lastwagen geladen. © picture-alliance/ dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Gerettet (von links): Heinz Röse, Wilfried Dönch, Helmut Gessner, Ahmet Batkan, Egon Dehn und Thomas Geppert am 4. Juni 1988. © 
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Die Grubenwehr der Zeche Hirschberg im Jahr 1988. Viele davon waren im Einsatz beim Grubenunglück in Stolzenbach. © 
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Eine Gedenkstätte erinnert an das Grubenunglück. © picture-alliance/ dpa
Borkener Grubenunglück jährt sich zum 25. Mal
Nahe der Gedenkstätte Stolzenbach bei Borken ist am 21. Mai 2013 eine Tafel über dem ehemaligen Wetterschacht angebracht. © dpa

Die Grube wurde nie wieder geöffnet. Der Abbau in den Tagebauten lief noch einige Zeit weiter, bevor auch er zu Ende ging. Das Kraftwerk Borken schloss 1991 seine Tore für immer.

Von Olaf Dellit

Hintergrund: Gedenkstätte für die Bergbau-Toten

Dort, wo früher der Eingang zur Grube Stolzenbach war, ist eine Gedenkstätte entstanden. Sie liegt kurz hinter dem Ortsausgang Stolzenbach Richtung Dillich und ist ab Borken gut ausgeschildert.

Im Jahr 1990 hatte Professor Peter Prinz (Gensungen) gemeinsam mit den Künstlern Luise und Friedrich Pohl (Kassel) die Gedenkstätte entworfen. Geprägt wird sie von einem Ring, der von zwölf Eschen gesäumt ist. Auf ihm sind die Namen der Menschen notiert, die im Borkener Bergbau umgekommen sind, unter ihnen die 51 Toten des Unglücks in Stolzenbach. Zweites prägendes Element ist eine Sandstein-Klippe mit bildlichen Darstellungen aus dem Bergbau.

In der gedruckten Ausgabe am Samstag lesen Sie außerdem:

  • Er räumte Trümmer weg - Adolf Geis wurde zur Unglücksgrube gerufen, um mit einem Kran aufzuräumen

  • Alles ging durcheinander - HNA-Interview: Borkens Bürgermeister Bernd Heßler über das Unglück und die Folgen

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