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100 Tage im Amt: Bürgermeisterin Sina Best zieht Bilanz

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Von: Cora Zinn

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Auf Termin mit dem E-Scooter statt dem Dienstwagen: Gudensbergs Bürgermeisterin Sina Best ist neuerdings auf einem Elektroroller in der Stadt unterwegs.
Auf Termin mit dem E-Scooter statt dem Dienstwagen: Gudensbergs Bürgermeisterin Sina Best ist neuerdings auf einem Elektroroller in der Stadt unterwegs. © Cora Zinn

Nach 100 Tagen im Amt zieht Gudensbergs Bürgermeisterin Sina Best eine erste Bilanz: Wie ist es bisher gelaufen? Was steht als Nächstes an? Ein Interview mit der Rathauschefin.

Gudensberg – Seit dem 1. Juni ist Sina Best offiziell Bürgerin der Stadt Gudensberg. Die Bürgermeisterin hat eine Wohnung gefunden. „Das vereinfacht meine Arbeit extrem“, sagt sie. Die 34-Jährige ist am Sonntag, 5. Juni, die ersten 100 Tage im Amt. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen.

Frau Best, die ersten 100 Tage im Bürgermeisterinnenamt liegen hinter Ihnen. Sind Sie angekommen?

Ja. Ich fühle mich immer sicherer. Ich freue mich nach wie vor jeden Tag auf meine Termine.

Hat Sie bisher etwas überrascht?

Die Einladung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier am 29. März nach Berlin. Damit habe ich nie gerechnet. Das hat mich sehr geehrt. Nach ein paar Tagen im Amt stand ich auf dem Podium neben Steinmeier und habe über die Gudensberger Hilfe für Schtschyrez berichtet.

Was haben Sie in Ihren ersten drei Monaten erreicht?

Da möchte ich als erstes die außerordentliche Sitzung am Abend meines ersten Tages im Rathaus erwähnen. Die schlimme Nachricht des Krieges in der Ukraine erreichte uns am 24. Februar. Einen Tag danach habe ich meinen ersten Tag im Rathaus gehabt. Und schon rief ich zur Sitzung, um eine Soforthilfe über 50 000 Euro für unsere Partnerstadt bereitzustellen. Dann bin ich froh, dass wir inzwischen entschieden haben, ein Rückhaltebecken als Hochwasserschutz für Maden zu bauen. So können die Madener bald wieder sicherer leben. Ich hoffe, der Bau kann schnell beginnen.

Weiterhin sehe ich es als Erfolg, dass wir die Stundenzahl des Gudensberger Integrationsbeauftragten Biser Ivanov auf 27 Stunden pro Woche erhöhen konnten. Ebenso ging eine Stellenausschreibung für einen Ordnungspolizeibeamten raus.

Der Krieg in der Ukraine ist seit ihrem Amtseintritt am 25. Februar das bestimmende Thema. Welche Projekte müssen dafür hintenanstehen?

Definitiv die Bindung zu meinen Mitarbeitern. Durch das sofortige Handeln wegen des Ukraine-Krieges konnte ich am Anfang nicht das zwischenmenschliche Gefühl zu meinen wichtigen und tollen Mitarbeitern aufbauen. Ich hoffe, dass ich das über den Sommer und spätestens bei einem Betriebsausflug nachholen kann. Leider habe ich es anfangs auch noch nicht hinbekommen, alle Außenstellen sofort zu besuchen. Um einen näheren Einblick zu bekommen, werde ich in den kommenden Wochen zum Beispiel in der Jugendpflege oder auch in der Krankenpflege hospitieren.

Was ist der größte Unterschied zu Ihrer Arbeit vorher?

Die Arbeit mit den Menschen. Ich habe ständig mit ihnen zu tun. Das war als Kämmerin ganz anders. Da saß ich allein an meinem Schreibtisch und hatte nie die Möglichkeit, auch mal draußen in der Bevölkerung unterwegs zu sein und zu fragen, wo Sorgen und Nöte sind. Seit Neustem mache ich das mit dem E-Scooter.

Was steht nun in den nächsten 100 Tagen an?

Ich hoffe, dass der Bau des Rückhaltebeckens für Maden bald beginnt. Dann wollen wir den „richtigen Ordnungspolizeibeamten“ für die Stadt Gudensberg finden.

Außerdem werde ich versuchen, die Öffentlichkeitsarbeit in den Sozialen Medien etwas stärker zu führen. Ich werde oft auf meinen Facebook-Account angesprochen, dass man sich dort sehr gut informieren könne. Es wäre schön, wenn der Bürgerbus bald bei uns ankäme. Da gibt es leider Lieferschwierigkeiten – zum Leidwesen unserer Senioren.

Zudem geht die Sanierung des Terrano Hallenbades unter Hochdruck weiter. Nicht nur die Renovierung ist da entscheidend, sondern auch die Personalplanung und die Festlegung von Öffnungszeiten gehören dazu. Es steht viel an, aber auch die Vereinsunterstützung liegt mir sehr am Herzen. Vor allem die Sportvereine verlieren viele Helfer, der Nachwuchs fehlt. Da müssen wir beratend zur Seite stehen. Dafür soll auch das Vereinszentrum G1 Anlaufpunkt werden.

Für diejenigen, die keine eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung haben und für alle anderen, um dort eben Absprachen, Hilfestellung und Unterstützung zu bekommen.

Gab es schon Momente, in denen Sie dachten, „Das Bürgermeisterin-Dasein habe ich mir anders vorgestellt?“

Ja, die gab es. Trotzdem bereue ich keine Sekunde, diesen beruflichen Weg eingeschlagen zu haben. Es macht mir großen Spaß, das Bürgermeisterinnenamt bekleiden zu dürfen. Ich möchte die Stadt Gudensberg weiter als Wohlfühlort ausbauen und mir bewusst die Zeit für die Bevölkerung nehmen. Das ist leider aktuell zeitlich noch nicht so möglich, wie ich es mir wünschen würde, da ich auch in den begleitenden Ämtern meines Bürgermeisterinnenamtes viele Termine habe. (Cora Zinn)

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