Drei erfolglose Termine

150 Euro - aber keinen Anschluss: 42-Jähriger aus Deute hat Ärger mit der Netcom

+
Er hat Ärger mit der Netcom: Karen Davidov aus Deute soll 150 Euro zahlen, weil er angeblich bei drei Terminen für einen neuen Internet-Anschluss nicht erreichbar war.

Deute. Karen Davidov aus Deute im Schwalm-Eder-Kreis soll eine Gebühr zahlen, weil ihn angeblich kein Techniker fand.

In seiner neuen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Gudensberg-Deute wohnt der 42-jährige Karen Davidov seit dem 1. August. Damit er auch schnell über Telefon und Internet verfügen kann, schloss er mit der Netcom Kassel, die in Gudensberg schnelles Internet anbietet, bereits im Juli dieses Jahres einen entsprechenden Vertrag. Aber Karen Davidov hat bisher nichts bekommen – weder einen Festnetzanschluss noch eine Internetverbindung.

Dabei hatte er relativ schnell, bereits für den 4. September, einen Anschalttermin erhalten.

„Ich dachte, das läuft ja super. Freunde von mir waren auch bei der Netcom und hatten keine Probleme“, erzählt der Mann, der im Baunataler Ratioland einen eigenen Laden mit Smartphone-Service betreibt.

Für den 4. September, an dem zwischen 8 und 12 Uhr ein Telekom-Techniker angekündigt war, der den Anschluss freischalten sollte, besorgte sich Davidov eine Vertretung für den Laden und blieb zu Hause. Er wartete, aber es kam niemand. „Es hat mich auch niemand angerufen“, erzählt er.

Also meldete er sich übers Handy bei der Netcom. Daraufhin gab es drei weitere Termine mit Technikern, jeweils im September und Oktober, und jedes Mal wartet der 42-Jährige – aber keiner kam, klingelte, hinterließ eine Nachricht im Postkasten.

Nach dem dritten vergeblichen Termin habe er einen Brief an die Netcom geschrieben, sagt Davidov.

Schließlich koste ihn jeder Tag, den er zu Hause verbringe, bares Geld, beschwerte er sich. Der Hinweis des Netzanbieters aus Kassel, die Techniker hätten die Adresse, das Namensschild, den Briefkasten nicht gefunden oder es sei niemand anwesend gewesen, will Karen Davidov nicht gelten lassen.

Er beharrt darauf, immer vor Ort gewesen zu sein. Und seine Wohnungstür sei doch leicht zu finden.

Seit Mitte Oktober ließ er die Sache auf sich beruhen: „Ich hatte keine Lust mehr.“ Doch Ende November platzte ihm schließlich der Kragen: Er erhielt ein Schreiben von der Netcom, in dem diese den Vertrag storniert „wegen Nichterfüllung“ und letztendlich 150 Euro als vereinbarte Kosten einfordert.

Die Mahnung mit der Androhung, ein Inkasso-Unternehmen einzuschalten, ließ nur bis zum 8. Dezember auf sich warten.

„Ich habe einen Anwalt eingeschaltet“, sagt Karen Davidov. Der 42-Jährige bezeichnet das Vorgehen des Unternehmens als dreist. Schließlich habe die Netcom in Deute das Monopol auf schnelles Internet.

Er selbst hat zunächst eine Lösung über Mobilfunk fürs Internet gefunden. „Ich bin selbst Informatiker, das ist für mich kein Problem“, sagt er. Als Kunde will er mit der Netcom jedenfalls nichts mehr zu tun haben.

Telekom: Techniker waren vor Ort

Waren tatsächlich Techniker zu den vereinbarten Terminen in Deute und haben den Kunden nicht vorgefunden? Das schreibt jedenfalls die Netcom Kassel auf Anfrage der HNA zum Fall von Karen Davidov. Nach interner Recherche, so Jutta Schill, Leiterin der Unternehmenskommunikation, sei Karen Davidov von der Auftragsbearbeitung der Netcom Kassel durch vier Schreiben über Anschlusstermine an der angegebenen Adresse in Gudensberg-Deute informiert worden. „Diese Termine werden im Vorfeld mit der Telekom koordiniert, da die Arbeiten von der Telekom ausgeführt werden müssen“, schreibt Schill. 

Zu drei vereinbarten Terminen konnten die Techniker der Telekom leider niemanden erreichen. Der Kunde sei unbekannt, die Klingel/Postkasten nicht zugänglich/beschriftet, die Telefonnummer nicht bekannt/telefonisch nicht erreichbar. „Wir sind auf die Aussagen der Telekom angewiesen“, betont Schill. Allerdings habe man auch keinen Grund, diese infrage zu stellen. Was falsch gelaufen sein könne, könne man nur mutmaßen. „Herr Davidov hat mit dem Vertrag unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) anerkannt, und dort steht, dass bei Nichterfüllung die Stornogebühr 150 Euro beträgt“, so Schill zur Rechnung. 

Diese Stornogebühr falle übrigens üblicherweise bereits nach zwei erfolglosen Technikereinsätzen an. Bei Herrn Davidov seien sogar drei Versuche unternommen worden, die Arbeiten durchzuführen. Leider ohne Erfolg, bedauert die Netcom. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.