Schlachtbetrieb

200 Arbeiter von Plukon in Gudensberg streiken für mehr Geld

Sie kämpfen für mehr Geld, Urlaub und einen Manteltarifvertrag: Mitarbeiter von Plukon in Gudensberg während des Warnstreik am frühen Mittwochmorgen.
+
Sie kämpfen für mehr Geld, Urlaub und einen Manteltarifvertrag: Mitarbeiter von Plukon in Gudensberg während des Warnstreik am frühen Mittwochmorgen.

Knapp 200 der rund 360 Mitarbeiter von Plukon in Gudensberg, dem größten Geflügelschlachtbetrieb in Hessen, haben am frühen Mittwochmorgen mit einem Streik den Betrieb ins Stocken gebracht. Die Forderung: gleiches Geld für gleiche Arbeit.

Gudensberg – Ihre Lohnforderung orientiert sich am Plukon-Werk in Visbek, sagte Stefan Walter, Gewerkschaftssekretär und Verhandlungsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gegenüber der HNA.

Im niedersächsischen Visbek bekämen die Mitarbeiter 18,6 Prozent mehr Lohn, mehr Urlaub und wesentlich höhere Zuschläge. „Es herrscht eine unglaubliche Lohndifferenz von Visbek zu Gudensberg“, sagte Walter. Im niedersächsischen Werk erhielten die Mitarbeiter zwei Euro Stundenlohn mehr als in Gudensberg. Daher fordert die NGG eine Erhöhung des Lohns von derzeit 10,78 Euro auf 12,13 Euro.

Von 2 bis 8 Uhr verliehen die Mitarbeiter der Produktion in Gudensberg dieser Forderung Nachdruck. „Wir wollen einen Manteltarifvertrag“, sagte Walter. Dieser beinhalte unter anderem höhere Zuschläge, Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie mehr Urlaub. Da Preise für Mieten steigen, Strom- und Benzinkosten in die Höhe schießen, sei eine solche Lohnerhöhung mehr als gerecht, findet Walter. Die Gewerkschaft fordere zudem auch die Einführung mehrerer Lohngruppen. „Wir brauchen eine klare Einordnung“, sagte Walter. Doch bislang verbucht die NGG nach vier ergebnislosen Tarifverhandlungen keinen Erfolg.

Um den Streik in den sehr frühen Morgenstunden durchzustehen, gab es für die Mitarbeiter vor dem Gudensberger Plukon-Werk Kaffee und Brezeln zur Stärkung. „Wir haben bewusst um 2 Uhr mit dem Streik angefangen, weil dann die Schlachtung beginnt. Wir wollten verhindern, dass alle Mitarbeiter ins Werk verschwinden“, sagte Walter.

Zu den laufenden Tarifverhandlungen mit der NGG, zum Streik vor dem Betrieb in Gudensberg und dessen Folgen für die laufende Produktion, lag auf HNA-Anfrage bis Redaktionsschluss keine Antwort von Plukon vor.

Fünf Betriebe von Plukon in Deutschland

Die Plukon Food Group ist einer der größten Anbieter auf dem europäischen Geflügelfleischmarkt. Plukon umfasst 27 Standorte in sechs Ländern. In Deutschland gibt es drei Schlacht- und zwei Verarbeitungsbetriebe. Diese befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und in Hessen in Gudensberg. An den fünf Standorten sind 1400 Mitarbeiter beschäftigt. 2019 wurden in Gudensberg über 28 Millionen Hühner verarbeitet.

Bislang gibt es noch keine Einigung in der Tarifverhandlung

In Gruppen blockierten die streikenden Mitarbeiter die Einfahrten des Plukon-Betriebes in Gudensberg und sperrten die Straße mit ihren Autos ab. „Direkt vor dem Betriebsgebäude können wir nicht streiken, weil der Geschäftsführer sonst alle Teilnehmenden sanktionieren hätte können – daher stehen wir in der Einfahrt“, sagte Stefan Walter, Gewerkschaftssekretär und Verhandlungsführer.

So machten die Mitarbeiter in den Einfahrten mit gelben Warnwesten mit der Aufschrift „Wir streiken“, auf sich aufmerksam.

Rund 200 Mitarbeiter des Geflügelschlachtbetriebs Plukon in Gudensberg brachten am Mittwochmorgen von 2 bis 8 Uhr den Betrieb ins Stocken, so die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die einen Manteltarifvertrag fordert.

Die vierte Tarifverhandlung sei abgebrochen worden. Heute stehe nun die fünfte Verhandlung mit der Führungsebene an. „Wir haben gezeigt, dass die Belegschaft hinter uns steht und keine Angst hat. Das ist auf jeden Fall ein Teilerfolg“, sagte Walter.

Die Gewerkschaft appelliert an die Geschäftsleitung, sich bei den heutigen Tarifverhandlungen auf deren Lohnforderungen einzulassen. „Falls wir wieder erfolglos aus der Verhandlung rausgehen sollten, werden wir in einen unbefristeten Streik gehen“, sagte Walter. Das bedeute, dass die Mitarbeiter so lange streiken werden, „bis vernünftig verhandelt“ werde, erklärt er. Bislang sei die Arbeitgeberseite nach diesen vier Verhandlungsrunden noch nicht einmal dazu bereit gewesen, ein Angebot zu unterbreiten und somit mit der Gewerkschaft in ernsthafte Verhandlungen zu treten, bilanziert Walter.

Da die meisten Mitarbeiter bei Plukon gebürtig aus Bulgarien stammten, seien Übersetzer zur Unterstützung vor Ort gewesen. Anel Cronvrsanin und Velislava Firova von der fairen Mobilität Hessen hatten bei der Übersetzung geholfen. „Es ist wichtig, dass wir die Informationen an die breite Masse bringen. Die meisten beherrschen die deutsche Sprache nicht und kennen sich auch nicht mit dem deutschen Recht aus – wir unterstützen die Menschen dabei“, so Cronvrsanin.

Die streikenden Mitarbeiter hatten trotz der schwierigen Situation und des Streiks gute Laune. Sie hörten Musik, tanzten. „Wir sind wirklich zufrieden mit dem Streik und hoffen, dass wir nun etwas erreichen können“, so Walter. (Lea Beckmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.