Hohe Kunst des Schauspiels

Außer Kontrolle: Kulturstall Deute begeistert mit neuem Stück 

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Spielten grandios: Lena Michael, Gerd Kühl, Mario Schönewald und Lukas Michael (von links).

Mit dem Stück „Außer Kontrolle“ des englischen Autors Ray Cooney geht der Kulturstall Deute in die aktuelle Saison. Das Spiel ist ein langgehegter Wunsch von Regisseur Thomas Hof.

Nicht ohne Grund, das spürte das Premierenpublikum am Freitagabend schon nach wenigen Minuten. Keine Viertelstunde vergeht, da taucht schon eine Leiche auf und alles gerät außer Kontrolle. Fast alles, besser gesagt.

Denn was Schauspieler und Theaterpädagoge Hof, der das Ensemble durch die mittlerweile fünfte Inszenierung leitet, aus den Laienschauspielern herausholt, ist auf den Punkt gebrachte hohe Kunst. Er inszeniert die Farce ideenreich, in der es sich um Staatsminister Richard Willey (Gerd Kühl wie auf den Leib geschrieben), seine Geliebte Jane Worthington (Lena Michael), seinen Sekretär George Pigden (grandios Lukas Michael), Hotelmanagerin Rebecca Harke, Kellnerin Nicola Köhler – die Rolle ist mit Selina Körner doppelt besetzt –, Privatdetektiv Jack Baker (Mario Schönewald), Worthingtons gleichgeschlechtliche Ehefrau Ronja (Julia Heinemann) sowie Birgit Göbel als Gladys Foster und Susann Spriestersbach als Pamela Willey dreht.

Es war das 22. Mal, dass Ulrich Horstmann den Löwenhof – alle vier Bewohner der Schulstraße 14 in Deute sind Sternzeichen Löwe – für das Theaterpublikum öffnete. An dem lauschigen Frühsommerabend genosssen 120 Premierengäste ein überaus lustiges Theatervergnügen, das für viele Lacher sorgte, ohne dabei ins Alberne abzurutschen.

Eine tragende oder besser: fallende Rolle in dem Stück spielt das Hotelfenster mit englischer Schiebetechnik, das dank des Einsatzes von Klaus Michael immer wieder mit lautem Knall zufällt. Und sofort ein musikalisches Feuerwerk entfacht, von Modern Talking über Elton John bis hin zu Klassik und den Rolling Stones. „Mach’ die Augen zu“, ruft ein kleines Mädchen aus dem Publikum spontan, als es in dem zugefallenen Fenster des Hotels die Leiche sieht – fast beängstigend echt gelingt es Mario Schönewald, die Leiche zu mimen. Dabei verlangt er dem Publikum einiges ab.

Besonders nach der Pause nimmt das Stück noch einmal richtig Fahrt auf, als die Leiche auf einmal verschwunden ist. Köstlich zu sehen, wie Lukas Michael als hilfloser Sekretär versucht, die Lage zu retten und sich im Laufe des Abends selbst immer mehr in Lügen verstrickt. Der junge Schauspieler hat das Potential eines Profis, das scheint sicher.

Doch auch das gesamte Ensemble gibt sich professionell und agil, allen voran Gerd Kühl als Richard Willey, der es faustdick hinter den Ohren hat und im Laufe des Abends ein ganzes Spinnennetz an Lügen entwirft, sodass die Zuschauer aus dem Staunen kaum noch herauskommen.

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