Teil des Stadtentwicklungskonzeptes Gudensberg 2030

Gudensberger Verkehrskonzept: Bürger äußern Kritik an Informationspoltik

An der VR Bank in Gudensberg kommt es häufig zu gefährlichen  Situationen im Straßenverkehr.
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An der VR Bank in Gudensberg kommt es häufig zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr.

An der Informationspolitik der Stadt Gudensberg rund ums neue Verkehrskonzept wird Kritik laut. Das Konzept ist ein großer Teil des Stadtentwicklungsplans Gudensberg 2030.

Die Stadt erhält Fördergeld in Höhe von insgesamt 28 Millionen Euro durch das Stadtentwicklungskonzept des Landes. „Kriterium für die Zuweisung des Landes war die Bürgerbeteiligung“, sagt Marcus Erler, Vorsitzender der FWG in Gudensberg.

Und genau da äußern er und weitere Beteiligte Kritik: Im Februar 2019 gab es die Auftaktveranstaltung im Gudensberger Bürgersaal.

Vorstandsmitglied FWG: Marcus Erler

Danach ist viel passiert: Es bildeten sich Arbeitsgruppe zu verschiedenen Themenbereichen, eine davon befasste sich mit dem Verkehr in Gudensberg, erklärt Erler. Er selbst ist gemeinsam mit Lothar Fassnacht Teil dieser Gruppe. „Die Bürgerbeteiligung war groß, viele engagierte Menschen haben sich gemeinsam Gedanken gemacht“, sagt Erler. Intensive Gespräche habe es innerhalb der Gruppe gegeben. „Wir haben die kritischen Verkehrspunkte definiert und uns Lösungen überlegt“, erinnert sich auch Fassnacht.

Der Felsberger kennt Gudensberg berufsbedingt schon viele Jahre und auch die gefährlichen Situationen im Straßenverkehr, sagt er.

Doch nun haben die Beteiligten das Gefühl, dass ihre Arbeit umsonst gewesen ist, erklärt Erler. Gemeinsam haben sie einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet. In diesem sind Probleme und mögliche Lösungen enthalten. Das Papier haben sie der Stadt und dem zuständigen Planungsbüro übergeben. „Doch wir haben nach unserem Engagement nichts mehr von dem zuständigen Büro oder der Stadt gehört“, erklärt Erler.

Für sie entstehe der Eindruck, dass die Stadt die Auftaktveranstaltung veranstaltet habe, um das Fördergeld zu bekommen, so Fassnacht und Erler. Dreiviertel der Beteiligten seien bereits aus der Arbeitsgruppe ausgeschieden, weil sie enttäuscht seien, dass man keine Reaktionen erhalten hat, so Erler. Die Stadt und das Büro hätten keine Interesse daran, sich für die Belange der Menschen vor Ort einzusetzen. „Eine einfache Rücksprache mit den Menschen vor Ort ist Fehlanzeige“, sagt Fassnacht. Sie hofften, dass ihre Ideen trotzdem in das Konzept des Büros miteingearbeitet werden.

Lothar Fassnacht, Gudensberg

„Wir können verstehen, dass in diesen Pandemie-Zeiten alles etwas schwieriger ist, aber die beteiligten Bürger auf dem Laufenenden zu halten, was mit ihren Ideen passiert, das ist nicht zu viel verlangt“, sagt Erler.

Zehn-Punkte-Plan der Bürger zum Verkehrskonzept in Gudensberg

  • In Sachen Gudensberger Verkehrskonzept haben Einwohner einen eigenen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt. Hier ein Auszug:
  • 1. Die Untergasse soll zur verkehrsberuhigten Zone mit Pollern umgestaltet werden. Dabei sollen der Lieferverkehr und die Anfahrt zu Grundstück weiterhin möglich sein. Der Vorschlag sei mit drei Pollern und drei Schildern einfach umzusetzen.
  • 2. Um die Altstadt zu entlasten, soll ein Ringverkehr mit einer Einbahnstraßenregelung umgesetzt werden. Vom Alten Markt bis runter zur Untergasse müsse acht Mal Rechts vor Links beachtet werden, was „schlecht einzusehen ist.“ Dafür wären fünf Schilder für die Wegbeschreibung notwendig.
  • 3. Schulbusse sollen die Schule nur noch von einer Fahrtrichtung aus anfahren. Abfahrt wäre über den Holzweg über den Grabenweg. Die Eltern sollten ihre Kinder am Grabenweg auf dem Parkplatz absetzen.
  • 4 und 5. Die Straße Freiheit soll in Zukunft als Vorfahrtsstraße ausgeschildert werden. So würde die Kasseler und Besser Straße vom Lastwagenverkehr entlastet. Ausnahmen soll es für die Kasseler und Besser Straße für Fahrzeuge mit maximal 7,5 Tonnen geben. Auch dort bedarf es nur einigen Schildern.
  • 6. Die Zufahrt zum Edeka-Parkplatz vor der Bushaltestelle als Einfahrt und dahinter als Ausfahrt auszurichten und am Rathaus nur eine Einfahrt zulassen, um den Kreuzungsverkehr zu beruhigen.
  • 7. Der Zebrastreifen in der Kasseler Straße soll weiter in Richtung Kreisel verlegt werden, um die Gefahr für Fußgänger zu minimieren.
  • 8. Von der Fritzlarer, Kasseler und Besser Straße soll es nur noch eine Einfahrt auf den Marktplatz geben. Damit könne der Kreuzungsverkehr beruhigt werden.
  • 9. Durch eine Einbahnstraßenregelung könne die Parksituation am Schwimmbadweg entschärft werden, indem halbrechts einige Parkbuchten entstehen, wo zurzeit noch Parkplätze längs stehen.
  • 10. Der Schwerlastverkehr über den Kreisel an der Metzer Straße soll zur Ortsumgehung abgeleitet werden.

Das sagt Gudensbergs Bürgermeister Frank Börner

Gudensbergs Bürgermeister Frank Börner gibt Entwarnung: Die Ideen der Bürger werden ernstgenommen und das Büro befasse sich auch mit dem Konzept sowie der möglichen Umsetzung, sagt Börner. „Wir sind allen Menschen dankbar, die sich so intensiv damit befasst haben,“ so Börner weiter. Wann die Ergebnisse für das neue Verkehrskonzept vorliegen, sei noch nicht abzuschätzen. Man müsse in der finalen Phase auch noch die Verkehrsbehörde Hessen Mobil hören, so Börner weiter.

Von Linett Hanert

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