Interessent war abgesprungen

Gescheiterte Übernahme der Bäckerei Brede: So geht es für die Mitarbeiter weiter

Schwalm-Eder. Drei Wochen ist es her, dass die Bäckerei Brede Insolvenz anmeldete. Fragen und Antworten dazu, wie es nach der gescheiterten Übernahme für die mehr als 200 Mitarbeiter weitergeht.

Die Übernahme der Bäckerei Brede durch die Papperts GmbH aus dem Landkreis Fulda ist vor wenigen Tagen gescheitert.

Warum gab es keine Einigung mit der Papperts GmbH aus dem Kreis Fulda?

Zu einer Einigung kam es nicht, weil Edeka deutlichgemacht hatte, dass man sich der Firma Plücker verpflichtet fühlte, teilt Hans-Richard Schneeweiß, Geschäftsführer der Edeka Hessenring-Melsungen auf Anfrage mit. Denn Plücker habe den Verkauf von Backwaren übernommen, als die Bäckerei Brede geschlossen wurde.

Ist das Insolvenzverfahren mit der gescheiterten Übernahme nun abgeschlossen?

Nein, im Gegenteil. Es beginnt jetzt erst richtig. Insolvenzanwalt Dr. Hans-Jörg Laudenbach hofft auf eine Eröffnung des Verfahrens zum 1. September.

Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte das Vermögen der Firma Brede beschlagnahmt. Bleibt das weiterhin so?

Nein. Die Staatsanwaltschaft hat das Vermögen des Unternehmens wieder freigegeben. So hat der Insolvenzanwalt wieder Verfügungsmasse.

Wie geht es dann mit der Bäckerei weiter?

Es ist Insolvenzmasse vorhanden, teilt Laudenbach auf Anfrage mit. Im Verfahren ist eine Einigung mit den Gläubigern aber nicht vorgesehen. Vielmehr sei der Verwalter verpflichtet, alle Vermögenswerte des Unternehmens bestmöglich zu verwerten. Anschließend wird der Erlös dann unter den Gläubigern verteilt. Darüber hinaus gehe es nun darum, für die Filialen in den Supermärkten Mietverträge mit anderen Bäckereien abzuschließen. Die dort beschäftigten Mitarbeiter werden automatisch in ein neues Arbeitsverhältnis übernommen.

Was passiert mit den Backshops bei Edeka?

Die fünf Backshops in den Edeka-Geschäften wird es weiter geben, sagt Hans-Richard Schneeweiß, Geschäftsführer der Edeka Hessenring-Melsungen. Sie könnten von der Bäckerei Plücker aus Waldeck-Alraft übernommen werden, sofern eine Einigung mit dem Insolvenzverwalter zustande kommt. Übernommen werden könnte auch das Verkaufspersonal. Nach Angaben von Schneeweiß war die Bäckerei Plücker nach der Schließung der Bäckerei Brede eingesprungen und in einem Verkaufswagen auf dem Parkplatz der Märkte Backwaren angeboten.

Gab es Auszubildende im Unternehmen?

Es gibt einen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr, teilt Insolvenzanwalt Laudenbach mit. Er geht davon aus, dass kurzfristig ein neuer Ausbildungsbetrieb für den Lehrling gefunden werden kann. Laudenbach habe bereits mit der Handwerkskammer über „eine Übertragung des Ausbildungsverhältnisses“ gesprochen.

Was kann die Agentur für Arbeit für die Mitarbeiter tun?

Die Arbeitsagentur ist bemüht, Menschen möglichst schnell wieder in Arbeit zu bekommen, sagt Rainer Kesper, Leiter des Geschäftsstellenverbunds Schwalm-Eder. Dazu müsse abgeglichen werden, welche offenen Stellen es gibt. Kesper zeigt sich zuversichtlich, dass aufgrund der guten Konjunktur eine neue Stelle schnell zu finden sei. Bäcker und Bäckereifachangestellte seien gesucht. Zugleich appelliert er daran, keine Scheu vor dem Gang zur Arbeitsagentur zu haben.

Wie sind die Beschäftigen finanziell abgesichert und was müssen sie weiter beachten?

Zurzeit erhalten sie Insolvenzausfallgeld. Damit sind sie solange finanziell abgesichert, bis das Insolvenzverfahren eröffnet wird und sie entlassen werden. Dann haben Beschäftigte drei Tage Zeit, sich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Das können sie unter Tel. 0800/455 5500, per E-Mail unter www.arbeitsagentur.de oder in den Geschäftsstellen in Homberg, Schwalmstadt und Melsungen. Wichtig sei, die Drei-Tagesfrist einzuhalten, betont Kesper. Arbeitslosengeld wird dann ab dem Tag der Entlassung bezahlt.

Auch die Handwerkskammer Kassel hat ihre Hilfe angeboten. Wie sieht die aus?

Sie unterstützt bei der Existenzgründung. Etwa wenn sich ein Bäcker selbstständig machen möchte, einen Betrieb gründen oder übernehmen will.

Sie stellt auch Kontakt zu den Obermeistern der Innungen her. Die wissen oft, wer in ihrer Branche welche Mitarbeiter sucht. So könnten sich Arbeitssuchende – parallel zur Vermittlung über die Arbeitsagentur – nach einem neuen Job umsehen.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Peter Zerhau

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