Facebook-Gruppe Retro Kreis Gudensberg

Bilder in Gudensberg erinnern an vergessene Zeiten

Der Alte Markt in Gudensberg: Im Laufe der Jahre hat sich der Alte Markt immer wieder verändert. Dieses Bild ist um 1905 entstanden. REPROS: KIRA MÜLLER
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Der Alte Markt in Gudensberg: Im Laufe der Jahre hat sich der Alte Markt immer wieder verändert. Dieses Bild ist um 1905 entstanden.

Ein Platz für Geschichtsliebhaber aus Gudensberg fehlte bislang. Das wollte der Gudensberger Edmund Kruhm ändern und gründete den Retro Kreis Gudensberg. Und dieser erfährt viel Zuspruch von Jung und Alt.

Gudensberg – Die ehemalige Molkerei, das kaiserliche Postamt, die alte Brauerei – das alles sind Gebäude mit Geschichten, die viele Gudensberger wohl schon lange vergessen haben. Bei der Flächensanierung in den 1970er-Jahren wurden viele markante Häuser abgerissen.

Die ehemalige Molkerei in Gudensberg: Eine einmalige Luftaufnahme. Um 1920 wurde dieses Bild von dem damaligen Inhaber der Molkerei beauftragt.

Edmund Kruhm aus Maden weckt die historische Seite der Stadt mithilfe einer Facebook-Gruppe auf, die mittlerweile an die Hundert Nutzer zählt und ein absoluter Renner ist. Nachdem er 2004 nach Gudensberg zog, wollte er mehr über die neue Heimat erfahren, doch niemand konnte ihm so wirklich weiterhelfen, erzählt er. Nur wenige kannten noch die Historie der Gebäude und Plätze. „Selbst den Alteingesessenen war vieles nicht bekannt, was hier passiert und gewesen ist“, erklärt Kruhm. Da kam ihm eine Idee: Er gründete den Retro Kreis Gudensberg. Ein Ort des Austauschs für Geschichtsinteressierte im sozialen Netzwerk Facebook.

Bilder, Texte, Postkarten, Anekdoten: Alles was älter als 30 Jahre ist, kann dort präsentiert und geteilt werden - ganz nach dem Motto je älter, desto besser.

Edmund Kruhm hat den Retro Kreis Gudensberg gegründet.

Zwei bis drei Stunden Arbeit pro Tag

Die Gruppe wurde laut Kruhm von Anfang an gut angenommen. „Die Bilder und Texte kommen von Privatleuten, werden abfotografiert oder eingescannt und dann in der Facebook-Gruppe geteilt“, erklärt Kruhm. Zwei bis drei Stunden sitzt der Rentner pro Tag vor seinen dicken Ordnern und recherchiert, beschafft Material, schreibt Texte und postet sie. Seit der Gründung 2020 wächst die Gudensberger Gruppe stetig an: Insgesamt zählt sie mittlerweile mehrere hundert Mitglieder und ungefähr 2 000 Bilder.

Doch nicht nur Bilder spielen eine große Rolle. Die ältere Generation bereichert die Gruppe zusätzlich mit ihren eigenen Erlebnissen: „Wir haben so drei, vier 80-Jährige, die noch mündlich überliefern können, das ist besonders schön“, sagt Kruhm, „sie erinnern sich an alles, erzählen es und teilen es dann auf Facebook“.

Manche Motive sind noch nicht geklärt: Es ist fraglich, welche Häuser zu sehen sind, denn das war Gudensberg vor der Flächensanierung. Wenn Sie, liebe Leser und Leserinnen eine Ahnung haben, schicken Sie uns doch Ihre Antwort an homberg@hna.de.

Herzenswunsch: Geschichte weitertragen

Der Wunsch nach historischer Aufklärung ist anscheinend nicht nur in Gudensberg groß, sondern auch in vielen anderen Städten und Dörfern. Nach dem Gudensberger Retro Kreis eröffnete Edmund Kruhm noch drei weitere Gruppen: Felsberg, Wolfhagen und Volkmarsen. Auch eine Gruppe für Nordhessen hat der Rentner gegründet. Alle kommen gut an und haben viele aktive Mitglieder.

„Es ist mein Herzenswunsch, dass die Geschichte weitergetragen und nicht vergessen wird“, sagt Kruhm. „Jeder Beitrag und jedes Bild wird archiviert.“ Diese Sammlung möchte er als eine Art Nachschlagewerk für die nächsten Generationen hinterlassen. Dafür hat er auch dicke Ordner angelegt, die alles dokumentieren.

Und auch Jüngere seien interessiert: „Ich habe in Gudensberg einen jungen Mann an meiner Seite, der sich sehr engagiert“, erklärt er, „Es ist toll, wenn sich junge Leute für Geschichte interessieren.“ Denn laut Kruhm mache höchstens 20 Prozent den Anteil an jungen Menschen aus, die sich für die historische Seite der Stadt interessieren. Er hofft, weiterhin durch die Gruppe noch mehr Menschen – egal welchen Alters – für die Geschichte der Stadt Gudensberg zu begeistern. (Kira Müller)

Die letzte Fahrt der Postkutsche in Dissen um 1899.

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