Kabarettist gastierte in Gudensberg

Claus von Wagner mit schonungslosem Humor

Gudensberg. Schauspielerisch begabt ist der Kabarettist Claus von Wagner allemal, das bewies er mit seinem Auftritt im Gudensberger Bürgerhaus. Über 400 Besucher erlebten ein dreistündiges Programm mit Themen aus den Bereichen Kapitalmarkt, Familie und Flüchtlingskrise.

Bevor der ehemalige Journalist und Autor mit seiner Geschichte über die „Theorie der feinen Menschen“ auf der Bühne loslegte, überraschte er die Besucher bei der Begrüßung, die er im hinteren Teil des Saales startete, mit der Aussage: „ Ich möchte Sie erst einmal gerne sehen und mitten unter Ihnen sein, denn wenn ich auf der Bühne stehe, sehe ich außer Licht nämlich nichts, und somit auch Sie nicht.“

In seiner Vorstellung beschreibte Claus von Wagner, dass Zukunft im Gegensatz zur Auffassung von Wirtschaftsexperten, offen und nicht berechenbar sei und verglich die Vorgänge auf dem Kapitalmarkt mit dem Leben einer Gans, die als Küken gekauft, vom Besitzer gefüttert und umsorgt wird und sich sorgenfrei zu einer prächtigen Gans entwickelt. Die Gans denke laut von Wagner: „Es läuft.“ Und dann komme Weihnachten!

Zum Thema Zukunft erwähnte er auch die Macht der Kommazahlen, welche auch von den Politikern erkannt worden sei. Denn die Aussage, dass ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent erwartet werde, vermittle mehr Kompetenz, als wenn nur zwei Prozent genannt würden. Diese Macht gelte auch im privaten Bereich: Wenn Kinder während einer langen Autofahrt dauernd fragen, „wann sind wir denn da“, empfahl der Redner als Antwort: „In 26,5 Minuten.“ Dann ist erst einmal Ruhe, sagte von Wagner, der seine Zuschauer sehr amüsant zu begeistern versteht.

Den Derivatehandel verglich der Kabarettist mit einer Pferdewette, bei der nicht bekannt sei, ob es überhaupt eine Rennbahn und einen Reiter gibt und ob die Pferde auch in die gewünschte Richtung laufen. Mit „Ja wo laufen sie denn“ verwies er dann noch auf die bekannte Szene von Loriot.

Bei allem Witz den Claus von Wagner auf der Bühne zeigte, stellt er unsere Gesellschaft manchmal auch mit Boshaftigkeit vom Wunschdenken auf die Füße der Realität, wobei Politikgeschacher, Prestigekämpfe, Wirtschaftsdelikte, Verrat und Machtgehabe der „feinen Menschen“ schonungslos und für die Zuhörer in gnadenlosem Tiefgang, gewürzt mit Humor, verständlich dargestellt werden. Stehende Ovationen waren die verdiente Belohnung für einen gelungenen und nachdenklich stimmenden Vortrag.(zrz)

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