Sie wollen in der Coronakrise allen Schutz geben

Familie aus Gudensberg baut mit Helfern mehr als 7000 Gesichtsmasken

Sie sind mit viel Herzblut seit vier Wochen dabei, Plexiglasmasken als mechanischen Virenschutz herzustellen und zu verteilen: Die Masken-Bastler halten Abstand (ganz vorne von links) Stefan Krämer und seine Tochter Lina Krämer, in der Mitte Pascal Kripko, hinten von links: Saskia Reuter, Juno Liehmann, Paula Krämer und Nicole Liehmann. 
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Sie sind mit viel Herzblut seit vier Wochen dabei, Plexiglasmasken als mechanischen Virenschutz herzustellen und zu verteilen: Die Masken-Bastler halten Abstand (ganz vorne von links) Stefan Krämer und seine Tochter Lina Krämer, in der Mitte Pascal Kripko, hinten von links: Saskia Reuter, Juno Liehmann, Paula Krämer und Nicole Liehmann. 

Schutz geben. Das ist für Stefan Krämer und seine Familie eine Herzensangelegenheit. Eine, die viel Arbeit macht, aber auch für viel Zufriedenheit sorgt – und dafür, dass Stefan Krämer ein ganz besonderes Versprechen einlösen kann.

Krämer ist Zahnarzt in Gudensberg. Wegen der Coronapandemie ist für ihn in seinem Beruf auch Kurzarbeit angesagt. Dennoch hat er jede Menge zu tun, denn seit vier Wochen stellt er Schutzmasken aus Plexiglas her. 7000 Stück sollen bis Sonntag fertig sein – 3000 sind bislang hergestellt. Bei der Arbeit daran bekommt er große Unterstützung – aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch vom Team des KSV Baunatal. Denn Krämer ist stellvertretender Abteilungsleiter der Schwimmabteilung. „So kommt es, dass auch viele der Schwimmer beim Zusammenbau helfen“, sagt er.

Coronakrise: Zahnarzt baut Schutzmasken 

Auf die Idee, die Masken selbst herzustellen, brachte ihn seine Lebensgefährtin. Die hatte im Internet ein Video entdeckt, in dem der Bau beschrieben wurde. „Wir wollten nicht Mitansehen, dass so viele Menschen in Pflegeheimen keinen ausreichenden Schutz haben“, sagt Stefan Krämer. Und so sei er einfach in einen Baumarkt gefahren und habe die ersten Bauteile gekauft und sich an die Arbeit gemacht. „Dann ging alles schnell, das Projekt nahm Fahrt auf“, sagt er. Ein Grund dafür ist auch die Unterstützung seiner Tochter Paula, der Influencerin folgen in sozialen Netzwerken über 400 000 Menschen. „Da hatten wir schnell viel Aufmerksamkeit. Aber wir haben auch viel telefoniert und angefragt, ob Bedarf besteht“, sagt Krämer. Er bestand. Zahlreiche Altersheime, Pflegedienste, Apotheken, Geschäfte, Friseure, Arztpraxen und Schulen haben bereits die Schutzmasken bestellt. Die gibt es für eine Spende von drei Euro. „Zwei Euro kostet uns die Herstellung, der eine Euro Überschuss fließt in den Bau weiterer Masken für Menschen, die es sich nicht leisten können zu spenden“, sagt er. Sein Ziel ist es, dass jeder, der eine solche Maske benötigt, auch eine bekommt.

Außerdem hat Krämer weiter getüftelt und die Arbeitsabläufe verbessert. „Wir haben jetzt einen Bausatz zusammengestellt, mit dem man es schafft, in einer Minute eine Maske zu bauen“, sagt er. Die Bausätze, die mittlerweile nicht mehr aus Plexiglas, sondern aus PET-Folie, Gummiband, doppelseitigem Klebeband und Schaumstoff bestehen, packt er in Kartons. Die stehen dann zur Abholung für die Helfer bereit. „Die Übergabe erfolge kontaktlos“, erklärt er. Und der Zusammenbau gehe ratzfatz. „Wenige Handgriffe und die Maske ist fertig.“

Doppelter Schutz gegen Coronavirus

Krämer rät dazu, unter den Masken, die kein medizinscher, sondern ein mechanischer Schutz seien, Mundschutzmasken zu tragen. „So geschützt kommen wir hoffentlich schnell durch diese Krise“, sagt er. Und hat dabei ein besonderes Anliegen: „Ich wünsche mir, dass kein alter Mensch mehr sterben muss, weil er nicht gut genug vor dem Coronavirus geschützt wurde“, sagt er. Das habe er seinem Vater versprochen, der an dem Tag verstarb, als das Altenzentrum Eben-Ezer in Gudensberg, in dem er lebte, wegen der Ausbreitung des Virus unter Quarantäne gestellt wurde.

„Er war nicht am Virus erkrankt, aber ich habe ihm versprochen, dass kein alter Mensch sterben muss, weil er keine Schutzmaske hatte. Dieses Versprechen einzulösen, ist mir wahnsinnig wichtig“, sagt Krämer. „Wir tun unser Möglichstes, um es zu schaffen – und allen Schutz zu geben.“

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