Der Polizist mit dem offenen Ohr

In Gudensberg gibt es einen Schutzmann vor Ort: Die erste Bilanz fällt positiv aus

Seit Februar ist er auch im Gudensberger Rathaus vertreten: Der Schutzmann vor Ort, Polizeioberkommissar Heiko Ludwig, und Bürgermeister Frank Börner.
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Seit Februar ist er auch im Gudensberger Rathaus vertreten: Der Schutzmann vor Ort, Polizeioberkommissar Heiko Ludwig, und Bürgermeister Frank Börner.

In Gudensberg gibt es seit einiger Zeit einen Schutzmann. Polizeioberkommissar Heiko Ludwig hat die Aufgabe im März übernommen - und zieht nun Bilanz.

Gudensberg –Die Zeiten, in denen ein Polizist ausschließlich in einer Gemeinde patrouillierte, die Dorfstraßen kontrollierte und an die Bürger appellierte, gehören eigentlich der Vergangenheit an. Der Nachwuchsmangel bei der Polizei und die oftmals dünne Besetzung einer Polizeistation lassen für eine solch große Präsenz kaum Raum.

Doch in Gudensberg hat diese Aufgabe nun Polizeioberkommissar Heiko Ludwig von der Polizeidienststelle in Fritzlar übernommen. Seit März ist er der Schutzmann vor Ort. Und dieses Angebot nähmen die Gudensberger gerne an, berichten er und Bürgermeister Frank Börner. Dass in Gudensberg der Schutzmann vor Ort Präsenz zeigt, ist dem landesweiten Präventionsprogramm Kompass zu verdanken. Gudensberg ist kreisweit bislang die einzige Kommune mit einem etablierten Schutzmann. Angedacht ist das Projekt aber auch in weiteren Kommunen im Landkreis, in Wabern sei Heiko Ludwig ebenfalls präsent, bestätigt der Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder, Markus Brettschneider.

Ludwig bietet auch Bürgersprechstunden in seinem Büro im Gudensberger Rathaus an. „Es kam sogar schon vor, dass sich eine Schlange gebildet hat“, berichtet Börner. Die Aufgaben des Schutzmannes seien präventiv. „Die Menschen berichten beispielsweise von Lärmbelästigungen, illegaler Müllentsorgung oder Nachbarschaftsstreitigkeiten“, erklärt Ludwig. Um diese Probleme zu lösen, bevor sie eskalieren, gehöre es dazu, alle Parteien zu hören. Deshalb arbeitet Ludwig auch eng mit dem Gudensberger Streetworker Daniel Nöding und dem Integrationsbeauftragen Sascha Fleddermann zusammen. Auch mit dem Freiwilligem Polizeidienst, zu dem noch bis vor kurzen vier Freiwillige gehörten, steht er im engen Kontakt.

Leider seien zuletzt zwei Hilfspolizisten abgesprungen, berichtet Frank Börner. In diesem Zusammenschluss von Kommune, Streetworker, Integrationsbeauftragtem und Hilfspolizisten bildet Ludwig die Schnittstelle. Grundsätzlich gebe es in Gudensberg keinen Brennpunkt, „aber es macht sich schon innerhalb dieser kurzen Zeit bemerkbar, dass Ludwigs Präsenz im Stadtgebiet Wirkung zeigt“, sagt Börner. Was die Einhaltung allgemeiner Regelungen angehe, so hätten sich einige Anwohner eine gewisse Lässigkeit angeeignet oder würden die Regelungen einfach nicht kennen, so Börner. „Aber wir erwarten einfach, dass diese Regelungen eingehalten werden, wie etwa die, dass man nachts nicht enorm lärmt“, sagt er – auch mit Hinblick auf die Ballung der vielen Anwohner aus EU-2-Ländern in der Gudensberger Altstadt.

Neben den Sprechstunden, die Heiko Ludwig anbietet, soll das Projekt Schutzmann vor Ort weiter mit Leben gefüllt werden, erklärt der Polizeioberkommissar.

Dazu gehöre auch, dass er den Freiwilligen Polizeidienst beim Streifelaufen unterstütze. Präventionstage in Seniorenheimen und Schulen sind ebenfalls angedacht, zu den Schulsozialarbeitern werde gerade der Kontakt gesucht. „Letztlich sollen die Gudensberger einen Polizisten ‘zum Anfassen’ haben“, sagt Ludwig.

Dafür muss der Schutzmann vor allem eine Eigenschaft mitbringen: „kommunikativ und offen sein“, sagt Ludwig. Für ihn sei die Stelle in Gudensberg ein echter Glücksgriff: „Vor Ort hat man auch die Chance, sich die Probleme genau anzuschauen und intensive Gespräche zu führen“, sagt er.

„Und damit wiederum wird mehr Vertrauen zwischen Polizei und Bürger geschaffen“, sagt Bürgermeister Börner und erinnert an das eigentliche Ziel von Kompass: Das Vertrauensverhältnis zwischen Polizei und Einwohnern zu stärken. (Linett Hanert)

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