Digitales Theater

Amateurtheater in Deute präsentiert „Warten auf Godot“ digital

Kulturstall Deute zeigt das neue Theaterstück live auf Bildschirmen.
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Kulturstall Deute zeigt das neue Theaterstück live auf Bildschirmen.

Regisseur Thomas Hof vom Amatheurtheater Kulturstall in Deute spricht im HNA-Interview über die neue Inszenierung „Warten auf Godot“. Das Stück wird digital live zu sehen sein.

Deute – Schon wieder ein Jahr ohne gemeinsames Proben, ohne Theateraufführung, ohne Reaktion der Zuschauer, ohne das Erlebnis des kreativen Zusammenspiels? Für viele Theatergruppen in der Region ist das angesichts der massiven Kontaktbeschränkungen durch die Covid-19-Pandemie bittere Realität.

Nicht so für die Amateurschauspieler des Kulturstalls Deute: Sie wagen ein Experiment und wollen das Stück „Warten auf Godot“, ein Klassiker des absurden Theaters, in einer digitalen Version zeigen. Die vier Aufführungen werden live übers Internet auf den jeweiligen Bildschirmen der zugeschalteten Zuschauer zu sehen sein. Wir sprachen mit dem Deuter Regisseur Thomas Hof über Idee und Projekt.

Was hat den Anstoß gegeben für das Vorhaben, Theater trotz der Pandemiebeschränkungen möglich zu machen? Andere Bühnen warten ja weiter auf bessere Zeiten…
Die Theaterarbeit, wie sie bisher war, mit der Bühne, den miteinander agierenden Schauspielern und vielen Zuschauern, die war durch die Kontaktbeschränkungen nicht realisierbar. Wenn das „Alte“ also nicht geht, man aber aufs Theaterspiel nicht verzichten will, muss man neue Möglichkeiten finden. Und da bot sich die digitale Technik an.
Wie kann man sich das vorstellen, eine digitale Vorstellung? Etwas Vergleichbares hat es bei den hiesigen Theatergruppen noch nicht gegeben.
Statt auf der Bühne spielen die fünf Schauspieler – mehr Rollen hat das Stück nicht – jeweils in einem eigenen Raum, eine Kamera filmt sie oder sie filmen sich selbst, sehen sich dabei auch auf dem Bildschirm. Sie sprechen und agieren miteinander entsprechend der Vorlage, der Regisseur übernimmt die Bildregie. Das Publikum ist live dabei, wie beim normalen Theaterstück, nur eben über den Computer-Bildschirm.
Was haben die Deuter Theaterspieler denn dazu gesagt?
Es gab schon einige Skepsis, aber bei den ersten Proben wurde schnell klar: Es funktioniert. Wir können auch auf diese Weise die einzelnen Rollen besprechen und Zugang finden. Ideen entstehen, wie man die neue Technik nutzen kann, etwa was Bildausschnitte betrifft und Perspektiven. Improvisationen sind erwünscht, der Kollege Zufall spielt auch mit.
Wo liegen die hauptsächlichen Schwierigkeiten, wo die Chancen dieser Theaterarbeit?
Es fehlt natürlich der direkte persönliche Kontakt, der Nachklapp, das Gespräch nach der Probe. Oder nach der Aufführung die Reaktion des Publikums, die Interaktion, das Körperliche. Aber der Einsatz der Technik macht es zum Beispiel möglich, das Schauspielhandwerk neu zu erleben.
Dank der Möglichkeiten der Live-Übertragung können wir als Theatergruppe aktiv sein, auch unter Pandemiebedingungen. Und nicht zu vergessen: Die digitalen Aufführungen können überall gesehen werden, regional, national, international, wenn die technischen Voraussetzungen da sind. Und der Zuschauer ist immer nah dran, immer in der ersten Reihe.
Ist dieses digitale Theater nur ein einmaliges Projekt oder mehr?
Vermutlich wird es auf diese Weise nicht noch einmal umgesetzt. Vielleicht werden künftig technische Mittel mehr eingesetzt, aber als rein digitale Aufführung wird „Warten auf Godot“ wohl ein Einzelfall bleiben. (Ulrike Lange-Michael)

Vier Aufführungen, Karten online

Insgesamt finden vier digitale Aufführungen des Stücks „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett statt. Premiere ist am 18. Juni, die weiteren Termine sind am 19., 25. und 26. Juni. Beginn der digitalen Aufführungen ist jeweils um 19.30 Uhr. Pro Termin können maximal 50 Zuschauer teilnehmen. Karten für die Aufführungen gibt es zum Preis von fünf Euro (wer möchte, kann auch den Normalpreis von 12 Euro zahlen) im Internet unter shop.kulturstall.de. Dort gibt es weitere Informationen, auch zum Stück. (ula)

Kulturstall Deute: Wissenswertes rund um die digitalen Vorstellungen

Das Stück anschauen kann jeder, der ein Ticket erwirbt und über ein Empfangsgerät – Netbook, PC, Laptop, Smartphone, Tablet – sowie einen Internetanschluss verfügt.

Wer ein Ticket bezahlt hat, bekommt per Email einen Link zugeschickt, der den Zugang ermöglicht, über die Plattform Zoom. Dort ist ein sogenannter Warteraum vorgeschaltet, in dem man auch begrüßt und dann ins „Theater“ eingelassen wird.

Nach der Premiere am 18. Juni soll es eventuell eine kleine „Feier“ geben, mit einer Chance auf ein Nachgespräch. Auch Chat-Kommentare der Zuschauer sind erwünscht. (ula)

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