Die Sorge um die Sicherheit

HNA-Mobil: In Gudensberg stehen viele Themen an, die die Menschen bewegen

Jörg Daniel machte Werbung für Gudensberg. Der Öffentlichkeitsarbeiter der Stadt übergab eine Stracke und Brötchen an Redaktionsleiterin Maja Yüce.
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Jörg Daniel machte Werbung für Gudensberg. Der Öffentlichkeitsarbeiter der Stadt übergab eine Stracke und Brötchen an Redaktionsleiterin Maja Yüce.

Die Bürgermeisterwahl, das Sicherheitsgefühl in der Innenstadt und die Wohnsituation vieler Menschen, die vor allem in der Fleischindustrie und in der Logistik arbeiten – drei Themen, die die Menschen in Gudensberg aktuell bewegen. Immer wieder kamen die Besucher des HNA-Mobils am Donnerstag auf diese Themen zu sprechen.

„Bei der Bürgermeisterwahl wird es auf jeden Fall spannend“, ist sich Günther Mihr sicher. Was ihn verwundert ist die Tatsache, dass keine der großen Parteien einen eigenen Kandidaten stellt. Dass da aber nun drei von der Politik unabhängige Kandidaten antreten, das sieht Mihr auch als Chance.

Jörg Daniel machte Werbung für Gudensberg. Der Öffentlichkeitsarbeiter der Stadt übergab eine Stracke und Brötchen an Redaktionsleiterin Maja Yüce. 

Zwei ganz andere Themen beschäftigen Stefan Kattner. Es sei zwar gut, dass in Maden sowohl ein Kindergarten als auch ein Dorfgemeinschaftshaus neu gebaut werden – doch müsse man sich fragen, was dann aus dem alten DGH werden solle. Das hätten die Madener 1954 in Eigenleistung erbaut. „Heute ist es baufällig und irgendwann macht es vermutlich auch keinen Sinn mehr, es zu erhalten“, so Kattner. Doch könne man jetzt noch etwas dafür tun, dafür müsse aber die Nachnutzung geklärt sein. DGHs seien etwas Besonderes, sie prägten einen Ort und dessen Gemeinschaft, sagt Kattner. „Ich habe schon überlegt, sie als Kulturgut vorzuschlagen – sie gehören wie Ahle Wurscht einfach zu Nordhessen“, sagt Kattner, der ursprünglich aus Niedersachsen stammt.

Ein immer wichtiger werdendes Thema sei der Hochwasserschutz. Denn bei Starkregen, der immer häufiger vorkomme, sei davon auch Maden betroffen. Deshalb ist Kattner auch gespannt auf eine Infoveranstaltung am 16. November, bei der die Starkregengefahrenkarte für Gudensberg vorgestellt werden soll.

Anja Steglich kam zum HNA-Mobil, um auf den Bürgel-Flohmarkt am Sonntag, 10. Oktober, Auf dem Bürgel, aufmerksam zu machen. Der findet von 10 bis 16 Uhr statt. „Wir verkaufen Kindersachen, Spielzeug, Selbstgemachtes und Dachbodenschätze“, so Steglich. Der Erlös wird gespendet.

Was Wilfried Utermöhlen beschäftigt, der von sich selbst sagt, er sei in Gudensberg geboren und werde dort sterben: „Wo man sich umhört, fühlen sich die Menschen unsicher, viele trauen sich abends nicht auf die Straße. Aber man hat das Gefühl, dass einen die Stadt nicht mitnimmt.“ Die Stadt sei sich des Themas durchaus bewusst und arbeite daran, sagt Öffentlichkeitsarbeiter Jörg Daniel: „Es geht längst um wesentlich mehr als nur um Unbehagen.“

Ein differenziertes Bild ist wichtig: Sicherheit in Gudensberg war das Thema

„Warum macht da keiner was?“ – diese Frage wurde am HNA-Mobil mehrfach gestellt. Dabei ging es zum einem um das sinkende Sicherheitsgefühl in der Innenstadt und zum anderen auch um die teils wohl prekären Wohnverhältnisse, in denen vor allem Arbeiter aus der Fleischwirtschaft und der Logistik in der Altstadt lebten. Beides müsse angegangen werden, so die Gudensberger. „Ich gehe abends nicht mehr alleine in die Innenstadt“, so eine Leserin, die aber ihren Namen nicht in der Zeitung möchte: Sie habe Angst davor, bedroht zu werden Das Thema Sicherheit sei „das Thema Nummer 1 in Gudensberg“, sagt sie. Marga Kenner bestätigt das. Die Gudensbergerin bezeichnet sich selbst nicht als einen ängstlichen Typ, doch hätten sich das Sicherheitsthema und -gefühl sehr stark verändert. Auf den Straßen herrschten oft Menschenaufläufe und großes Geschrei: „Ich habe nun wirklich Angst, im Dunkeln unterwegs zu sein.“ Das Wissen, dass es zu wenig Polizei gebe, mache die Sache nicht besser.

Genau in diesem Moment kam rein zufällig Integrationsbeauftragter Sascha Fleddermann an den HNA-Bus. Er bezog gleich Stellung: „Die Wahrnehmung der Sicherheit ist tatsächlich eine angespannte – die Realität ist aber doch eine andere.“ Dreh- und Angelpunkt für die Vorfälle der vergangenen Tage sei eine einzige Person. Doch natürlich sei auch die hohe Zuwanderung aus EU2-Staaten im öffentlichen Raum sichtbar und präsent. „Das löst bei vielen Alteingesessenen ein Fremdheitsgefühl aus“, sagte Fleddermann.

Die Stadt und die Gesellschaft stünden nun vor der Herausforderung, dass es kein pauschales Vorurteil gegen Ausländer gebe, „der Bulgare an sich“ als solcher abgestempelt würde. „Wir brauchen ein differenziertes Bild von den Menschen.“ Was auch dringend gebraucht würde, seien weitere Integrationsbeauftragte: „Solche Brückenbauer sind wichtig.“

(Claudia Brandau und Maja Yüce)

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