Integrationsbeauftragter Biser Ivanov

Diskriminierung auf Campingplatz Bad Zwesten: Beratung für Sinti und Roma sowie Vereine

Außenansicht der Gebäude auf dem Waldcampingplatz Bad Zwesten.
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Sorgten für Empörung: Der Vorstand des Bad Zwestener Campingplatzes verwies eine Sinti-Familie des Platzes.

Der Fall um den Platzverweis einer Sinti-Familie in Bad Zwesten hat für viel Empörung gesorgt. Solche Fälle von Diskriminierung sind im Schwalm-Eder-Kreis nicht alltäglich. Doch es gibt sie, die Vorurteile gegenüber Sinti und Roma. Biser Ivanov, Dorothea Hamacher und ihre Kollegen vom Akgg in Gudensberg wollen sie abbauen.

Gudensberg – Eine Gleichberechtigung von Sinti und Roma ist im Schwalm-Eder-Kreis noch lange nicht erreicht. Dieses Fazit ziehen Biser Ivanov und Dorothea Hamacher, die sich um die Integrationsarbeit beim AKGG in Gudensberg kümmern. „Was auf dem Campingplatz in Bad Zwesten passiert ist, ist eine große Diskriminierung“, sagt Hamacher. Sie wollen mit Vorurteilen gegenüber der ethnischen Minderheit aufräumen.

Unterstützung erhalten sie dabei seit 2020 vom Schwalm-Eder-Kreis sowie den Städten Borken, Gudensberg, Homberg und Schwalmstadt, die das RoSi-Projet mitfinanzieren.

Vorurteile

Sinti und Roma sind laut, immer in Gruppen unterwegs und kommen nur nach Deutschland, um sich Sozialleistungen zu erschleichen – das sind nur einige der Vorurteile, die der Minderheit begegnen. Biser Ivanov macht klar: 80 Prozent der Sinti und Roma, die in Gudensberg leben, gingen einer geregelten Arbeit nach. Zehn Prozent der Roma hätten sogar bereits Häuser gekauft. „Wenn man auf sie zugeht, merkt man, dass es ganz normale Menschen sind.“

Wenn Biser Ivanov von Stigmatisierung, Diskriminierung und Vorurteilen gegenüber der Ethnie erzählt, dann weiß der Bulgare, wovon er spricht. Er ist selbst Roma, lebt sein zehn Jahren in Deutschland und hat gelernt, seine Herkunft zu verleugnen – auch in seinem Heimatland. Denn auch dort werden Roma in Gettos gedrängt, für sie sei es an der Tagesordnung, nicht zu ihrer Herkunft zu stehen. In Deutschland hofften viele auf bessere Chancen. Deshalb kümmert sich Ivanov im Schwalm-Eder-Kreis seit vier Jahren als Brückenbauer um die Integration von Sinti und Roma. Kein Deutscher könnte den Job so gut machen, wie er, findet Dorothea Hamacher. Sinti und Roma öffneten sich nicht, weil sie Sorge hätten, stigmatisiert zu werden. Ivanov gegenüber, der aus ihren eigenen Reihen stammt, können sie sich leichter öffnen und vertrauen ihm eher ihre Probleme an. „Sie sprechen bei mir Dinge an, die sie woanders nicht sagen würden.“

Probleme

„Es gefällt ihnen hier, sie wollen gerne hierbleiben“, berichtet Ivanov und spricht damit etwas an, was für viele Sinti und Roma ein großes Problem ist: die Wohnungssuche. Nur wenige Vermieter seien bereit, Sinti und Roma eine Chance zu geben. Häufig müssten deshalb sechs Menschen in einer Drei-Zimmerwohnung ohne Garten leben, erklärt Hamacher. „Wenn sie so wenig Platz haben, sitzen sie viel draußen.“ Das wiederrum führe zum Vorurteil, Sinti und Roma seien laut und säßen nur in großen Gruppen zusammen.

Da die Bevölkerungsgruppe in ihrer Geschichte immer gereist ist, wurde in den Familien gelernt, sagt Hamacher. „Deshalb haben sie häufig Vorurteile gegenüber staatlicher Bildung.“ Kinder gingen nicht regelmäßig zur Schule. Da müsse auch aufseiten der Roma noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Ziele

Das RoSi-Projekt setzt bei den Kindern an und arbeitet eng mit Schulen zusammen, um jungen Sinti und Roma einen Abschluss und Bildung zu ermöglichen. „Das ist ein dickes Brett“, sagt Hamacher. Denn noch sei viel Aufklärungsarbeit auf beiden Seiten nötig: Eltern erklären, warum ihre Kinder regelmäßig in die Schule gehen müssten, Lehrern die Geschichte der Sinti und Roma verdeutlichen. „Wir brauchen Vermieter, Kitas und Schulen, die mitarbeiten.“ Darüber hinaus brauche Integrationsarbeit einen festen Platz in der Gesellschaft. Das RoSi-Projekt läuft nur noch bis zum Jahr 2023. Das Wichtigste für Ivanov allerdings ist gegenseitige Akzeptanz. „Wir sind alle Menschen. Ich wünsche mir, dass wir so etwas wie im Zweiten Weltkrieg nie mehr erleben.“ (Chantal Müller)

Kontakt: Das RoSi-Projekt ist Ansprechpartner für Bildungsträger und Vereine im Landkreis. Koordiniert wird die Arbeit von Biser Ivanov, Tel. 01 62/2 04 82 35, E-Mail: biser.ivanov@akgg.de

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