Drei Jahre Haft für Überfall auf Spielhalle in Gudensberg

Gudensberg. Gleich für seine erste „richtige" Straftat hat sich ein junger Mann aus Litauen eine dreijährige Freiheitsstrafe eingehandelt. Weil er mit einem unbekannt gebliebenem Landsmann am 19. März vergangenen Jahres die Spielhalle „Game & Fun" in Gudensberg überfallen und dabei 1703 Euro erbeutet hatte, schickte ihn die 1. Strafkammer des Landgerichts Kassel gestern hinter Gitter.

Richter Dreyer blieb mit diesem Urteil am untersten Rand des möglichen Strafmaßes und würdigte so das Geständnis und die Reue des 25-Jährigen sowie den Umstand, dass der bislang nur wegen Ladendiebstahls und einer Alkohlfahrt mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war.

Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt hatte fünf Jahre Haft gefordert und dies unter anderem mit den schlimmen Folgen für die heute 56-jährige Angestellte der Spielhalle begründet. Die Frau, die gestern als Zeugin aussagte, leidet bis heute unter Schlafstörungen und Angstattacken.

Der junge Bauarbeiter und Familienvater aus dem Baltikum hatte bereits früher einmal für einige Monate in Gudensberg gewohnt und war der Zeugin als Kunde der Spielothek persönlich bekannt.

Wenige Tage vor der Tat hatte er auf einer Fernbusreise von Litauen nach England bei einem befreundeten Landsmann in Gudensberg Zwischenstation eingelegt. Im Bus lernte er einen anderen Litauer kennen, der im Prozess nur unter dem Namen „Der Lange“ auftauchte.

Nach einem mehrtägigen Saufgelage mit heftigem Wodka-Konsum gingen „Der Lange“ und der Angeklagte gegen 3 Uhr früh in die Spielhalle.

Für ihn völlig überraschend habe sein Kumpane dort ein Feuerzeug, das wie eine echte Pistole aussieht, gezogen und der 56-Jährigen mit den Worten „Money, Money“ auf die Brust gedrückt.

Als die Frau der Forderung nicht nachkam, schnappte sich der Angeklagte die Waffen-Attrappe, lud sie - so zumindest die Erinnerung der Zeugin - durch und hielt die Mündung an die Schläfe der Frau, die daraufhin in Todesangst die Kasse öffnete. „Ich war mir nicht sicher, ob es nicht doch eine echte Waffe war“, sagte die 56-Jährige gestern.

Mit stockender Stimme entschuldigte sich der zierliche, noch recht jugendlich wirkende Mann gestern bei seinem Opfer.

Die von Verteidiger Dr. Carsten Keil ins Feld geführt verminderte Schuldfähigkeit wegen des erheblichen Alkoholgenusses vermochte die 1. Strafkammer nicht zu erkennen.

„Das ist eine Schutzbehauptung. Das war ein Raubgeschehen, wie´s im Buche steht“, urteilte Richter Dreyer dazu.

Weil der junge Mann von der Spielhallen-Angestellten erkannt worden war, war er mit europäischem Haftbefehl gesucht und wenige Monate später in England festgenommen und inhaftiert worden.

Nach seiner Auslieferung nach Deutschland hat der 25-Jährige bereits elf Monate in Untersuchungshaft in der JVA Kassel gesessen. Diese Monate werden voll auf die Strafe angerechnet, er bleibt aber weiter im Gefängnis.

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