Verlag veröffentlichte früh Tagebücher der Anne Frank

Ein Lehrer, der das Vergessen verhindert: Buch über Gudensberger in renommiertem Verlag publiziert

In seinem Garten: Der Gudensberger Dr. Dieter Vaupel ist Mittelpunkt eines Buches über die Nazis.
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In seinem Garten: Der Gudensberger Dr. Dieter Vaupel ist Mittelpunkt eines Buches über die Nazis.

Dass Dr. Dieter Vaupel einmal selbst der Protagonist eines Buches ist, hätte sich der Gudensberger noch vor vielen Jahren nicht erträumen lassen. Mehr als 30 Jahre ist es her, da begann der Historiker mit der Aufarbeitung der NS-Zeit in Nordhessen. Seither ist viel passiert. Der Politologe veröffentlichte einige Bücher und hat sich einen Namen als Autor gemacht.

Dazu zählt auch die tragische Geschichte über den Gensunger Widerstandskämpfer Egbert Hayessen. Für die Aufarbeitung des Schicksals der 1000 ungarischen Jüdinnen, die in der Rüstungsfabrik in Hessisch Lichtenau zur Arbeit gezwungen wurden, bekam er eine Auszeichnung. Und genau dieses bewegende Buch macht ihn nun zum Hauptcharakter in „A Fairy Tale Unmasked: The Teacher and the Nazi Slaves“. (Auf deutsch: Der Lehrer und die NS-Zwangsarbeit – ein Märchen entlarvt). Autorin ist die amerikanische Journalistin D.Z. Stone.

Die amerikanischen Journalistin und Autorin D.Z. Stone

Das Buch erscheint im Valentine Mitchell Verlag, jenem Verlag, der sehr früh die Tagebücher von Anne Frank publizierte. Für den ehemaligen Schulleiter und seine Arbeit bedeute das Buch vor allem Wertschätzung. Der erste Teil erzählt von Vaupels persönlicher Verbindung zu Blanka Pudler, die er zeitlebens oft traf. Sie war eine Überlebende, die während der NS-Zeit in Hessisch Lichtenau menschenunwürdige Arbeit verrichten musste. 2017 starb sie in Budapest.

Auch der Widerstand, auf den Vaupel damals während seiner Recherchen stieß, ist Thema im Buch. Der zweite Teil ist die englische Übersetzung von Vaupels Buch „Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten“, übersetzt von Dieter Vaupels Sohn, Julian.

Doch wie kam es nun zu der Geschichte über den Lehrer und die Nazi-Verbrechen?

Vor zwei Jahren sei der Kontakt zwischen Vaupel und der amerikanischen Autorin zustande gekommen. Sie recherchierte zum Schicksal einer Jüdin namens Kathi Salcer. Ihre Spuren führten sie nach Deutschland. „Laut eigenen Aussagen wurde Salcer in Deutschland in einem Zwangslager gehalten, doch niemand glaubte ihr“, erzählt Vaupel. Während Stones Recherche stieß sie auf den Gudensberger und seine Bücher über die NS-Zeit.

Die Aufdeckung ihres Schicksals und das der vielen Opfer der Nazis liegt Vaupel am Herzen: Blanka Pudler.

Sie habe einige Zusammenhänge zwischen der Geschichte Salcers und Blanka Pudlers erkannt, erinnert sich Vaupel. Stone kontaktierte ihn, beide fügten ihre Recherchen zusammen und stellten fest: Salcer muss ebenfalls in der Sprengstofffabrik in Hessisch Lichtenau zur Arbeit gezwungen worden sein. Das konnte Vaupel anhand seiner Dokumentationen letztlich bestätigen. Stone schrieb das Schicksal Scales nieder und bei der Premiere ihres Buches seien dann die Verleger von Valentine Mitchell auf den Gudensberger aufmerksam geworden. Zunächst war nur die Übersetzung von Vaupels Buch über Blanka Pudler geplant. Dann entwickelte sich aber schnell die Idee „ein Buch über das Buch“ zu verfassen, sagt Vaupel.

Ein Jahr sei Stone Vaupels Arbeit akribisch nachgegangen, ungezählte E-Mails wurden ausgetauscht. Persönliche Treffen gab es wegen der Pandemie nicht. Dann war die Rohfassung Ende vergangenen Jahres fertig.

Vaupel selbst ist natürlich stolz auf das Buch. Eine solche Aufmerksamkeit in den USA geschenkt zu bekommen, bezeichnet er als „Glücksgriff“. Im selben Moment erinnert er an seine Schüler, die ihn damals unterstützt haben. Denn was Vaupel immer wieder betont: „Wir arbeiten diese Schicksale auf, damit wir niemals vergessen – das ist das Wichtigste.“

Buch: A Fairy Tale Unmasked: The Teacher and the Nazi Slaves (Englisch) Taschenbuch, Valentine Mitchell Verlag, 35 Euro.

Von Linett Hanert

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