Stadt Gudensberg ehrt Menschen für ihr Engagement

Ein Schritt in die Berufswelt: Durch das Ehrenamt lernen Geflüchtete Gudensberg kennen

Hamida Nazari: Die Mutter von sieben Kindern ist für ehrenamtliches Engagement von der Stadt Gudensberg geehrt worden.
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Hamida Nazari: Die Mutter von sieben Kindern ist für ehrenamtliches Engagement von der Stadt Gudensberg geehrt worden.

Für Hamida Nazari und Marwan Tarek Bker bedeutet ihr Ehrenamt vor allem eines: Deutschland zu verstehen. Die Afghanin und der Iraker sind vor fünf Jahren aus ihrer Heimat geflohen, in Gudensberg haben sie ein neues Zuhause gefunden. Jetzt sind sie von der Stadt für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt worden.

Hamida Nazari (48) ist 2016 mit den drei jüngsten ihrer sieben Kinder aus Afghanistan geflohen. Dort war sie alleinerziehend, weshalb sie vor der Taliban flüchten musste, erzählt sie. Da Nazari in Afghanistan Polizistin war, „hatte ich zunehmend Angst, ins Visier der Taliban zu geraten“, erinnert sie sich.

Über die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen ging es für sie in den Schwalm-Eder-Kreis. Ein Jahr lebte sie in der Gemeinschaftsunterkunft in Gudensberg. Dort lernte sie den Verein „Mach Mit“ kennen, bei dem sie ihr Ehrenamt ausübt. Vor der Coronakrise war sie fast täglich im F 26. Dort hat sie zunächst die Frauengruppe, die geflüchteten Frauen die Integration erleichtern soll, mitorganisiert. Ansonsten ist sie die Hauswirtschafterin. Sie kocht, räumt auf und sortiert im Kaufhaus für die Ware, berichtet Dorothea Hamacher vom Verein. „Für Nazari ist das Ehrenamt auch der nächste Schritt, die deutsche Sprache noch besser zu lernen und in die Arbeitswelt aufgenommen zu werden.“

Das erhofft sich auch Marwan Tarek Bker. Der 46-jährige Iraker war vor Corona jeden Tag im F 26. Er trage wesentlich zur Gemeinschaft im Haus bei, spricht arabisch, türkisch, kurdisch und deutsch recht passabel. „Er fungierte als Dolmetscher“, sagt Hamacher. Bker selbst sagt, dass ihm die Vereinsarbeit dabei hilft, Deutschland zu verstehen.

Marwan Tarek Bker hilft gerne im F 26 aus, unter anderem an der Kasse im Kaufhaus.

Auch er helfe im Verein, wo er kann: kocht, räumt auf, erinnert bei den Deutschkursen an das Einhalten von Hygieneregeln, repariert und kümmert sich um das Kaufhaus, berichten Hamacher und Sascha Fleddermann, Gudensbergs Integrationsbeauftragter. Seine Erfahrungen als Bäckereibesitzer im Irak helfen ihm dabei.

Kurz vor Corona hatte Bker bereits konkrete Aussichten auf einen Job: Bei einem Catering-Service hatte er ein Praktikumsplatz ergattert. Das hat sich durch die Pandemie verschoben, solange wird er weiter den Verein unterstützen, sagt Bker.

Von Linett Hanert

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