650 Jahre Gudensberger Hospital: Eine Stiftung fürs Seelenheil

Der Ursprung des Gudensberger Hospitals ist die heutige Kapelle (oben), die am Kreisel mit den Gruddaschen Raben steht

Gudensberg. Als der Gudensberger Burgmann Ditmar der Kune und seine Frau Gela im Jahr 1365 für den Bau eines Hospitals stifteten, ging es ihnen um ihr eigenes Seelenheil - und das Wohl der Bürger.

Denn Krankheiten wie der Aussatz (Lepra) und später die Pest bedrohten in der Zeit nach den Kreuzzügen in Mitteleuropa die Menschen.

Die Hospitäler, in denen Kranke gepflegt werden konnten, lagen meist außerhalb der Stadtmauern, an einem Fluss oder Graben und einer Hauptstraße. Dorthin wurden Kranke verlegt, um andere vor Ansteckung zu schützen.

So war es auch in Gudensberg. Das erste Gebäude hat die wechselvolle 650-jährige Geschichte überlebt und existiert heute noch als Hospitalskapelle.

Das Gudensberger Hospital: Die heutige Kapelle (vorne) entstand vor 650 Jahren, die anderen Bauteile später. Das belegte eine architektonische Untersuchung.

„Wir haben lange gedacht, das Hospital sei noch älter“, sagt Heinrich Schmeißing von den Gudensberger Heimatfreunden. Der Verein gab eine Untersuchung bei einem Bauhistoriker in Auftrag, die belegt: Die Ersterwähnung 1365 stimmt wohl mit dem Baudatum überein. Anbauten und weitere Fachwerk-Gebäude des Spitals kamen in den folgenden Jahrhunderten dazu (siehe Zeichnung). Untersuchungen der Holzbalken (sog. Dendrochronologie) ergaben für den Anbau das Datum 1441, die Fachwerkhäuser entstanden im 17. und 18. Jahrhundert.

Die Hospitalsverfassung von 1369 regelte die Ordnung des Spitals, nach der Reformation gab es im Jahr 1531 eine Neuordnung. Darin wurde verfügt, dass nicht nur Kranke, sondern alle Armen der Stadt aufgenommen werden müssen. Die eigentliche Verfassung erhielt das Hospital im Jahr 1542, sie gilt bis heute.

Das Foto links stammt aus der Zeit vor 1933, als das Haus des Hospitalsverwalters (Rendantenhaus, im Hintergrund) noch stand. Es wich der neuen Kreuzung. Das Fachwerk (vorne) wurde geöffnet und die Ställe entlang der Kapelle abgerissen für den Fußweg entlang der Straße.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es zahlreiche Stiftungen und Schenkungen zugunsten des Gudensberger Hospitals. Es mehrten sich die Besitztümer der Stiftung, allerdings blieb sie eher kapitalarm.

Noch bis heute befinden sich in den Fachwerkgebäuden des Hospitals Wohnungen für ältere und sozial schwache Personen. In der Hospitalskapelle werden regelmäßig Gottesdienste abgehalten, dort hat die ev. Gemeinde auch wieder ihre Räume.

Trägerin der Einrichtung ist weiterhin die Hospitalsstiftung. Der Vorstand der Stiftung besteht aus vier Mitgliedern, Vorsteher sind kraft Amtes der evangelische Pfarrer und der Bürgermeister, dazu gehören zwei Magistrate oder Stadtverordnete, die alle fünf Jahre berufen werden. Die Aufsicht übt der Regierungspräsident in Kassel aus.

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