Stadtverordnete stimmten neuem Bebauungsplan zu

Geflügel-Schlachtbetrieb in Gudensberg kann sich erweitern

Gudensberg. Die Erweiterungs-Pläne des Geflügelschlachtbetriebs der niederländischen Firma Plukon in Gudensberg werden nicht am Votum der Stadtverordneten scheitern. Die stimmten einem neuen Bebauungsplan zu.

Die Stadtverordneten beschlossen am Freitagabend mehrheitlich, den Flächennutzungsplan für das Gebiet am Odenberg zu ändern und einen neuen Bebauungsplan aufzustellen. In dem neuen Plan wird der frühere Hof Wagner nunmehr als Industriegebiet ausgewiesen.

Damit steht dem Plan der Firma, dort eine neue Abluftanlage für die Schlachterei zu errichten, nichts im Wege. Der vorgesehenen Kapazitätserweiterung der Schlachterei auf bis zu 250 Tonnen täglich (etwa 100.000 Tiere) müsse der Regierungspräsident in Kassel zustimmen, dafür seien die Stadtverordneten nicht zuständig, betonte Dirk Schütz (SPD) in der Debatte. Schütz erläuterte die Position seiner Fraktion. Danach wolle man lediglich ermöglichen, dass eine bessere Abluftanlage gebaut werden könne und die Geruchsbelästigung der Menschen in und um Gudensberg geringer würde.

In einem zweiten Abschnitt soll das Gelände der früheren Tierfutter-Herstellung (heute Flohmarkthallen), das der Stadt bereits gehört, auch als Industriegebiet ausgewiesen und vermarktet werden.

"Lebensmittel zu vernünftigen Preisen"

Als Stadt habe man nur stumpfe Schwerten, um sich zu wehren gegen Gestank, Bodenbelastung und Massentierhaltung, sagte Schütz. Aber es sei ein Erfolg, dass die Lebensqualität in Gudensberg durch geringere Geruchsemissionen verbessert werde.

Es sei das gute Recht aller Gegner, diese Art der Tierhaltung und -verarbeitung abzulehnen, sagte für die CDU Dieter Heer. Doch die Mehrheit der Menschen sage Ja dazu, sie wollten Lebensmittel zu vernünftigen Preisen.

Wichtiger für die Gudensberger seien die Geruchsbelästigungen, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten - schließlich arbeiteten 80 Gudensberg dort. Da könne man etwas erreichen.

Heinrich Pohlmann (FDP) sah die Möglichkeiten des Parlaments beschränkt aufs Baurecht. Er prangerte eine falsche Förderpolitik an, forderte höhere gesetzliche Standards und betonte, dass die Menschen die Agrarindustrie satt hätten. Letztlich könne jedoch jeder beim Einkaufen entscheiden, was wie produziert werde.

„Wir schaffen heute die Voraussetzung dafür, das der Betrieb weiterlaufen kann“, sagte Marcel Breidenstein (Grüne), dessen Fraktion den Beschluss nicht mittrug. Es habe sich mit der Firma Plukon zwar vieles verbessert, doch werde ein größerer Schlachthof auch zu mehr Massentier-ställen in der Region führen.

Nordhessen sei geprägt von bäuerlicher Landwirtschaft, Gudensberg setze auf Kultur und Tourismus, da sei ein solcher Schlachtbetrieb sicher ein Imageschaden.

Die Planänderungen wurden mehrheitlich mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP gegen die Grünen beschlossen.

Von Ulrike Lange-Michael

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