Initiativen haben neue Plattform gegründet

Gemeinsamer Kampf für die Agrarwende in Nordhessen

Andreas Grede, AGA-Vorstand.

Schwalm-Eder. Für eine Stärkung der bäuerlichen, ökologischen Landwirtschaft wollen sich verschiedene Initiativen aus Nordhessen engagieren und einen Verein gründen. 

In Nordhessen haben sich mehrere Initiativen und Gruppen, die in den vergangenen Jahren aus Protest gegen die Zunahme der industriellen Massentierhaltung gegründet wurden, zu einer Dachorganisation zusammengeschlossen. „Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen“, kurz AGA, nennt sich der Zusammenschluss, der sich für eine bäuerlich ausgerichtete Landwirtschaft starkmachen will. Eine Keimzelle der AGA ist die Bürgerinitiative (BI) Chattengau, die aktiv wurde, als der Geflügelschlachtbetrieb der niederländischen Plukon-Gruppe in Gudensberg 2013 erweitert werden sollte. Andere in der Region haben sich angeschlossen – überall dort, wo neue große Tierställe geplant werden. Kürzlich erst gab es eine Aktion mit mehreren hundert Teilnehmern auf der Edersee-Staumauer gegen eine geplante Hähnchenmastanlage mit 79 800 Tieren in Waldeck. „Wir müssen unsere Kräfte bündeln und uns vernetzen“, sagt Andreas Grede (Niedenstein) vom Vorstand der AGA. Nur dann könne man größeren Einfluss gewinnen und die Menschen besser informieren. Die regionalen Landwirte seien dabei durchaus nicht die Gegner, man zeige auf sie nicht als die Schuldigen, betonte auch Barbara Düsterhöft (Edermünde) von der BI Chattengau. Vielmehr wolle man mit den Bauern zusammen etwas ändern, nicht gegen sie, im Interesse der Umwelt, der Menschen und der Tiere. Ziel der Bemühungen sei die „Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft“. Noch seien die klassischen Landwirtschaftsverbände mit ihrer Lobbyarbeit sehr stark, junge Landwirte würden immer noch traditionell ausgebildet, meint Andreas Grede. Aber es komme langsam ein Bewusstseinswandel in Gang. Man müsse mehr informieren und motivieren, weil auch kleine Schritte Veränderungen bringen, betont Düsterhöft.

Der Wandel ist schon spürbar

Was die Aktionsgemeinschaft Agrarwende unterstützen will, nämlich die Abkehr von der konventionellen Landwirtschaft mit ihrem strikten Glauben an „Wachsen statt weichen“, das gleiche dem Bohren dicker Bretter. Aber die Aktivisten sind optimistisch: „Wir schaffen Veränderungen“, sagen Barbara Düsterhöft und Andreas Grede, erkennen einen Wandel im Bewusstsein, bei den Landwirten wie auch den Verbrauchern. Immer mehr Landwirte wollten aus der Wachstumsspirale ausbrechen, und gemeinsam könnten Erzeuger wie Verbraucher deutlich mehr Druck auf Politik und Lebensmittelindustrie ausüben.

Mit der neuen Plattform und dem Namen soll auch signalisiert werden, dass nicht allein die Kritik im Vordergrund steht. „Wir wollen nicht immer nur gegen etwas sein, sondern uns für etwas, nämlich eine andere Landwirtschaft, engagieren“, sagt Barbara Düsterhöft.

Veränderungen begännen auch in Sachen Landwirtschaft vor der eigenen Haustür, sagt sie, und nennt die zunehmende Zahl an Massentierhaltung in der Region. Auch an der deutlich werdenden Klimaveränderung trage sie eine Mitschuld.

Düsterhöft nennt verschiedene Schwerpunkte der Aktionsgemeinschaft: • Unterstützung der Bürgerinitiativen vor Ort, • Schaffung einer Gegenöffentlichkeit, Informationen in den Schulen, • Bündelung von Expertenwissen zu verschiedenen Themen, • Entscheidungsträger finden und informieren bei Veranstaltungen, Gesprächen, Diskussionen mit Materialien, • Zusammenhänge herstellen zwischen Landwirtschaft, Mensch und Umwelt, zum Beispiel gemeinsam mit dem Kasseler Naturkundemuseum, • andere Bereiche als Massentierhaltung thematisieren, etwa das Insektensterben. Ob die zu billige Fleischproduktion in Deutschland (die „Schlachtbank“ Europas), die zu hohen Fleischimporte, das Unwissen vieler Verbraucher über die Verarbeitung gesunder Lebensmittel, das Problem der multiresistenten Keime: Die Themen gehen der AGA nicht aus.

Um fundiert informieren zu können, sammelt die Plattform viel Know-how, das sie anderen Gruppen zur Verfügung stellt. Mehrere Faktenblätter etwa zum Klima oder zur Nahrungsmittelverschwendung sind übers Internet und die Homepage der AGA erhältlich. (ula)

Mehr über die Aktionsgemeinschaft Agrarwende unter www.aga-nordhessen.de

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