Goldbach trat durch Starkregen über die Ufer

Wenn die Straße zum Fluss wird: Keller in Maden zwei Mal vollgelaufen

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Im Gitter am Einlauf sehen Normen Giese (links) und Andreas Kant eine Hochwasserursache.

Anlieger in Gudensberg-Maden sind sauer: Innerhalb weniger Wochen überflutete der sonst harmlose Goldbach die Straße. Keller liefen voll. Sie vermissen Hilfe und Lösungen.

Der Regenguss in der vergangenen Woche war heftig, aber dauerte nur wenige Minuten. Trotzdem wiederholte sich im Gudensberger Stadtteil Maden, was sieben Wochen zuvor schon einmal passiert war: Der Goldbach, ein von Gudensberg nach Maden fließendes Bächlein, schwoll durch den Starkregen blitzschnell an, das Wasser staute sich vor dem Gitter am Beginn der Verrohrung – und strömte auf die Neue Straße und von dort in die Keller der Häuser.

„Das wälzte sich über die Straße wie eine Welle“, sagt Normen Giese, der in der Neuen Straße wohnt. Dort, an der tiefsten Stelle des Dorfes, suchte sich das Wasser einen Weg. Zum zweiten Mal lief es in Keller, die gerade erst gereinigt, teils neu verputzt worden waren.

„Wir fragen uns, warum es jetzt vermehrt zu diesen überfluteten Kellern kommt“, sagt Giese, der zusammen mit Nachbarn die Situation so nicht hinnehmen will. Er fordert von der Stadtverwaltung, sich des Problems anzunehmen, ihm und den anderen Betroffenen zu helfen. Und vor allem dafür zu sorgen, dass die Ursachen für die Überflutungen gesucht, gefunden und behoben werden.

Der Goldbach überspülte die Straßen gleich zweimal: Bei starkem Regen fasst der Einlass zur unterirdischen Verrohrung (Geländer) die Wassermassen nicht. Die Straßen werden überschwemmt.

Jürgen Kant, der seit 70 Jahren in der Straße lebt, kann sich noch erinnern, wie es früher in dem Dorf aussah: „Hier hatten die Bauern ihre Wiesen am Goldbach“, erzählt er. Der Bachlauf sei erst später verrohrt worden. Seitdem läuft das Wasser unter der Straße in Richtung Ems, danach entstanden die weiteren Häuser.

Ein wichtiger Grund, warum das Wasser durch die Rohre nicht schnell genug abläuft, ist für die Madener das Gitter am Eingang des Schachtes. „Dort sammelt sich schnell jede Menge Unrat aus dem Bachlauf“, sagt Normen Giese. Angebracht worden sei es ungefähr 1984, weil damals ein Kind in den Bach gefallen war und im Kanalrohr fast ertrunken wäre.

Betroffene fühlen sich im Stich gelassen 

Nach dem starken Gewitterregen mit Hagel vor sieben Wochen, nach dem ersten Hochwasser also, habe es Gespräche mit dem Gudensberger Bürgermeister Frank Börner gegeben, sagen die Madener. Er habe zugesagt, dass das Gitter kontinuierlich kontrolliert werde. Aber jetzt habe man wieder die gleiche Situation erlebt.

„Wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagen die Betroffenen einhellig. Sie beklagen hohe Schäden von mehreren tausend Euro, für die auch Versicherungen nicht oder nur zum kleinen Teil aufkämen. Auch die Haftpflicht der Stadt habe abgelehnt, die Kosten zu übernehmen, die durch die Wasserschäden entstanden sind.

Als i-Tüpfelchen fanden sie auch noch eine Rechnung der Edermünder Feuerwehr im Briefkasten, die wegen der vielen gefluteten Keller von den Gudensberger Wehren zu Hilfe gerufen worden waren. Fürs Auspumpen seien ihnen jetzt 500 Euro per Gebührenbescheid berechnet worden, die sie jetzt auch noch bezahlen sollen.

Die Neue Straße am 12. Juli: Der Garten der Familie Fink stand unter Wasser, der Keller ebenfalls.

Stadt reagiert mit neuem Gitter

Mit einer Umgestaltung des Einlaufgitters, das am Eingang der Verrohrung des Goldbachs in Maden Treibgut aufhalten und mögliche Unfälle verhindern soll, reagiert die Stadt Gudensberg auf das doppelte Hochwasser innerhalb kurzer Zeit. „Wir haben ein neues Gitter in Auftrag gegeben, das schräg und nicht senkrecht sein wird“, sagte Bürgermeister Frank Börner im Gespräch mit der HNA. 

In Absprache mit der Unteren Wasserbehörde sei das geschehen. Man habe die Hoffnung, dass es dadurch zu einem geringeren Rückstau kommen werde bei starkem Regen. Er wies darauf hin, dass das Gitter auch bei Hochwasser nicht geöffnet werden dürfe, sondern nur danach und zu Wartungszwecken. Die Stadt habe eine Fachfirma zudem beauftragt, den Kanal, durch den der Goldbach durch Maden fließt, zu untersuchen. Das Ergebnis: Er ist frei. 

Dass die zunehmende Versiegelung der Böden, etwa durch das Neubaugebiet Steinzeitsiedlung, die Hochwassergefahr erhöhe, bestreitet Börner. „Wir haben die Auflage, ausreichende Regenrückhaltesysteme zu errichten“, betont er. Es dürfe nach der Bebauung nicht mehr Oberflächenwasser in den Goldbach gelangen als zuvor. Die zuständigen Behörden hätten das geprüft. Man werde nach zusätzlichen Flächen entlang des Goldbachs suchen, um eventuell weitere sogenannte Retensions-Räume zu schaffen, in die das Wasser bei Starkregen laufen könne. Das würde den Druck auf die Ortslage Maden verringern. 

Künftig dürfe man angesichts veränderter Wetterlagen keine Baugebiete in hochwassergefährdeten Bereichen ausweisen. Ein Verschulden der Stadt an dem Hochwasser könne er nicht sehen, so Börner. Deshalb komme auch die Haftpflichtversicherung der Stadt nicht für Schäden auf.

Termin im Ortsbeirat

„Der Bürgermeister hat die Pflicht, uns besser zu informieren als bisher.“ Das fordern die Anlieger in Maden, die vom zweifachen Hochwasser betroffen sind. Dem kommt der Verwaltungschef nach: Er wird in der nächsten öffentlichen Ortsbeiratssitzung, die vermutlich am 18. September stattfinden wird, den Madenern Rede und Antwort stehen und die Sicht der Verwaltung zum Thema Hochwasser erläutern. Genaue Uhrzeit und der Ort der Sitzung sollen rechtzeitig öffentlich bekanntgegeben werden.

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