Arztpraxis Wunsch und Wittkampf in Gudensberg

Nach 48 Jahren: Gudensberger Arzthelferin verabschiedet sich

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Sie freut sich auf ein Leben ohne die Praxis: Christa Appelmann hat heute ihren letzten offiziellen Arbeitstag. 

Gudensberg. Christa Appelmann begleitete die Entwicklung von der hausärztlichen Einzelpraxis in den 70er-Jahren bis zum modernen Hausarztzentrum in Gudensberg. 

Wenn Christa Appelmann am Freitag die Arztpraxis Wunsch und Wittkampf in Gudensberg verlässt, sagt sie auch Tschüss zu ihrer zweiten Familie. Denn die 63-Jährige beendet ein langes Arbeitsleben, in dem das Praxisteam für sie zu einem familienähnlichen Verbund wurde.

Knapp fünf Jahrzehnte gehörte Christa Appelmann dazu, lernte viele Kolleginnen und jede Menge Patienten kennen, hörte viele Geschichten und kümmerte sich um die Belange aller. Drei Chefs hatte sie in den 48 Jahren, zog mit der Praxis zweimal um. Sie begleitete die Entwicklung einer hausärztlichen Einzelpraxis des Jahres 1970 bis hin zu einem modernen medizinischen Hausarztzentrum des Jahres 2018 hautnah.

Das letzte Röhrchen Blut wurde gefüllt

Jetzt geht sie in den Ruhestand, hat zum letzten Mal ein Röhrchen mit Blut gefüllt. Heute wird sie feierlich verabschiedet. „Es wird bestimmt ein tränenreicher Abschied“, vermutet die gebürtige Gudensbergerin.

Schon sehr früh hatte sie die Richtung für ihr späteres Berufsleben vor Augen, wollte als 13-Jährige Krankenschwester werden. Zu jener Zeit war sie bereits in der Jugendgruppe vom Gudensberger DRK aktiv.

Nach der Schule begann sie am 1. September 1970 bei Dr. Urach Kürschner in der Fritzlarer Straße in Gudensberg ihre Ausbildung und zog mit der Praxis 1975 in die Untergasse um. Mit Eike Kürschner bekam sie 1976 einen neuen Arzt als Chef, Dr. Achim Wunsch übernahm dann 2001 die Praxis, die 2009 in die neuen Räume umzog. Bis 1987 war Christa Appelmann ganztägig beschäftigt, zu ihren Aufgaben gehörten die Praxisorganisation, die Begleitung des Arztes bei Hausbesuchen und die praxiseigenen Labor-Untersuchungen.

Erstes Enkelkind ist unterwegs 

Zusätzlich war sie für die Notfall- und Wochenenddienste verantwortlich, hat die damaligen Praxisvertreter betreut und ihnen auch oft das Essen gekocht. Nach der Geburt ihres Sohnes 1987 arbeitete Christa Appelmann 1988 bereits wieder als Halbtagskraft weiter. Nun gehörten zu ihren Aufgaben die täglichen Blutabnahmen, das Assistieren bei kleinchirurgischen Eingriffen und die Betreuung von Diabetikern. Sie war weiterhin für die Bestellungen von Gebrauchsmaterialien und Impfstoffen verantwortlich und hat dem Hygienemanagement vorgestanden.

Jetzt, mit 63, zieht Christa Appelmann einen Schlussstrich unter ihr Berufsleben. Ab 1. September ist sie nur noch für die eigene Familie da. Besonders freut sie sich auf das erste Enkelkind, das im Januar erwartet wird. Einen Korb bekam deshalb auch Dr. Achim Wunsch, als er anfragte, ob Christa Appelmann nicht doch Lust hätte, noch ein oder zwei Jahre bei ihm zu arbeiten.

Die Antwort kam prompt: „Lieber Doktor, als ich meine Ausbildung begonnen habe, waren Sie fünf Jahre alt und sind noch nicht mal in die Schule gegangen. Jetzt wird es Zeit, dass ich mal ein Leben ohne die Praxis führe.“

Die Sache mit dem Partyschnaps

Glück hatte Christa Appelmann, als ihr eine Patientin ein kleines Klopferfläschchen (Partyschnaps) in die Hand drückte. Da sie darin einen Schnaps vermutete und im Dienst war, steckte sie das Fläschchen in die Handtasche. Kurz darauf fragte der Arzt nach der Urinprobe von einer Patientin. Wie versteinert holte Christa Appelmann das Fläschchen aus ihrer Handtasche und gab die Urinprobe zur Untersuchung ab.

Sechs Mediziner und 16 Arzthelferinnen

Seit Juli leiten Dr. Achim Wunsch und Anne Wittkampf die Praxis im Gesundheitszentrum Gudensberg und dem Medizinischen Versorgungszentrum in Edermünde-Besse, sechs Ärzte und 16 Arzthelferinnen gehören zum Team. Ziel ist es, die Patienten im Gebiet Gudensberg, Edermünde und Niedenstein ärztlich zu versorgen.

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