Gute Freundschaften sind alles

Bewohner des Altenzentrums Eben-Ezer blicken auf die Coronakrise

Für sie zählt während der Coronakrise vor allem der Zusammenhalt: von links Arthur Nachtigall, Renate Schmitt und Edith Lafontaine, Bewohner des Altenzentrums Eben-Ezer in Gudensberg.
+
Für sie zählt während der Coronakrise vor allem der Zusammenhalt: von links Arthur Nachtigall, Renate Schmitt und Edith Lafontaine, Bewohner des Altenzentrums Eben-Ezer in Gudensberg.

Arthur Nachtigall, Renate Schmitt und Edith Lafontaine leben im Altenzentrum Eben-Ezer in Gudensberg. Im Frühjahr war dort das Coronavirus ausgebrochen. Trotzdem halten sie den Kopf oben.

Gudensberg – Arthur Nachtigall, Renate Schmitt und Edith Lafontaine sehen zufrieden und zuversichtlich aus. Die drei Senioren leben im Altenzentrum Eben-Ezer in Gudensberg und haben harte Zeiten hinter sich. Im Frühjahr war dort das Coronavirus ausgebrochen, hatte alle Bewohner in Quarantäne gezwungen und sogar Freunde für immer genommen. Trotzdem halten Nachtigall, Schmitt und Lafontaine den Kopf oben.

Edith Lafontaine wurde früher sonntags von ihrem Sohn abgeholt, während der Quarantäne war dies natürlich nicht möglich. Die 87-Jährige, bleibt pragmatisch: „Man muss eben damit leben, da hilft kein Meckern.“ Im Eben-Ezer beschäftige man sich immer gut mit den Bewohnern, niemand müsse nur vor die Wand gucken.

Ohnehin gebe es viele Möglichkeiten mit seinen Liebsten in Kontakt zu bleiben. Ob per Telefon oder Whatsapp – Renate Schmitt beherrscht mit ihren 83 Jahren die modernen Kommunikationswege. „Und auch im Heim habe ich viele Freunde gefunden.“ Eine ihrer engsten Bekannten unter den Bewohnern habe ihr während des ersten Lockdowns im Anschluss gesagt: „Wenn wir uns nicht gehabt hätten...“ Vermutlich wäre es einsam geworden.

Gudensberg: Beziehungen sind alles, finden die Senioren im Eben-Ezer

Beziehungen seien ohnehin alles – gerade im Alter, findet Arthur Nachtigall. Der 80-Jährige lebt seit einem Jahr mit seiner Frau in einer Wohnung des Altenzentrums. Durch das Virus verlor Nachtigall einen Freund, auch er und seine Frau hatten sich infiziert, die Krankheit aber gut überstanden. „Nach der Quarantäne wieder raus zu dürfen, das tat gut. Es ist ein Geschenk, wenn die Kinder für einen da sind“, sagt Nachtigall. Zu wissen, man werde nicht vergessen, das sei Balsam für die Seele, sagt Renate Schmitt.

Dem 80-jährigen ehemaligen Pastor hilft neben dem Kontakt zu Frau, Kindern, und den Bewohnern aber noch etwas anderes: „Mir hat Gott in dieser Zeit Halt gegeben. Er behält die Übersicht.“ Dankbar rückwärts, gläubig aufwärts, mutig vorwärts, liebevoll seitwärts und fröhlich heimwärts zu blicken – das sei einer seiner Leitsprüche, auch in der Coronakrise.

Senioren im Eben-Ezer: Virus nicht unterschätzen

Körperlich gelten Ältere als besonders anfällig für das Virus. Gilt das auch für die Psyche? „Wir haben viel erlebt, aber so etwas auch noch nicht“ – da sind sich alle drei einig. Sie gehen davon aus, dass der aktuelle Ausnahmezustand auf der Welt vor allem die jungen Menschen mitnehme, die ja nicht unter großen Widrigkeiten aufwuchsen. „Die Älteren können das besser verkraften“, vermutet Edith Lafontaine.

Von der Bevölkerung wünschen sich die drei Rücksichtnahme. „Die Gegner der Corona-Maßnahmen unterschätzen das Virus“, sagt Arthur Nachtigall. Wer selbst betroffen war, würde nie so reagieren. Es gehe im Leben darum, nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen zu schützen. Alles andere sei unverantwortlich und nur schwer nachzuvollziehen.

Von Daria Neu

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.