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Für ein Leben in Geborgenheit – Eben-Ezer-Heimleiter Walter Berle geht heute in den Ruhestand

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Von: Cora Zinn

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Auf dem Foto ist Walter Berle zu sehen.
Verabschiedet sich am 29. Juli in den Ruhestand: Walter Berle, Heimleiter des Eben-Ezer aus Gudensberg. Auf dem © Cora Zinn

Am heutigen Tag verabschiedet sich Walter Berle in den Ruhestand. Der Leiter des Eben-Ezer in Gudensberg will erst mal abtauchen.

Gudensberg – Leben in Geborgenheit – das war Walter Berle immer das wichtigste Thema. „Ich gehe mit einem guten Gefühl, weil ich weiß, dass unsere Senioren hier einen schönen Lebensabend verbringen“, sagt der 64-Jährige. Der Heimleiter des Eben-Ezer aus Gudensberg wird heute verabschiedet. Er geht auf den Tag genau nach 44 Jahren in den Ruhestand.

Seine Nachfolgerin ist die jetzige Verwaltungsleiterin, Susanna Brüllke, die das Altenzentrum bereits in- und auswendig kennt. „Sie ist ein Urgestein und fachlich hervorragend“, sagt Berle.

Gudensberg: Walter Berle wollte allen immer eine Hilfe sein

Eben-Ezer kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „Stein der Hilfe“. Genau das hat Berle in 44 Jahren umgesetzt. „Genau das wollten mein Team und ich immer sein. Eine Hilfe für alle Senioren“, so Berle.

Das Leitbild: „Wir wollen auf Grundlage des christlichen Menschenbildes mit fachlicher Kompetenz auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen und ihnen ein Zuhause in Würde und Geborgenheit geben“, muss laut Berle gelebt werden – anders funktioniere es nicht. „Wir müssen die Altenhilfe nach außen öffnen. Es muss deutlich werden, dass ein Altenzentrum kein Gefängnis ist“, sagt der 64-Jährige, der mit seiner Frau in einer Wohnung neben dem Altenzentrum lebt.

Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule und Seniorenheim sind die wichtigsten Säulen

Für den zweifachen Vater müsse sich jede Stadt mit einer grundlegenden Thematik befassen: Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule und Seniorenheim. „Das sind Grundsäulen für mich“, sagt er. In Gudensberg habe er genau das gefunden. „In Zusammenarbeit mit der Stadt habe ich stets gegenseitiges Vertrauen empfunden“, so Berle.

Walter Berle ist seit 1978 im Eben-Ezer. Erst war er 14 Jahre Küchenleiter und brachte nach und nach mit seinem Team eine gerechte und gesunde Ernährung auf den Tisch. „Die Mahlzeiten sind die Höhepunkte für unsere Senioren. Da muss alles stimmen“, sagt Berle. Mit Freunden zum Mittagessen gehen, sich währenddessen unterhalten, gemeinsame Zeit – das sei lebenswichtig. Vom Küchenleiter zum Heimleiter – das geschah 1992. „Dann begannen die Bauarbeiten“, erinnert sich Berle. Zwischen 1992 und 2002 wurde das Altenzentrum auf den neusten, modernen Stand gebracht. Es gibt 31 Wohnungen, 152 Plätze, derzeit 45 Mieter und rund 200 Menschen haben im Eben-Ezer ein Zuhause. „180 Mitarbeiter sind schon eine Wucht“, sagt Berle.

Auf dem Foto ist Walter Berle zu sehen.
Heimleitung war für ihn mehr als Verwaltungsarbeit: Walter Berle setzte sich auch selbst ans Steuer, um die Bewohner zu chauffieren. Die Aufnahme entstand im Jahr 2012. Archiv © Christel Eberlein

Seine schlimmste Dienstzeit hatte er ab Februar 2020, als das Coronavirus im Eben-Ezer ausbrach

Seine schlimmste Zeit in den 44 Jahren erlebte er ab Februar 2020. „Das Coronavirus hat uns sehr hart getroffen. Es hat uns alle sehr viel Kraft und sehr viele Nerven gekostet. Aber vor allem sehr viel Trauer verursacht“, so Berle. Ab April 2020 hieß es „Einzelhaft im Eben-Ezer“, wie er es nennt. Um die Gesundheit der Bewohner bestmöglich zu schützen, kehrte man ab von der Gemeinschaft. Berle berichtet, das Team habe am Rande der Leistungsfähigkeit gearbeitet. Viele Mitarbeiter fielen aus, weil sie sich mit dem Virus angesteckt hatten. „Das Allerschlimmste war aber der Abschied von Bewohnern“, sagt Berle. 13 Bewohner starben im Zusammenhang mit der Virusinfektion.

Was macht Berle ab dem 1. August? „Ich tauche erst mal für acht Wochen ab“, sagt er und lacht. Danach will er sich seinen Ehrenämtern weiter widmen, sie seien eine Herzenssache. Berle ist im Stadtrat, wirkt beim Kinderhilfswerk Global Care mit und ist im Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hessen.

2014 haben er und seine Frau vertraglich festgehalten, dass sie eine Wohnung im Eben-Ezer bekommen – sobald das nötig ist. „Dafür ist aber hoffentlich noch etwas Zeit“, sagt er. Doch wenn es irgendwann so weit ist, kehren er und seine Frau zurück an den Ort, von dem sie wissen, dass sie dort ein Leben in Geborgenheit haben werden. (Cora Zinn)

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