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Grünen-Politiker Martin Häusling fordert Handeln: „Es ist still geworden um die Einleitung der Abwässer“

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Von: Cora Zinn

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Der Gudensberger Schlachthof Plukon leitet sein Abwasser in den Goldbach ein.
Der Gudensberger Schlachthof Plukon leitet sein Abwasser in den Goldbach ein. © Daniel Seeger

Die Diskussion um das Abwasser des Geflügelschlachthofbetriebs Plukon aus Gudensberg geht in die nächste Runde.

Gudensberg – „Die Stadt Gudensberg und das Regierungspräsidium (RP) Kassel glänzen im Fall um die Abwassereinleitung des Geflügelschlachthofes durch Nichtstun“, sagt Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen), Europaabgeordneter.

Laut der Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus dem Jahr 2020 stagniert der Antibiotikaeinsatz bei Masthühnern und Puten seit 2014 auf sehr hohem Niveau. „Reserveantibiotika werden eingesetzt, wenn andere Wirkstoffe nicht mehr wirken“, so Häusling. In der Tiermast hätten sie nichts verloren: „Reste davon befinden sich, zusammen mit antibiotikaresistenten Keimen, auf den Schlachtkörpern, das ist durch Stichproben in Supermärkten belegt.“ Daher könnten Antibiotikareste aus dem Schlachthof ins Abwasser eindringen.

Goldbach Gudensberg: Immer noch keine Wasserproben entnommen

Laut Plukon-Geschäftsführer Frank Grundl beträgt die Menge des abgeleiteten Abwassers 650 Kubikmeter am Tag. „Das sind erhebliche Mengen“, sagt Häusling. Aufgrund von bisher fehlenden Proben können die Risiken, die mit einer Belastung von Antibiotikaresten und antibiotikaresistenten Keimen einhergehen, noch nicht aus dem Weg geräumt werden.

Jetzt formuliert Häusling Aufforderungen: Die Stadt Gudensberg solle den Bach zum Schutz, vor allem für Kinder, absperren lassen. Andernfalls fehle hier deutlich ein Bewusstsein für die enormen Risiken, die von antibiotikaresistenten Keimen im Abwasser ausgehen könnten.

Gudensberg Bürgermeisterin Sina Best empfindet Forderung als unverhältnismäßig

„Diese Forderung ist unverhältnismäßig. Der Goldbach hat eine Länge von fünf Kilometern, beidseitig müssten wir also zehn Kilometer Zaun aufstellen“, sagt Gudensbergs Bürgermeisterin Sina Best.

Außerdem seien nicht alle Grundstücke rund um den Goldbach im städtischen Besitz. Somit müssten private Grundstücksbesitzer mit einbezogen werden. „Meines Erachtens sollten sich die zuständigen Behörden einigen, wer nun endlich mal Wasserproben entnimmt“, ergänzt Best. Bisher seien alles nur Spekulationen. Es sei gar nicht bewiesen, dass multiresistente Keime in den Goldbach geleitet würden. „Ich finde es bedauerlich, dass sich gegenseitige Schuldzuweisungen hin und her geschoben werden“, so Best.

Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen) fordert RP Kassel auf, endlich Proben aus Goldbach zu nehmen

Häusling fordert: „Auch das Regierungspräsidium Kassel sollte, auch wenn keine gesonderte Verordnung zu diesem Fall vorliegt, dringend handeln und die Sachlage ausreichend prüfen.“ Das RP war für eine kurzfristige Stellungnahme nicht zu erreichen.

„Wichtig für den Geflügelschlachthof wäre, seine Abwasserreinigung zu modernisieren“, so Häusling. Zum Beispiel könnten betriebliche und kommunale Kläranlagen mit einer zusätzlichen nachgeschalteten Reinigungsstufe mit Ozon- und Biofiltrationsverfahren die Belastung ihrer Abwässer mit organischen Stoffen und kritischen Spurenstoffen erheblich reduzieren, so das Umweltbundesamt. Plukon in Gudensberg verfügt laut Grundl bereits über eine betriebliche Kläranlage, die neben den üblichen drei Reinigungsstufen einen nachgeschalteten Sandfilter besitzt. Diese vierte Reinigungsstufe „Sandfilter“ reduziere nicht nur die Emissionen von Stoffen, sondern auch von antibiotikaresistenten Keimen. (Cora Zinn)

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