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Plukon will alle Keime töten – Genehmigung für Ozonanlage steht aber noch aus

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Von: Cora Zinn

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Das Abwasser-Thema der Firma Plukon aus Gudensberg schlägt weiter hohe Wellen.
Die Diskussion um das Abwasser der Firma Plukon aus Gudensberg schlägt weiter hohe Wellen. © Peter Zerhau

Der Gudensberger Geflügelschlachthofbetrieb Plukon wartet auf eine Genehmigung für eine Ozonanlage. Damit will die Firma alle Keime im Abwasser vernichten.

Gudensberg – Seit Ende Juni steht der Gudensberger Geflügelschlachthofbetrieb Plukon in der Kritik. „Wir können nichts dagegen tun“, sagt Geschäftsführer Frank Grundl. Für den Anfang aller Diskussionen sorgte eine öffentliche Bauausschusssitzung, an der auch Grundl teilnahm. Das Thema: Plukon darf ab März 2025 seine Abwässer nicht mehr in den Goldbach einleiten. Das Regierungspräsidium Kassel (RP) hatte eine Verlängerung der aktuellen Genehmigung abgelehnt.

„Diese Nachricht verbreitete sich ganz schnell. Auch in der Gemeinde Edermünde sorgte sie für Zündstoff“, sagt Grundl. Denn: Da es keine Genehmigung mehr gibt, muss schnell gehandelt und eine Alternative gefunden werden. Dafür hatten sich Grundl und Mitarbeiter der Firma agc Abfallwirtschaft aus Kassel zeitnah zusammengesetzt.

Plukons Geschäftsführer will die Bevölkerung beruhigen: Es müsse sich niemand Sorgen machen

Als Alternative wird eine Abwasserdruckleitung direkt in die Eder vorgeschlagen. Doch dafür müsste eine Trasse gelegt werden – eben auch durch die Gemeinde Edermünde. „Es musste alles so schnell gehen. Es war ein Fehler, die Edermünder nicht direkt zu informieren“, räumt Grundl jetzt ein.

Dennoch ist der Geschäftsführer nach wie vor davon überzeugt: Es müsse sich niemand Sorgen machen. Denn selbst wenn das Abwasser ab 2025 in die Eder eingeleitet werden sollte, kämen auch dort keine multiresistenten Keime und/oder Antibiotikarückstände in das Wasser, weil Plukon mit seiner Kläranlage und einem zusätzlichen Sandfilter am Ende stark geklärtes Wasser einleite. Außerdem sei die Eder vom Volumen her viel größer als der Goldbach. Das Plukon-Abwasser werde in der Eder deutlich verdünnt, erklärt Grundl.

Plukon in Gudensberg will Ozonanlage testen – Dafür braucht Firma aber Genehmigung vom RP Kassel

Der Geschäftsführer habe sich in den vergangenen Wochen intensiver mit Kläranlagen beschäftigt. Daraufhin hat Grundl einen Antrag ans RP gestellt, weil der Gudensberger Geflügelschlachthofbetrieb eine zusätzliche Ozonanlage austesten möchte. „Die ist dafür da, um Keime komplett abzutöten“, sagt er. Um die Bevölkerung zu beruhigen, würde Plukon in solch eine Anlage investieren. Dafür stehe aber noch eine Antwort des Regierungspräsidiums aus.

Eine Ozonanlage sorge für die Oxidation des Wassers durch hochwirksames Ozon. Dadurch sei es möglich, besonders resistente Viren und Bakterien abzutöten. Grundl verweist immer wieder auf andere Kläranlagen, die viel mehr mit Antibiotikaresten zu kämpfen hätten. Zum Beispiel seien Abwässer von Kliniken viel verunreinigter als das von Plukon. „Wir haben keine schlechten Werte“, sagt Grundl. Er betont: „Wir wissen, was wir einleiten.“

Außerdem überprüfe das RP vier Mal im Jahr unangemeldet das Klärwerk in Gudensberg. Auch die Werte der täglichen internen Proben würden überprüft. Dass das RP nur vier Mal im Jahr vorbeikäme, sei ein Zeichen für eine gute Kläranlage, so seine Bewertung. (Cora Zinn)

27 Niederlassungen

Die Plukon Food Group ist nach eigenen Angaben einer der größten Anbieter auf dem europäischen Geflügelfleischmarkt. Plukon hat 27 Niederlassungen in sechs Ländern, in Deutschland ist Plukon mit fünf Standorten vertreten, eine davon in Gudensberg mit etwa 360 Mitarbeitern. Das Geflügel wird unter anderem unter den Markennamen Stolle, Friki und Faimast vertrieben. 2019 wurden in dem Gudensberger Betrieb über 28 Millionen Hühner verarbeitet. Die ganze Gruppe verarbeitet wöchentlich neun Millionen Hühner. 

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