1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fritzlar-Homberg
  4. Gudensberg

RP: Keime spielen keine Rolle – Plukon-Abwasser wird nicht auf Arzneistoffe kontrolliert

Erstellt:

Von: Maja Yüce, Cora Zinn

Kommentare

Auf dem Bild ist ein Bach zu sehen.
Bis 2025 wird das Abwasser von Plukon in den Goldbach (Foto) eingeleitet. © Cora Zinn

Das Regierungspräsidium (RP) Kassel erklärt sich zur Thematik rund um die Abwassersituation der Firma Plukon aus Gudensberg.

Gudensberg/Kassel – In der Diskussion um das Abwasser von Plukon in Gudensberg, dem größten Geflügelschlachthof in Hessen, steht auch das Regierungspräsidium (RP) Kassel in der Kritik. Es ist für die Untersuchung des Abwassers zuständig, überprüft dies aber nicht auf mögliche Antibiotikarückstände oder antibiotikaresistente Keime. Unter anderem hatte der Grüne Europaabgeordnete Martin Häusling (Bad Zwesten) gesagt, dass dies „völlig unverständlich“ sei.

Er gehe davon aus, dass in dem von der Firma vorgeklärten Abwasser, das derzeit noch über den Goldbach in die Eder und dann in die Fulda fließt, antibiotikaresistente Keime seien.

Für das RP bestehe kein Handlungsdruck

Das RP ist für die Kontrolle des Plukon-Abwassers zuständig. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie – die in deutsches Recht umgesetzt wurde – schreibe aber die Untersuchung bezüglich Antibiotika im Abwasser nicht vor, erklärt das RP auf HNA-Anfrage. Es würden zwar Grenzwerte für Schadstoffe vorgegeben, die in den Oberflächengewässern nicht überschritten werden dürften, doch beträfen diese diverse Industriechemikalien und Pflanzenschutzmittel. „Arzneistoffe fallen bisher nicht unter den Begriff des Schadstoffes. Arzneistoffe, wie zum Beispiel Antibiotika, werden bisher nur auf einer Beobachtungsliste geführt.“ Sodass die Keimbelastung keine Rolle spiele. „Diese unterliegen nicht dem Gewässerschutz, sondern dem Gesundheitsschutzrecht.“ Da es keine verbindliche Regelung für Arzneistoffe inklusive Antibiotika im Wasserbereich gebe, überprüfe man das Plukon-Abwasser nicht darauf. Es bestehe kein Handlungsdruck.

Wasserqualität im Schwalm-Eder-Kreis hat sich in vergangenen Jahren verbessert

Die Veterinäre des Gesundheitsamtes des Schwalm-Eder-Kreises entnehmen täglich Fleischproben bei Plukon, die dann unter anderem zum Beispiel auf Antibiotikarückstände sowie auch auf multiresistente Keime untersucht würden. Bislang seien dort keine nennenswerte Rückstände oder Keime im „Rohprodukt“ Fleisch gefunden worden, die eine detailliertere Suche im Abwasser erforderlich gemacht hätten. Trete dieser Fall ein, wäre das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie für die Untersuchung auf Keime an der Mündung des Goldbachs zuständig.

Die Wasserqualität im Landkreis sowie in den anderen nordosthessischen Kreisen habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich und deutlich verbessert, so das RP. Es gebe aber überall noch genug zu tun. (Maja Yüce und Cora Zinn)

Auch interessant

Kommentare