Stadt stellt Aktionsprogramm auf

Sicherheitsgefühl in Gudensberg ist gesunken

Ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche in der Gudensberger Untergasse. Die Stadt hat dort jüngst Laternen aufgestellt.
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Ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche in der Gudensberger Untergasse. Die Stadt hat dort jüngst Laternen aufgestellt.

Gudensberg will das Sicherheitsempfinden der Einwohner stärken. Das ist die Reaktion auf eine Bürgerbefragung in der Stadt, laut der sich die Gudensberger nachts nicht sicher fühlen.

Gudensberg – Das Sicherheitsgefühl der Gudensberger hat einer Untersuchung der Universität Gießen zufolge in den vergangenen zwei Jahren deutlich abgenommen. 32 Prozent der Befragten (knapp 1000 Gudensberger) gaben an, dass sie sich vor allem nachts nicht mehr sicher fühlten. Um das zu ändern, investiert die Stadt zunächst 20 000 Euro.

Die größte Angst hätten die Befragten demnach vor Wohnungseinbrüchen, Diebstählen und Raub. Auch die Angst vor Pöbeleien sei groß, weshalb sich einige Gudensberger selbst schützen wollen und sich ein leichter Trend zur Selbstbewaffnung abzeichnet wie aus der Befragung hervorgeht. Neun Prozent gaben an, dass sie Reizgas mit sich führen würden.

Bürger fürchten sich in der Gudensberger Altstadt vor dunklen Ecken

Problemorte seien vor allem im Innenstadtbereich zu finden, erklärt Börner. „Insbesondere in der Altstadt gibt es dunkle Ecken, die schlecht beleuchtet sind.“ Beispielhaft nennt er dort den Spielplatz am alten Pfarrhaus und den Rundweg zur Obernburg. Auch der Edeka-Parkplatz, die Breslauer Straße, der Stadtpark, der Schwimmbadparkplatz sowie die Bushaltstelle an der Gesamtschule sind als unsichere Orte genannt worden.

Das will die Stadt ändern und hat dafür einen Plan in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald, dem Integrationsbeauftragten, dem Verein „Mach Mit“ und der Polizei auf den Weg gebracht. Nun soll die Stadt etwa einen Schutzmann vor Ort bekommen (HNA berichtete). Die Veranstaltungsreihe „Miteinander in Gudensberg“ ist ebenfalls ein Baustein. Schwerpunkt liege auf der Integration. Auch soll ein Streetworker eingestellt werden. Mehr Straßenlicht und die Verkehrssicherheit spielen laut Stadtverwaltung auch eine Rolle. Schließlich sind Verkehrsaktionstage und die Neugestaltung der Fußgängerzone geplant.

Gudensberger sorgen für gute Quote 

Die anonyme Befragung zum Sicherheitsempfinden wurde von einem Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Britta Banneberg vom Lehrstuhl für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug an der Justus-Liebig-Universität Gießen geleitet. Etwa ein Drittel der Gudensberger ab 14 Jahren (3690 Personen) wurde per Zufallsauswahl angeschrieben. Die Teilnahme war freiwillig. Knapp 1000 Gudensberger beteiligten sich, bislang die höchste Rücklaufquote bei Umfragen im hessenweiten Kompassprojekt. Dabei war der Frauen- und Männeranteil annähernd gleich. 

Mehr Sicherheit in Gudensberg: Aktionstage fürs Zusammenleben

Die Gudensberger fühlen sich bei Nacht nicht mehr so sicher wie noch vor einigen Jahren. Unsicherheit entsteht offenbar durch Straßenverkehr, illegale Abfallentsorgung und schlechte Beleuchtung. Die Probleme will die Stadt nun angehen, wie Gudensbergs Bürgermeister Frank Börner erklärt.

Problemorte in Gudensberg

Generell – so das Ergebnis der Befragung – würden sich 92 Prozent der Befragten tagsüber in Gudensberg sicher fühlen. Das Gefühl nehme allerdings rapide nachts und vor allem in der Kernstadt ab. Heruntergekommene Gebäude, Vandalismus, Ruhestörung und Verunsicherung durch ausländische Bewohner und Jugendliche würden zu diesem schlechten Sicherheitsempfinden beitragen.

Die Befragten haben zum Teil angegeben, dass sie einige Orte meiden. Als Beispiel nennt Börner die Untergasse in der Nähe der Metzgerei Rennert. „Die Stelle war schlecht beleuchtet und war wegen einer Sitzbank abends und nachts oft Treffpunkt für Jugendliche“, erklärt der Bürgermeister.

Jüngst hat die Stadt dort eine zusätzliche Beleuchtung installiert. „Die Bank wird nicht mehr so oft in den Abendstunden von gewissen Gruppierungen besucht“, sagt Börner. Der Emspark in Obervorschütz, der Sportplatz in Maden sowie der Weg zur Bushaltstelle von Dorla sind als problematisch wegen ihrer schlechten Beleuchtung aufgefallen. Konkrete Problemorte in Dissen, Deute, Gleichen seien nicht genannt worden.

Was die öffentlichen Verkehrsmittel angeht, so würde es weitestgehend keine Bedenken geben. Nur neun Prozent hätten schlechte Erfahrungen in Form von unangenehmen Zwischenfällen bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel erlebt.

Stadt Gudensberg arbeitet an der Problembehebung

Die Stadt Gudensberg reagiert nach eigenen Angaben auf die Probleme und hat einen Katalog mit konkreten Investitionen entwickelt:

- Die städtische Jugendpflege soll verstärkt werden, durch einen Streetworker, dessen Arbeit am 1. Februar bereits startet. Er soll insbesondere einen Zugang zu den Jugendlichen finden, die von der Bevölkerung häufig als „angsteinflößend“ wahrgenommen werden, so der Bürgermeister.

- In Kooperation mit der Polizei soll in Gudensberg ein Schutzmann vor Ort etabliert werden (HNA berichtete).

Präventionsveranstaltungen und Seminare

- Präventionsveranstaltungen zu verschiedenen Themen sollen zweimal im Jahr stattfinden.

- Weitere Seminare wie „Gewalt-Sehen-Helfen“, um in einer Gewaltsituation Hilfe zu leisten sind geplant, wie auch das Altstadtgeschnuddel, um das Konfliktpotenzial in der Altstadt zu kanalisieren.

- Durch ein neues multifunktionales Begegnungszentrum und die Verbesserung der Beleuchtung am Schlossbergrundweg sowie am Spielplatz Breslauer Straße soll die Sicherheit ebenfalls verbessert werden.

Auch der Verkehr soll sicherer werden

- Kontrollen in der Fußgängerzone seien bereits im Sommer für eine bestimmte Dauer erhöht worden. Zudem sollen Verkehrsaktionstage stattfinden, bei denen das Parkverhalten und die Anschnallpflicht an Kindertagesstätten und Schulen unter die Lupe genommen werden.

- Die Fußgängerzone rund um das Rathaus soll neu gestaltet werden, sodass eine erkennbare und nutzbare „Platzsituation“ entsteht. Die Planungen sollen 2022 beginnen.

- Die Verkehrsführung soll nachhaltig verbessert werden. Die Daten der Verkehrszählung von Oktober werden aktuell ausgewertet.

Von Linett Hanert

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