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WM-Fieber bleibt diesmal aus: Fußballfans Ilona und Jürgen Finster boykottieren die WM in Katar

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Von: Cora Zinn

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In diesem WM-Jahr bleibt ihnen nur die Fanliebe zur SG Eintracht Frankfurt: Ilona und Jürgen Finster aus Gudensberg boykottieren die WM in Katar und werden daher kein einziges Spiel in Schwarz-Rot-Gold schauen.
In diesem WM-Jahr bleibt ihnen nur die Fanliebe zur SG Eintracht Frankfurt: Ilona und Jürgen Finster aus Gudensberg boykottieren die WM in Katar und werden daher kein einziges Spiel in Schwarz-Rot-Gold schauen. © Peter Zerhau

Familie Finster aus Gudensberg dekoriert ihr Haus in diesem Jahr nicht mit schwarz-rot-goldenen Fahnen.

Gudensberg – Im Hause Finster in Gudensberg hat sich kurz vor einer Weltmeisterschaft immer alles um den Fußball gedreht. Jetzt, zum WM-Start in Katar, sieht es ganz anders aus. Jürgen und Ilona Finster boykottieren die WM im Wüstenstaat: „Ich schaue kein einziges Spiel, weil ich die Umstände vor Ort verachte“, sagt Jürgen Finster deutlich.

Seine Frau Ilona stimmt dem klaren Statement zu. Das Haus in der Fritzlarer Straße wird diesmal also nicht voller Fahnen, schwarz-rot-gelben Wimpel und Girlanden geschmückt sein.

Ehepaar Finster aus Gudensberg lässt WM-Artikel in Kartons im Keller stehen

Sowieso sei in diesem Jahr alles anders: Finster, der leidenschaftlicher Fan der Frankfurter Eintracht ist, hat an der Arbeit keinen Urlaub beantragt, sich nicht mit Freunden zum Public Viewing verabredet – und eben auch nicht sein gesamtes Haus geschmückt.

„Schwarz-rot-gelbe Fahnen, Schals, Wimpel, Girlanden und Windrädchen bleiben in Kartons verpackt im Keller stehen“, sagt Ilona Finster. Stattdessen hat ihr Mann ein Banner am Balkon befestigt, auf dem geschrieben steht: „Wegen der menschenwürdigen Arbeitsbedingungen beim Bau der WM-Stadien fällt die Deko zur WM 2022 aus“.

Jürgen Finster tröstet sich mit der Fanliebe zur Frankfurter Eintracht

Dieser ist in der Fritzlarer Straße gut zu sehen – die Finsters wohnen gegenüber des katholischen Gemeindezentrums. „Ich bin schon oft darauf angesprochen worden und die meisten teilen meine Meinung“, so Jürgen Finster.

Finsters Fußballherz werde in den nächsten vier Wochen leiden, aber er bringe es einfach nicht übers Herz, die Fußballspiele zu gucken und somit die WM zu unterstützen: „Dort sind Menschen beim Bau der Stadien gestorben. Das ist nicht tragbar.“ Zur WM 2018 hätte sich Finster mit Arbeitskollegen und Freunden Wochen vor dem Eröffnungsspiel gemeinsam hingesetzt und getippt. Davon sei in diesem Jahr auch keine Spur zu sehen gewesen. „Es herrscht einfach keine Euphorie“, so Finster.

Ehepaar Finster sind aber die nächsten EMs und WMs wieder dabei

So würden die nächsten vier Wochen „sehr langweilig“ für den Fußballfan werden. Doch im Gespräch kommt seiner Frau Ilona eine Idee: „Vielleicht kaufe ich ihm einfach ein Puzzle von Eintracht Frankfurt“, sagt sie und bringt ihn damit zum Lachen. Die Fanliebe zur Frankfurter Eintracht sei das Einzige, was ihn bis zum Bundesligarückrundenstart am 20. Januar 2023 über den Winter bringen würde.

Dennoch sagen die Finsters, sie seien zur nächsten Fußball-Weltmeisterschaft oder eben -Europameisterschaft wieder an Bord: „Sobald es eine ‘normale’ Veranstaltung ist, bin ich dabei. Aber eine WM in einem Land, wo Menschenrechte nichts wert sind, kann ich mir nicht ruhigen Gewissens anschauen“, so Jürgen Finster. Sowieso sei bislang kein WM-Fieber bei ihm und seinen Freunden aufgekommen. „Viele haben mich vorab gefragt, wie ich mein Haus diesmal dekorieren werde“, so Finster.

Jürgen Finster hat die Vorliebe für Dekoration von seiner Mutter geerbt

Die Vorliebe für Dekoration habe Finster von seiner Mutter übernommen, die früher Heimatfeste so schön dekoriert hätte. „Es steckt also in den Genen“, sagt Ilona Finster. Doch Jürgen Finster verspricht, für die EM 2024 in Deutschland lasse er sich wieder etwas Schönes einfallen.

„Dann wird er wieder jeden Tag mit einer neuen Idee um die Ecke kommen“, ist sich Ilona Finster sicher. Er kaufe eben Fahnen, Girlanden und sonstige Fanutensilien, während sie lieber Handtaschen und Klamotten shoppe. „Das ist bei uns völlig normal“, sagt der 60-Jährige. Doch diese Normalität setze in diesem Jahr ein Mal aus – wenn auch schweren Herzens. (Cora Zinn)

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