Von Kabarett bis Jazzmusik

Gudensberger Kellerkonzerte sind ein Erfolgsrezept

Das Thema Gesundheit birgt viel Kabarettistisches: Das Kasseler Organtheater unterhielt die Gäste im Löwensteinkeller aufs Beste. Fotos: Michael Meinicke

Gudensberg. Am Vorabend des Tages des offenen Denkmals waren historische Räume in Gudensberg für kulturelle Veranstaltungen geöffnet.

Die Gudensberger lachen oft und gern. Manchmal gehen sie dafür in den Keller, wie am vergangenen Wochenende. Da wurden der Keller Giese und der Löwensteinkeller fürs Publikum geöffnet. Zur Abwechslung ging es aber auch ganz nach oben in die ev. Stadtkirche St. Margarethen und ins Kulturhaus Synagoge.

Schon lange vor Beginn lockten Andreas Olbrich und Welf Kerner die Menschen in den Löwensteinkeller. Mit Gitarre und Akkordeon gab es California-Dream-Songs, während daneben aus großem Kessel köstliches Chili dampfte. Eigentümer Marko Kunz öffnete die Tür nach unten, Tochter Tabea und Marlies Henke starteten die Bar im Gewölbe.

Dann begann das Kasseler Organtheater mit dem Stück: Organverzagen. „Reiben Sie den eigenen und dann den Bauch der Nachbarin“ war ein Gesundheitstipp, der etwas zögerlich befolgt wurde. „Gut gekaut ist halb verdaut“ lief schon besser. Dann nahm beim Thema Gesundheit das Lachen kein Ende mehr.

Nur scheinbar ernster lief es in der einige Treppenstufen höher liegenden Kirche ab. Franz Josef Strohmeier mühte sich, seine Nöte und Träume zum Kontrabass und der heimlichen Liebe zu Sarah den Lauschenden näher zu bringen. Eigentlich wollte er sich nur einen Namen machen. Klein und in aller Bescheidenheit. Doch längst ist er mit dem Stück von Patrick Süskind berühmt.

Die Kirchenbesucher wanderten lachend hinüber in den Keller Giese. Seit 14 Jahren öffnen ihn Anne und Dieter Giese für die Kultur, ebenso die gegenüberliegende, kleinste Privatkneipe. Als würden die Dinge mitwirken, strahlte der Garten dazu zauberhafte Romantik aus.

Das passte in die Zeit, die Sabine Wackernagel lebendig werden ließ. Christiane Vulpius als Goethes Geliebte, die von Neidern toll gewordene Blutwurst oder auch rundes Nichts benannt wurde. Doch alles prallte von dieser tapferen Persönlichkeit ab.

Wie immer ein besonderer Kunstgenuss ist allein der Zugang zur restaurierten Synagoge. Erst recht, wenn wie an diesem Abend Jan Luley am Piano zu erleben war. Virtuos groovte er durch den Sound des alten New Orleans. Immer mit kleinen Geschichten dazwischen, wie von der Milch/Whisky-„Diät“. Da wärmten die Southern Nights von Allen Toussaint, und natürlich gab es keine Beerdigung ohne Oh when the saints. Was Jan Luley bot, war keine Barmusik, sondern hochklassiger Jazz. Keinesfalls als Pausenfüller, sondern von hoher Qualität geprägt spielte draußen die Bigband Haddamar.

Die Stadt und alle Beteiligten verschenkten mit diesem Abend etwas Besonderes. Hervorragend gelang es, Schätze wie Fachwerk, Traumgärten, Keller, Kirche und Kultur miteinander zu verbinden. Derartige Ereignisse lassen das schöne Gudensberg ans Herz wachsen.

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