Gute Ernte in hartem Jahr

Helfer sammeln rund fünf Tonnen Weintrauben bei Dissen

Bei der Weinlese in Dissen: Familie Liebal aus Obervorschütz. Von links Peter, Sabine, Maya und Annika Liebal mit Silke Lange, Nachbarin von Minkel.
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Bei der Weinlese in Dissen: Familie Liebal aus Obervorschütz. Von links Peter, Sabine, Maya und Annika Liebal mit Silke Lange, Nachbarin von Minkel.

Während es am Böddiger Berg wegen schwerer Frostschäden keine öffentliche Weinlese geben wird, ernteten am Sonntag am nur wenige Kilometer entfernten Scharfenstein und am Neuselsberg bei Dissen 60 Helfer rund fünf Tonnen Trauben.

Laut Landwirt Klaus Minkel wäre noch mehr möglich gewesen. „Zehn Prozent der Weinstöcke sind leer”, sagte der Diplom-Agraringenieur.

„Hier wurde vermutlich gestohlen, denn beim letzten Kontrollgang war noch alles in Ordnung”. Dennoch zog Minkel eine positive Bilanz: „Ich bin zufrieden in einem schwierigen Jahr.”

Im Vorjahr war die Ernte so gut, dass Minkel im Frühjahr über 3000 Flaschen süßen und feinfruchtigen Wein anbieten konnte. Wie viele Flaschen es diesmal werden, kann er noch nicht sagen. Die Trauben kamen über Nacht in eine Kühlung in Lohre und wurden inzwischen zur Verarbeitung ins Weingut Lahm in Nack bei Alzey gebracht.

Auf einer Fläche von 6100 Quadratmetern baut Minkel die Rebsorten Solaris, Cabernet Blanc und Pinotin an. Diese Piwi-Reben gelten als besonders widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten.

Das Interesse an der Weinlese war groß. Nach einem Aufruf in der HNA meldeten sich so viele Natur- und Weinfreunde, dass Minkel auf seiner Internet-Seite schrieb, dass er genug Helfer habe. Zu ihnen gehörten Sabine und Peter Liebal aus Obervorschütz mit ihren 15-jährigen Zwillingstöchtern Maya und Annika. „Es macht Spaß, auch wenn die Sonne nicht scheint, Hauptsache, es regnet nicht”, sagte die Familie. Am 9. und 10. Oktober will sie bei der Weinlese im Ahrtal helfen. Peter Liebal, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und war für das DRK Hessen im Flutgebiet im Einsatz. Dort erfuhr er, dass auch die Winzer im Ahrtal Erntehelfer benötigen.

„Die Weinlese hat uns sehr viel Spaß gemacht”, sagten Martina und Mathias Günter aus Kirchhof. Während ihrer Jugend hatten sie schon mal bei einer Weinlese im Odenwald geholfen. Der Wunsch nach einem Einsatz am Böddiger Berg habe sich leider noch nicht erfüllt. So erging es auch Carsten Weber aus Felsberg. Am Scharfenstein war er jedoch mit von der Partie. „Diese Weinlese ist gut organisiert und es ist schön, mit Menschen zusammenzukommen, die sich für Wein interessieren”, sagte er.

Am Böddiger Berg wird es „nur eine ganz eingeschränkte Weinlese” geben. So formulierte es Klaus Stiegel, Vorsitzender des Fördervereins Böddiger Berg. Als Folge schwerer Frostschäden werde man maximal 500 Kilogramm Trauben ernten. Im Vorjahr waren es rund 3000 Kilogramm, in guten Jahren 7000 bis 9000 Kilogramm von etwa 4500 Weinstöcken. Im Winter wurden im Kreis Tieftemperaturen von minus 24 Grad gemessen, Klaus Minkel registrierte auf seinem Hof in Dissen minus 23 Grad. Im Böddiger sollen über 1000 Weinstöcke erfroren sein. Minkels Vorteil: Der gute Kaltluft-Abfluss auf seinen Flächen habe Frostschäden vermieden und nun für eine gute Ernte gesorgt. (Manfred Schaake)

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