Terrier hat ein neues Zuhause im Schwalm-Eder-Kreis

Süßer Welpe ist ein Zwitter - und es gibt noch mehr intersexuelle Tiere

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Kleiner Liebling: Der neun Wochen alte Welpe Yannie wurde in Homberg vermutlich ausgesetzt, weil er ein Zwitter ist.

Ein süßer Jack-Russel-Welpe hat die Herzen nicht nur unserer Leser erobert. Ausgesetzt worden war der Terrier in Homberg vermutlich, weil er ein Zwitter ist. Gibt es wirklich intersexuelle Hunde?

Auf die schlimmsten Wochen seines noch jungen Lebens folgte für Hund Yannie ein vorläufiges Happy End. Mit gerade einmal neun Wochen wurde der süße Jack-Russell-Welpe von seinen Besitzern ausgesetzt - vermutlich weil er ein Zwitter ist. Gefunden wurde er an einer Bushaltestelle in Homberg. Erst vor einer knappen Woche machte das Tierheim Felsberg-Beuern, wo der Vierbeiner abgegeben wurde, Yannies Geschichte öffentlich und suchte ein neues Frauchen oder Herrchen für ihn.

Nun hat der Terrier als Zweithund bei einer Frau im Schwalm-Eder-Kreis ein neues Zuhause gefunden. Viele unserer Leser, die Anteil an Yannies Schicksal genommen haben, fragen sich trotzdem: Wie kann es sein, dass ein Hund ein Zwitter ist? Selbst Experten staunen über den seltenen Fall.

Als Mitarbeiter des Tierheims den Hund untersuchten, der unter einer massiven Darmverstopfung litt, machten sie eine überraschende Entdeckung. "Er sah aus wie ein Weibchen, aber in der Scheide war ein Penis", sagt Leiterin Nicole Reubert: "So etwas hatten wir zum ersten Mal." Haben die Besitzer Yannie ausgesetzt, weil er ein Zwitter ist? Ausgeschlossen ist das nicht. Es kann sein, dass sich in den nächsten Monaten ein Geschlecht durchsetzt. Es ist aber auch möglich, dass Yannie deswegen operiert werden muss.

Dieses Video ist ein Inhalt der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Selbst in einer größeren Tierklinik wie bei AniCura Kassel ist so etwas äußerst ungewöhnlich. Geschäftsführerin Dr. Barbara Arnholz erinnert sich lediglich an eine dreifarbige Katze aus Spanien, die weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale hatte: "Zwitter bei Katzen und Hunden sind extremst selten."

Beliebt sind sie schon gar nicht. Hans Evers, der im Gudensberger Stadtteil Obervorschütz Jules Hundeschule betreibt, glaubt, dass mancher Züchter in einem solchen Fall noch Schlimmeres macht, als ein Tier auszusetzen: "Die bringen die heimlich um, denn man will genetisch einwandfreie Tiere haben."

Der Hundetrainer hält nichts davon, Tiere zu vermenschlichen. Darum kann er nicht viel mit dem Begriff der Rüdin anfangen. In einschlägigen Blogs werden so Hunde bezeichnet, die Verhaltensmuster von Weibchen und Rüden aufweisen - etwa ein Weibchen, das beim Pinkeln das Bein hebt. Der oder die Rüdin hätte also wie ein intersexueller Mensch das dritte Geschlecht. "Man kann nicht alles auf Tiere übertragen", sagt Evers.

Zwitter in der Tierwelt

Allerdings: Während sich intersexuelle Menschen seit vorigem Jahr auf das Grundgesetz berufen können, gibt es Zwitter in der Tierwelt schon seit Millionen Jahren. Landlungenschnecken etwa verfügen über männliche und weibliche Organe, andere Schneckenarten sind in der Lage, ihr Geschlecht im Lauf des Lebens zu ändern. Korallen geben gleichzeitig Spermien und Eizellen ab. Und Regenwürmer befruchten sich mit von zwei Tieren abgegebenen Spermien gegenseitig.

Anders als bei Terrier Yannie aus dem Tierheim Beuern gibt es für viele Zwitter jedoch kein Happy End. Wissenschaftler berichten von Vergewaltigungen im Tierreich: Australische Schnecken narkotisieren andere Tiere, um ihre Spermien zu verbreiten. Und kalifornische Schnecken beißen Artgenossen den Penis ab, damit diese fortan Weibchen sind.

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