Bürgermeisterwahl

„Ich bin nicht stallblind“: Dr. Karsten Heyner tritt als unabhängiger Kandidat in Gudensberg an

Dr. Karsten Heyner sitzt in seinem Stall in Dorla am Laptop.
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Dr. Karsten Heyner aus dem Gudensberger Stadtteil Dorla will Bürgermeister von Gudensberg werden. Als Ort für das Treffen mit der HNA hat er sich seinen Hof in Dorla ausgesucht – seinen Lieblingsplatz.

Hätte die Gudensberger Bürgermeisterwahl zeitgleich mit der Bundestagswahl stattgefunden, wäre Dr. Karsten Heyner jetzt vermutlich nicht einer von drei Bürgermeisterkandidaten.

Gudensberg - Der eigens anberaumte Wahltermin am Sonntag, 7. November, wird die Stadt nun knapp 12.000 Euro zusätzlich kosten. „Es ist eine Frechheit, dass wir das Geld in den Sand setzen“, sagt Heyner. Nur einer von mehreren Punkten, über die er sich – wie viele Gudensberger – in den vergangenen Monaten geärgert habe.

Die Unzufriedenheit habe sich auch in den Ergebnissen der Kommunalwahl vom März gespiegelt. Dabei haben die etablierten Parteien in Gudensberg deutlich an Stimmen verloren. In der Stadt laufe derzeit einiges nicht so rund. „Ob es um neue Baugebiete, den Lkw-Verkehr, um Gewerbehallen, die Wohnsituation in der Altstadt, Integration oder die Trägerschaft der Kindergärten geht, man muss die Leute besser informieren.“

In den mehr als zehn Jahren als Ortsvorsteher von Dorla sei er von einem eher unpolitischen zu einem gesellschaftspolitischen Menschen geworden. Heyner, der lieber ohne seinen Doktortitel angesprochen werden will, beschreibt sich als einen Mann der klaren Worte. „Ich bin nicht der größte Diplomat und sage, was ich für richtig halte“, so der 55-Jährige. Das sei dann immer ehrlich. Ihm seien menschliche Grundwerte wichtig, betont er.

Und schon ist er bei den klaren Ansagen: Die Kommunikation aus dem Rathaus müsse transparenter werden. „Man kann nicht jede Entscheidung zum Volksentscheid machen, aber die Menschen müssen wissen, um was es geht und warum die Entscheidungen so und nicht anders getroffen wurden.“ Diese Informationen vermissten viele – in der Stadt und in den Dörfern. Er könne als Bürgermeister vermutlich auch nicht alles anders machen, aber durchaus für mehr Konsens sorgen, davon ist Heyner überzeugt.

Die Vereinsarbeit funktioniere gut und das spreche auch für den Zusammenhalt der Menschen. Deshalb glaubt er auch daran, dass der Viehmarkt wiederbelebt werden könne. Außerdem brauche die Kernstadt so etwas wie einen Ortsbeirat – als Bürgervertretung. Natürlich dürften sich auch die Stadtteile nicht abgehängt fühlen.

Für das Bürgermeisteramt müsse man kein Politiker sein, sondern ein Mensch, der es versteht, die Menschen mitzunehmen: „Ich bin überzeugt, dass ich das kann.“ Er sei an einem Punkt in seinem Leben, an dem er das Gefühl habe, nochmal etwas anderes zu machen. Das bedeute aber nicht, dass er unzufrieden sei. „Es ist ein Glück, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Ich mache meine Arbeit mit Überzeugung“, sagt Heyner, der Landwirt und Musiker (Dirigent) ist. Und das würde er auch als Bürgermeister tun – für ganz Gudensberg, fügt er an. Denn auch wenn er rund 800 Schafe habe, eines sei er nicht: „Ich bin nicht stallblind.“ Als unabhängiger Kandidat sei es ihm wichtig, mit allen Fraktionen ins Gespräch zu kommen. „Es geht mir immer um die Sache, nicht um die Partei.“ Schon jetzt sei sein Leben durch die Verbindung von vielen Einflüsse geprägt – als Schäfer, Musiker, Familienvater.

Als Bürgermeister müsse er dann aber für die Schäferei eine andere Lösung finden und die Leitung der Orchester Schwalmstadt, Melsungen, Niedermöllrich und Besse abgeben. Das habe er bereits vor seiner Kandidatur mit den Musikern besprochen. „Sie unterstützen meine Pläne. Dafür bin ich dankbar“, sagt er. „Ich werde nie ganz ohne Schafe und auch nie ohne Musik leben können.“

Unterstützt wird er bei seiner Kandidatur von seiner Frau, den drei Kindern und von Freunden. Die Bürgerliste Gudensberg hat erklärt, dass sie hinter Heyner steht.

Dass in Gudensberg nun drei Kandidaten die Nachfolge von Amtsinhaber Frank Börner (SPD) antreten, freut Heyner. „Es ist gut, dass Gudensberg die Wahl hat und es wird spannend, wie die Menschen entscheiden werden.“

Wer Wahlplakate von Karsten Heyner sucht, findet aktuell keine. „Vielleicht werde ich noch zwei oder drei größere aufhängen“, sagt er. Doch so richtig anfreunden mag er sich nicht mit dem Gedanken – auch aus Umweltschutzgründen. Auf Werbeplakate komme es nicht an. „Ich will durch meine Arbeit überzeugen und nicht Versprechungen verkaufen“, sagt er. Online ist er in den sozialen Netzwerken aktiv und hat eine Homepage. Außerdem verteilt er Flyer, auf denen in Stichworten sein Wahlprogramm steht.

Ein spezielles Wort mag er nicht, das stets im Zusammenhang mit der Kandidatur genannt werde: Wahlkampf. „Das ist es für mich nicht“, sagt er. Es gehe um Gudensberg, nicht um Konkurrenz. „Und ich will gewinnen, weil ich der Beste für den Job bin.“ (Maja Yüce)

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