Bürgermeisterwahl

„Ich brauche kein Parteibuch“: Sina Best will Bürgermeisterin in Gudensberg werden

Sina Best steht mit einem Notizbuch und Stift vor einem ihrer Wahlplakate in der Gudensberger Innenstadt.
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Sina Best will Bürgermeisterin von Gudensberg werden. Als Ort für das Treffen mit der HNA hat sie sich die Gudensberger Innenstadt ausgesucht. Hier komme sie mit vielen Menschen ins Gespräch – ihr Lieblingsplatz.

Obwohl sie weder aus Gudensberg stammt, noch dort wohnt, weiß Sina Best schon sehr genau, was die Menschen in der Stadt und in den Ortsteilen bewegt.

Gudensberg - Die 33-Jährige geht derzeit von Haustür zu Haustür, um mit den Gudensbergern direkt ins Gespräch zu kommen. „Hier in der Innenstadt halte ich mich auch oft auf“, sagt sie. Kaum hat sie diesen Satz ausgesprochen, wird sie von einem ihr fremden Mann angesprochen.

„Sie sind doch die Frau von den Wahlplakaten, oder?“. Sina Best, die am Sonntag, 7. November zur Bürgermeisterin von Gudensberg gewählt werden will, nickt, lacht und beginnt mit ihm zu plaudern. Am Ende des Gesprächs wünscht er ihr viel Erfolg. „So etwas passiert mir oft, seitdem meine Plakate hängen. Die Menschen wollen mich kennenlernen und wissen, wofür ich stehe“, sagt sie. Und sie wolle wissen, was die Gudensberger bewegt.

Vieles habe sie bereits erfahren, sagt sie. Das Sicherheitsgefühl und die Sauberkeit in der Innenstadt sowie die Leerstände und Facharztmangel seien Themen, die die Menschen sehr bewegten. In den Dörfern und der Kernstadt müssten die Ortskerne gestärkt werden. „Es fehlt etwas an Glanz“, sagt Best. Und das obwohl Gudensberg eine moderne Stadt sei. „Hier kann man sich schnell wohlfühlen.“ Das sei ein Grund für ihre Kandidatur – „das Bauchgefühl hat gepasst“.

Dass sie aus Dorfitter (Gemeinde Vöhl, Waldeck-Frankenberg) und nicht aus Gudensberg stamme, sei ein Vorteil. „Ich habe keine Freunde und auch keine Feinde. Keine Seilschaften“, sagt Sina Best. Sie bringe eine junge, moderne und weibliche Perspektive mit. Es gehe ihr darum, vorhandene Strukturen zu hinterfragen und aufzubrechen.

Sina Best, die der SPD angehört, tritt als unabhängige Kandidatin an, wird von der SPD unterstützt. In Waldeck-Frankenberg ist sie für die Sozialdemokraten im Kreistag und in ihrer Heimatgemeinde Vöhl im Gemeindeparlament. Warum tritt sie dann als unabhängige Bürgermeisterkandidatin an? Für ihre berufliche Karriere habe sie noch nie ihr Parteibuch gebraucht, betont sie. „Ich bin seit 14 Jahren in der öffentlichen Verwaltung tätig, habe meine Arbeit immer neutral und objektiv gemacht.“ Deshalb trete sie unabhängig an. „Aus Überzeugung“, sagt Best, wohl wissend, dass genau dieser Punkt immer wieder kritisch hinterfragt wird.

Der Gudensberger SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Edgar Franke habe sie zwar gefragt, ob sie kandidieren wolle, doch habe sie bis dato von den Akteuren der SPD im Schwalm-Eder-Kreis kaum jemanden gekannt. „So wie bei allen anderen Fraktionen im Landkreis auch“, sagt sie. Allerdings habe sie durch ihren Chef, Edertals Bürgermeister Klaus Gier – Best ist Verwaltungsbetriebswirtin bei der Gemeinde –, immer wieder auch Berührungspunkte mit Gudensberg gehabt. Gier war vor seiner Wahl 2012 Hauptamtsleiter in Gudensberg.

„Ich will für einen Klimawechsel stehen“, betont sie. Nach der Kommunalwahl im März sei deutlich geworden, dass die Menschen in Gudensberg einen politischen Wechsel wollen. „Diese Stimmung möchte ich fortführen.“ Dabei gehe es ihr auch darum, die Fraktionen zusammenzuführen. „Wir können hart in der Sache streiten, aber respektvoll.“ Gut gefallen habe ihr die vergangene Stadtverordnetensitzung, die sehr konstruktiv gewesen sei und bei der das nicht immer einfache Miteinander thematisiert wurde. Man wolle besser für das Wohl von Gudensberg zusammenarbeiten. „Dafür hätten sich die Fraktionen selbst etwas feiern können. Das war toll“, sagt Best.

Nicht nur politisch, auch in der Verwaltung könne man etwas mehr wagen. „Ich habe den Mut dazu“, sagt sie. Gudensberg habe eine moderne Verwaltung. „Das passt zu mir“, sagt sie. Allerdings fehle den Menschen oft die Transparenz darüber, was in der Stadt entschieden werde. „Das finde ich befremdlich“, sagt Best. Sie wolle für Offenheit stehen. „Ich sehe mich als eine Dienstleisterin für die Menschen.“

Als Bürgermeisterin werde sie dafür sorgen, dass die finanzielle Freiheit der Stadt erhalten bleibe. Mit kommunalen Finanzen kenne sie sich aus. Aber sie wolle sich auch stark dafür machen, dass Gudensberg wieder zu einem echten Wohlfühlort werde. Dafür brauche es mehr als einen Schutzmann vor Ort. „Damit ist es nicht getan“, sagt sie. Es müsse verstärkt um Integration gehen. Dabei wolle sie auch mit Vereinen und Religionsgemeinschaften ins Gespräch kommen. „Ohne sie geht es nicht.“

Sina Best spricht von kurz- und langfristigen Zielen. Davon, dass sie langfristig für die Bürger von Gudensberg im Einsatz sein will – kurzfristig wünscht sie sich dafür, dass sie die Wahl gewinnt. „Mit einer Wahlbeteiligung von über 50 Prozent“, sagt sie. Denn dann hätte sie viele der Menschen erreicht, an deren Haustüren sie derzeit klingele. (Maja Yüce)

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