Sie bekämpfen Vorurteile ganz kreativ

Kinder aus Gudensberg drehen preisgekrönten Film gegen Vorurteile

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Hatten jede Menge Spaß bei den Dreharbeiten vor der Coronakrise: Kozey (von links), Sevdalin, Raycho, Dencho, Glorya und Krastina belegten mit ihrem Film „Gadje“ beim Medienkompetenz-Preis Hessen den zweiten Platz.

Trotz großer Konkurrenz konnten sich die Schüler aus Gudensberg mit ihrem Projekt durchsetzen: Mit ihrem Film gegen Vorurteile belegten sie den zweiten Platz.

Spiel- und Trickfilm, Hörspiel und Radiosendung, E-Book und Homepage, Tutorial, Podcast und Instagram-Kanal – mit mehr als 100 Bewerbungen war die Konkurrenz beim 17. Medienkompetenz-Preis Hessen groß. Insgesamt zwölf Projekte haben die Jury mit ihrem medienpädagogischen Konzept überzeugt, so auch ein Film aus Gudensberg, der es in der Altersgruppe bis 15 Jahre auf den zweiten Platz geschafft hat.

„Die Freude war natürlich riesig, als wir vom Ergebnis erfahren haben“, sagt Sascha Fleddermann. Der Integrationsbeauftragte der Stadt Gudensberg hat das Video „Gadje!“ mit den Kindern im Projekt „Spielend lernen“ des Vereins Mach Mit gedreht.

Auf Augenhöhe begegnen

„Der Film ist aus dem Beweggrund entstanden, dass wir hier mit dem F26 ein Kommunikationszentrum haben, das alle Gudensberger, zu denen Menschen aus 64 Nationen zählen, etwas näher zusammenbringen will“, sagt Jochem Hamacher vom Verein Mach Mit. Auch viele Sinti- und Roma seien dort Zuhause, und für die wolle man mit dem Beitrag „etwas Imagearbeit“ leisten. Es gehe darum, sich auf Augenhöhe zu begegnen, sagt Hamacher.

Dazu trage auch das Projekt „Spielend lernen“ bei. Von Ehrenamtlichen im F26 angeleitet, genießen gut zehn Jungen und Mädchen dort nicht nur regelmäßig Nachhilfe, sondern erleben eben auch allerhand Kreatives. Fleddermann hatte sich spontan bereit erklärt, das Filmprojekt in den Herbstferien zu starten.

Jochem HamacherVerein Mach Mit

Das Filmemachen ist sein Faible, dementsprechend hatte er schnell ein Ziel vor Augen, ohne die Teilnehmer in ihren Gestaltungsspielräumen einzuschränken. „Wir wollten gemeinsam zeigen, dass Kinder der Roma und Sinti ganz normale Kinder wie alle anderen sind, mit genau den gleichen Vorstellungen, wo es beruflich für sie einmal hingehen soll“, sagt Fleddermann. Auch sie wollten Feuerwehrmann, Polizist, Ärztin oder Yogalehrerin werden. „Und genau das wollen wir im Film rüberbringen“, sagt Fleddermann.

Film gegen Vorurteile: spontan und ohne Drehbuch

Gedreht worden sei nach einem Ideenaustausch ohne Drehbuch, ganz spontan und direkt aus dem Leben heraus, und das scheint bei der Jury des Medienkompetenz-Preises angekommen zu sein, die in ihrer Begründung lobt: „Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, dass nicht ein grandioses Produkt entscheidend ist, sondern wie durch Medienarbeit gesellschaftliche Prozesse angestoßen werden können.“

Sascha FleddermannIntegrationsbeauftragter

Die Kinder und Jugendlichen hätten bei der Filmproduktion nicht nur viel Medienkompetenz erworben, sondern auch gelernt, wie viel Arbeit in einem Film steckt – von der Auswahl der Drehorte über die Story bis zur Kameraführung. Außerdem seien vielfältige soziale Kompetenzen geübt sowie Vorbehalte und Vorurteile gegenüber Fremden abgebaut worden.

„So funktioniert Integrationsarbeit“, lobte die Jury während der Preisverleihung, die kürzlich aufgrund der aktuellen Situation nur digital im Internet stattfand.  ciz

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