Kommunale Entwicklungspolitik: Gudensberg will die Partnerstädte unterstützen

Er will die Beziehungen zwischen Gudensberg (im Hintergrund die Altstadt mit der Obernburg), Jelcz-Laskowice (Polen) und Schtschyrez (Ukraine) verbessern und die Partnerschaft als feste Größe etablieren: Dr. Eberhard Kettlitz. Er ist im Landkreis der erste Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik, in ganz Deutschland gibt es aktuell 45. Die Stelle ist auf zwei Jahre befristet. Foto: Ulrike Lange-Michael

Dr. Eberhard Kettlitz koordiniert die Initiativen - Stadt erhält hohen Zuschuss vom Bund

Gudensberg. Wenn er Erfolg hat, dann wird er seine neue Arbeitsstelle in zwei Jahren selbst abgeschafft haben. Dr. Eberhard Kettlitz ist nicht traurig, er lächelt, wenn er das sagt. Schließlich soll seine Tätigkeit Wirkung zeigen.

Und wenn sie das tut, dann werden in den nächsten zwei Jahren dank seines Engagements Strukturen entstehen, die sicherstellen, dass die Zusammenarbeit zwischen den Partnergemeinden in Deutschland, Polen und der Ukraine funktioniert – auch ohne ihn.

Der Geschichts- und Politikwissenschaftler, der seit 2007 vor allem durch die Betreuung von Ausgrabungen in der Steinzeitsiedlung und auf der Obernburg in Gudensberg bekannt wurde, ist seit 1. Juli Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik und für zwei Jahre bei der Stadt beschäftigt. Die Stelle wird vom Ministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu 90 Prozent finanziert, den Rest zahlt die Stadt.

Hintergrund ist das bundesweite Programm „Engagement global“, mit dem die Kommunen mehr als bisher in die Förderung und Weiterentwicklung in armen oder Schwellenländern eingebunden werden sollen. Das Programm gibt es seit 2015, Anträge stellen hauptsächlich größere Städte.

„Nicht jeder Antrag auf Förderung wird auch angenommen“, sagt Kettlitz. Die Projekte, die eine Chance haben sollen, müssen langfristig ausgelegt sein und in den beteiligten Kommunen fachlich und ehrenamtlich unterstützt werden.

In Gudensberg gibt es zum Beispiel eine Partnerschaftskommission, die die Beziehungen zu Schtschyrez betreut. Gleichzeitig begegnen sich auch Menschen aus den Gemeinden, aus Vereinen, aus kulturellen und sportlichen Gruppen.

Doch das Ehrenamt stößt an Grenzen. Wie man von hier aus etwas tun kann, das den Bürgern von Schtschyrez langfristig tatsächlich nutzt, benötigt Koordination und Übersicht – das kann und soll Dr. Kettlitz übernehmen.

„Wir haben uns schon vieles dort angeschaut“, berichtet er. Ein Beispiel: Im nur 1000 Kilometer entfernten Städtchen in der Westukraine gibt es kein funktionierendes Wasser- und Abwassersystem. Deshalb hat man jetzt begonnen, eine Planung dafür anzustoßen als ein Projekt. Die Umsetzung des 1. Bauabschnitts sei bereits beantragt, sagt Kettlitz. Er betont: „Eine bessere wirtschaftliche Entwicklung dort ist auch für Deutschland wichtig.“ Außerdem sei es deutsche Technik, die man dorthin verkaufe.

„Von der Offenheit und der Gastfreundschaft der Menschen dort können wir uns eine Scheibe abschneiden.“

Eberhard KettlitzÜber die Ukraine

Auch auf die kulturelle Begegnung setzt der Koordinator. Gemeinsame Begegnungen und besseres Kennenlernen, beim Musizieren oder Singen, seien wichtig. Die Ukraine sei ohnehin rund um Lwiw, das frühere Lemberg, immer eine Reise wert. „Von der Offenheit und der Gastfreundschaft der Menschen dort können wir uns eine Scheibe abschneiden“, sagt er.

Zweiter Schwerpunkt seiner Arbeit soll der Bereich Nachhaltigkeit sein. Das klinge sehr allgemein, aber auch auf kommunaler Ebene könne man vieles besser machen, etwa beim Umweltschutz und beim Einkauf von regionalen Bio-Produkten. „Wir können als Kommune vorangehen“, meint er und zum Beispiel das Mobiliar für den Rathausanbau von entsprechenden Herstellern kaufen.

Einen ersten Schritt sieht Dr. Kettlitz in der besseren Information der Gudensberger Einwohner über nachhaltiges Wirtschaften.

Und nach fast zehn Jahren müsse man sich die Agenda 2020, an der sich damals viele Menschen beteiligt hätten, vornehmen und schauen, was davon umgesetzt wurde, was noch wartet und was man neues anregen könnte. „Was ist heute den Gudensbergern wichtig?“ sei eine Frage, die man stellen müsse.

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