Wohl kein fremdenfeindlicher Hintergrund - Augenzeuge berichtet

Brand in Gudensberg: Erschöpfte Helfer, langwierige Ermittlungen

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Nicht mehr standfest: Die Außenwand des zerstörten Fachwerkhauses entlang der Hornungsgasse. Das traditionsreiche Gebäude war früher eine Gaststätte, 1898 war dort die SPD Gudensberg gegründet worden.

Gudensberg. Die Erschöpfung war den Einsatzkräften anzusehen, die am Dienstag rund um das zerstörte Fachwerkhaus ihren Dienst taten.

Denn das Feuer am Renthof war zwar in den Abend- und Nachtstunden gelöscht worden, doch Glutnester unter dem Schutt qualmten noch lange und mussten überwacht werden. Über 140 Feuerwehrleute und Rettungskräfte waren im Einsatz.

Information an der Haustür: Benachbarte Gebäude sollten wegen der Gefährdung durch das Feuer evakuiert, Türen mussten deshalb gewaltsam geöffnet werden.

Eine kurze Nacht hatte auch Bürgermeister Frank Börner: Er war erst am Abend von einer Reise ins ukrainische Schtschyrez zurück gekommen. Dort hatte er sich mit Feuerwehr-Vertretern angeschaut, wie die Gudensberger Sachspenden dort verwendet werden. Dirk Schmidt und Frank Degenhardt halfen sofort bei den Löscharbeiten mit, der Bürgermeister war bis 1.30 Uhr vor Ort.

Im Laufe des Vormittags kamen die Experten für Brandermittlungen des Landeskriminalamtes in Gudensberg an. „Sie werden schichtweise den Schutt abtragen und dann nach der Quelle des Brandes suchen“, sagte Polizeisprecher Volker Schulz von der Polizeidirektion Homberg. Wann es Ergebnisse gibt, ist noch unklar. Die Schadenshöhe sei zunächst schwer zu schätzen, sagte Schulz.

Einen fremdenfeindlichen Hintergrund für den Brand könne man nicht erkennen, hieß es am Dienstag. Doch auszuschließen sei er auch nicht. Das Gebäude sei jedoch in schlechtem Zustand gewesen, war zu hören. Gerüchte sprachen von einer defekten Waschmaschine im Keller als mögliche Ursache.

Kätzchen im Glück

Glücklich endete die Katastrophe für ein kleines Kätzchen: Wie auf Facebook zu lesen, rettete ein aufmerksamer Feuerwehrmann ein junges Kätzchen und drückte es einer Nachbarin in die Hand.

„Sie war voller Ruß, aber zum Glück unverletzt“, schrieb Carolin Sprenger. Sie will sich weiter um das Tier kümmern, das offenbar einer betroffenen Familie gehört.

Ein Augenzeuge berichtet

„Der Mann stand ganz oben am Fenster, er warf eine Matratze aus dem Fenster und sprang hinterher. Wir hörten ihn dann vor Schmerzen schreien.“ Jonas Mand, der als direkter Nachbar am Montagabend die dramatischen Momente während des Wohnhausbrandes miterlebte, erzählte gestern am Telefon, was passierte, bevor die Helfer der Feuerwehr kamen.

Er hatte zunächst Kindergeschrei gehört, aber nichts gesehen. Als das Schreien lauter wurde, seien er und sein Vater rausgelaufen und hätten den Rauch aus den Fenstern quellen sehen.

„Wir haben eine Leiter angestellt, damit die Menschen aus dem 1. Stock runterklettern konnten“, berichtet er. Sieben, acht Personen seien so aus dem Haus gekommen, andere hätten springen müssen. „Es war krass, das mit eigenen Augen zu sehen“, sagte der junge Mann. Er hoffe, dass sich die Springer nicht zu schwer verletzt hätten. Aber er ist sicher, dass sie sonst in dem Haus keine Chance gehabt hätten, sich zu retten. Dass niemand gestorben sei, bewertete er als echtes Glück.

Am Tag nach dem Brand in Gudensberg

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