Kundgebung in Gudensberg

Lautstarker Protest im Chattengau: NGG fordert einheitlichen Mindestlohn

Mehr als 100 Mitarbeiter des Geflügelschlachtbetriebs Plukon demonstrierten am Samstag auf dem Gudensberger Marktplatz für höhere Löhne.
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Mehr als 100 Mitarbeiter des Geflügelschlachtbetriebs Plukon demonstrierten am Samstag auf dem Gudensberger Marktplatz für höhere Löhne.

Mehr als 100 Teilnehmer kamen am Samstagnachmittag zu einer angemeldeten und vor allem zu einer friedlichen Kundgebung am Marktplatz in Gudensberg zusammen. Sie forderten zusammen mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Tariflöhne für ihre Arbeit.

Es ging damit um die Tarife für die Arbeiter in der fleischverarbeitenden Industrie, machte Gewerkschaftssprecher Stefan Walter aus Kassel bei der Kundgebung deutlich. Gudensberg als Demonstrationsort war nicht zufällig gewählt: Der Großteil der Protestler ist beim dortigen Geflügelschlachtbetrieb Plukon beschäftigt. Da die meisten der Männer und Frauen nicht gut deutsch sprechen, wurden die Ansprachen für die zahlreichen bulgarischen Arbeitnehmer übersetzt.

Zurzeit liefen bundesweit die Flächentarifverhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden der Fleischindustrie, sagt Stefan Walter: Dabei säßen Vertreter aus dem gesamten Bundesgebiet am Tisch. Die Forderung, so Walter, seien 12,50 Euro Mindestlohn pro Stunde. „Darunter sollte niemand verdienen müssen.“ Das Ziel aber seien 14 Euro und für Facharbeiter 17 Euro. In einem weiteren Tarifvertrag sollen die Mindestarbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Zuschläge und Urlaub für die 160 000 Beschäftigten in der Branche geregelt werden, die dann das Bundesministerium für Arbeit und Soziales für allgemein verbindlich erklären soll. Damit gälten sie für alle Beschäftigten in der Fleischwirtschaft zwingend – unabhängig davon, ob ein Arbeitgeber tarifgebunden ist. Die Arbeitgeber hatten zuletzt nur 10,50 Euro als Einstiegslohn angeboten.

„Wir müssen abwarten, ob sich die Arbeitgeberseite bewegt“, so Walter, „ansonsten gibt es einen heißen Sommer mit weiteren Streiks“. Für Orry Mittenmayer (Junge NGG) gehört zu einem würdevollen Umgang auch eine faire Bezahlung.

Eine Ansprache gab es auch von Jenny Huschke, Regionsgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbunds Region Nordhessen. Viele Kollegen der DGB-Gewerkschaften gingen zurzeit auf die Straße, um für mehr Entgelt, für bessere Arbeitsbedingungen und gegen Ausbeutung zu streiten.

„Ein Tarifvertrag lebt davon, betrieblich umgesetzt zu werden“, so Huschke. Zum Abschluss rief sie den Teilnehmern noch zu: „Bleibt stark in dem, was ihr fordert.“ Die Protestkundgebung in Gudensberg wurde von der Polizei begleitet. Wie die Beamten sagten, gab es keinen Grund für Beanstandungen. Auch alle Vorgaben gemäß den geltenden Coronaregeln seien eingehalten worden.

Von Peter Zerhau

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