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Mosterei Safteria in Dorla mit Rekordjahr

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Von: Kerim Eskalen

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Freut sich über den Rekordapfelsommer: Geschäftsführer Dr. med. Michael Theune von der Mosterei Dorla anhängervolle Wagenladungen an Obst angeliefert.
Freut sich über den Rekordapfelsommer: Geschäftsführer Dr. med. Michael Theune von der Mosterei Dorla anhängervolle Wagenladungen an Obst angeliefert. © Kerim Eskalen

Die diesjährige Apfelsaison hat Rekordzahlen bei der Ernte beschert. Profiteur ist davon auch die Mosterei Safteria in Dorla, die in ihrem fast zehnjährigen Bestehen geschichtsträchtige Zahlen verzeichnet.

Dorla – Überall Äpfel, wohin das Auge nur fällt, und Autoschlangen, die sich bis auf die Straße stauen. Die Mosterei Safteria in Dorla verzeichnet die stärkste Apfelsaison aller Zeiten. Neben den vielen Stammkunden, die dieses Jahr bereits drei bis viermal da gewesen wären, gebe es auch viele Neukunden. „Dabei haben wir eigentlich mit einem schlechten Jahr gerechnet“, sagt Geschäftsführer Dr. med. Michael Theune: „So etwas wie dieses Jahr habe ich aber wirklich noch nie erlebt.“ Aufgrund von mehreren Regenepisoden im Frühling fiel die Hitze und Dürre im Sommer wohl doch nicht so gravierend aus.

Man habe derzeit den Eindruck, dass dieses Jahr die Menschen versuchen, nichts wegzuschmeißen und regionaler zu denken. Zudem könne man den Prozess, wie der eigene Saft hergestellt wird, hautnah beobachten.

Anlieferung

Zu Beginn werden die Äpfel in eine Grube geschüttet und gelangen über ein Fließband zum Waschen.
Zu Beginn werden die Äpfel in eine Grube geschüttet und gelangen über ein Fließband zum Waschen. © Kerim Eskalen

Kunden haben von August bis Ende November von Mittwoch bis Freitag, 9 bis 18 Uhr, und Samstag bis 14 Uhr die Möglichkeit, ihr Obst anzuliefern. Dafür muss man über das Online-Formular auf der Webseite einen Termin buchen. Das Obst sollte jedoch maximal zwei Tage früher vor dem Presstermin geerntet werden. Auf dem Hof wird es dann in Boxen umgefüllt und gewogen. Mitzubringen sind dafür mindestens 50 Kilogramm Obst. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, Obst anzukaufen, wenn die Menge nicht reichen sollte.

Gepresst werden Früchte wie Äpfel, Birnen, Quitten, Trauben, Aroniabeeren, Beeren Holunder und vieles mehr. Ausgenommen ist Steinobst wie Kirschen. Die Boxen werden im Anschluss von einem Gabelstapler in eine Grube gekippt: „Von dort aus geht es dann über ein Förderband zum Waschen“, erklärt Mitarbeiterin Marie-Cathrin Börner. Dabei können Blätterreste durch das Fließband fallen.

Herstellungsverfahren

Die Äpfel gelangen in ein großes Waschbecken und werden im Wasser gereinigt.
Die Äpfel gelangen in ein großes Waschbecken und werden im Wasser gereinigt. © Kerim Eskalen

Anschließend wird das Obst in einer großen Waschanlage automatisch gesäubert und gelangt in die Presse. „Eine Laserschranke entscheidet dann, ob die Menge an Obst ausreicht“, sagt Börner. In der Presse werden dann die Früchte zu Saft ausgepresst und in einer separaten Auffangwanne gesammelt. Das Besondere laut Börner: Die Maschine reinige sich während des Verfahrens dauerhaft von alleine. Bei 100 Kilogramm Äpfeln ergeben sich zwischen 60 bis 65 Liter Saft.

Der Stolz der Mosterei: In der selbstreinigenden Presse werden Saft und Obstreste separat gesammelt.
Der Stolz der Mosterei: In der selbstreinigenden Presse werden Saft und Obstreste separat gesammelt. © Kerim Eskalen

Zudem gebe es auch eine Methode, die Reste sinnvoll zu verwerten: Mit einem Schaber werden diese vom Band geschabt und fallen aus der Presse heraus. Der sogenannte Trester geht dann als Futtermittel an Landwirte aus der Region. Der gesammelte Saft hingegen gelangt nach dem Pressen in einen Pasteurisierer, der die Bakterien abtötet. „Durch das Verfahren ist der Saft bis zu eineinhalb Jahre haltbar“, erklärt Theune.

Abfüllen

Nach der Pasteurisierung wird der Saft über eine Zapfanlage in Beutel abgefüllt und in Kartons verpackt.
Nach der Pasteurisierung wird der Saft über eine Zapfanlage in Beutel abgefüllt und in Kartons verpackt. © Kerim Eskalen

Der fertige Saft wird immer von zwei der zehn Mitarbeitern über eine halbautomatische Füllanlage in Beutel abgefüllt und in Kartons gepackt. Die Größe variiert dabei zwischen drei Liter, fünf Liter und zehn Litern. Entsprechend unterscheiden sich hier auch die Preise zwischen 3,70 Euro und 10,50 Euro. Die Säfte werden dann bis zur Abholung zwischengelagert. Marie-Cathrin Börner empfiehlt jedoch, den Saft so schnell wie möglich abzuholen, da man auch nicht genügend Kapazitäten für eine langfristige Lagerung habe.

Rekord

„Wenn wir alleine das gepresste Obst bei den Kunden beziffern, hatten wir im Monat September 100 000 Liter Saft gepresst“, sagt Michael Theune. „Für Mitte Oktober haben wir schon fast 50 000 Liter. Das muss man sich einmal vorstellen.“ Nicht miteinberechnet ist der eigens gepresste Saft, der in der Chattengauer Ölmühle nebenan erhältlich ist. Dort wird neben den Säften auch selbst hergestellter Wein oder auch Öle verkauft. Zudem mache der Unverpacktladen auch bei der App „Too Good To Go“ mit, wo Restprodukte günstig verkauft werden.

Arbeiten am Limit

„Wir sind dieses Jahr ganz schön ins Schwitzen gekommen“, berichtet Theune von den vergangenen zwei Monaten. Besonders wenn die Presse einen Defekt habe, steht die ganze Produktion. „Das ist dieses Jahr einige Male passiert, weil wir eine nie da gewesene Anzahl an Aufträgen hatten.“ Man könne nicht wie andere Großfirmen eine derart teure Maschine schnell durch eine andere ersetzen. Sie müsse so lange repariert werden, bis die Produktion wieder laufe.

Ausblick

Erwartungsgemäß folge bei Äpfeln auf ein besonders gutes Jahr immer eine schlechte Saison. Das sei laut Michael Theune aber normal: „Damit rechnen wir. Wir hatten diese Saison, warum auch immer, einfach ein absolutes Ausnahmejahr“, sagt er.

Geheimtipps

Der Saft sollte kühl und dunkel gelagert werden. Angebrochen, ungekühlt und schräg gelagert ist er mindestens drei Monate haltbar. Zudem hat Theune einen Tipp zur Weihnachtszeit: „Es bietet sich auch an, die Säfte zu einem Glühwein zu erhitzen“, schlägt der Chef vor.
(Kerim Eskalen)

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