Interview mit Vereinsvorsitzenden Mach Mit aus Gudensberg

So stark schränkt die Corona-Pandemie das Vereinsleben ein - Digitale Workshop für Hilfen

Kaffee wurde dort schon lange nicht mehr ausgeschenkt: Wegen der Corona-Pandemie und der Hygieneregeln muss das CaKau vom Verein Mach Mit in Gudensberg geschlossen bleiben.
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Kaffee wurde dort schon lange nicht mehr ausgeschenkt: Wegen der Corona-Pandemie und der Hygieneregeln muss das CaKau vom Verein Mach Mit in Gudensberg geschlossen bleiben.

Der Lockdown stellt die Vereine vor enorme Hürden: Denn zurzeit können Jahreshauptversammlungen genauso wenig stattfinden wie anstehende Vorstandswahlen. Zudem können viele Vereine, vor allem die, die den Sport in den Mittelpunkt stellen, ihrem Zweck nicht nachgehen. Die Folge: Die Mitgliederzahlen sinken.

Das wissen auch Sascha Fleddermann und Jochem Hamacher vom Gudensberger Verein „Mach mit“. Um Mitgliederschwund entgegenzuwirken, bietet der Gudensberger Verein Hilfe in Form eines digitalen Workshops. Dieser richtet sich an Vereine aus dem Landkreis.

In diesem soll es unter anderem darum gehen, wie Vereine auch in der aktuellen Lage weiter ihre Gemeinnützigkeit bewahren, erklären Hamacher und Fleddermann.

Denn es gebe eine Lösung, die vielen nicht bekannt sei: Am 27. März trat das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ in Kraft. Danach sind Mitgliederversammlungen jetzt auch in Form einer Online-Konferenz zulässig. Somit hätten Vereine die Möglichkeit, auch ohne physische Zusammenkunft der Gremienmitglieder rechtsgültig Beschlüsse zu fassen. Diese Regelungen seien gültig bis zum 31. Dezember 2021.

Vor Corona waren Mitgliederversammlungen in Form einer Online-Konferenz nur dann möglich, wenn dies die jeweilige Vereinssatzung ausdrücklich vorsah. Doch gerade diese Möglichkeit werde noch von zu wenigen Vereinen wahrgenommen. „Vielen fehlt die Bereitschaft Online in Aktion zu treten“, so Hamacher.

Jochem Hamacher vom Verein „Mach Mit“

Während der Corona-Pandemie sei es zudem erlaubt, Jahreshauptversammlungen abweichend von den in der Vereinssatzung festgelegten Fristen auf das Folgejahr zu verschieben. In dem Fall sei in Paragraf 5 geregelt, dass ein Vorstandsmitglied eines Vereins oder einer Stiftung auch nach Ablauf seiner Amtszeit bis zu seiner Abberufung oder bis zur Bestellung seines Nachfolgers im Amt bleibt, bis zur nächsten Neuwahl des Vorstandes.

Interview über die Probleme der Vereinsarbeit während Coronazeiten

Das Coronavirus trifft das gesellschaftliche Leben hart. Insbesondere Vereine haben mit den Hygieneregeln zu kämpfen. Viele Vereine können zum Beispiel ihre Aktivitäten nicht mehr ausüben. Das lässt sich nicht zuletzt an schrumpfenden Mitgliederzahlen ablesen. Jochem Hamacher und Sascha Fleddermann vom Gudensberger Verein Mach Mit kennen die Situation. Sie haben deshalb einen digitalen Workshop ins Leben gerufen, der Vereine im Landkreis anspricht und Lösungen bieten soll. Wir sprachen mit ihnen.

Herr Hamacher, Herr Fleddermann. Zu allererst: Wie geht es denn Ihrem Verein?
Hamacher: Naja, wie auch alle andere Vereine, leben wir natürlich von der Gemeinschaft und der Öffentlichkeit. Die gilt es aber jetzt auf ein Minimum zu reduzieren. Unser Kaufhaus und unser Café müssen geschlossen bleiben. Das sind die Orte, an denen wir am meisten ins Gespräch kommen. Auch unsere Veranstaltungen wie beispielsweise das Altstadtgeschnuddel musste zunächst abgesagt werden. Wir haben eine ganz andere inhaltliche Ausrichtung (z.B. Flüchtlingshilfe) als viele andere Vereine. Das macht es uns in Coronazeiten auch einfacher.
Wie meinen Sie das?
Hamacher: Schauen Sie doch mal auf Sportvereine. Ihren Vereinszweck können sie in der Form nicht mehr ausüben. Sie werden von vielen ihrer Mitglieder meist als Dienstleister gesehen, der ihnen etwas bietet wie beispielsweise eine Trainingshalle und das nötige Equipment. Das sieht nun ganz anders aus. Das kann auch dazu führen, dass sich Mitglieder von ihnen lossagen. Generell ist es eben so, dass Vereine momentan – ob groß oder klein – vor demselben Problem stehen: Ihre Mitglieder überlegen sich in solchen Zeiten, ob es für sie Sinn macht, weiter ihren Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Und das, weil sie nicht trainieren, nicht gemeinsam musizieren oder einfach zusammen kommen können.
Und so kamen Sie auf die Idee eines digitalen Workshops?
Fledderman: Ja, genau. Wir haben uns überlegt, dass wir noch einige Zeit mit den aktuellen Regeln umzugehen haben. Deshalb wollen wir uns fit für die Zukunft machen. Bei dem Workshop waren Vereine aus dem gesamten Landkreis eingeladen. 17 haben teilgenommen und man konnte sich gut untereinander austauschen, was mögliche Herangehensweisen in dieser Zeit sein können. Daniel Bettermann (Marketingvorstand KSV) war als Referent dabei und hat unter anderem darüber gesprochen, was die Pandemie für Auswirkungen auf einen großen Verein hat. Und da wurde eben ganz deutlich, dass sie dieselben Hürden zu meistern haben wie beispielsweise ein kleiner Musikverein. Nämlich den Kontakt zu Mitgliedern zu pflegen und sie an den Verein zu binden.
Haben Sie denn dafür Lösung gefunden?
Fleddermann: Es war das erste Treffen und eine ultimative Lösung gibt es nicht. Dafür aber viele Ansatzpunkte.
Welche wären das?
Fleddermann: Stellen wir uns die Frage: Wie pflege ich weiter die Gemeinschaft? Dann wird deutlich, dass Vereine in dieser Situation von ihrem unmittelbaren Satzungszweck abweichen können und sich von alten Denkmustern lösen dürfen. So wäre es eine Überlegung wert, dass Mitglieder eines Sportvereines beispielsweise Coronahilfen anbieten, wie das Einkaufen für ältere Menschen. So könne der Kontakt zwischen den Mitgliedern aufrecht erhalten bleiben, wenn auch nur telefonisch oder digital und man bleibt in den Köpfen der Menschen, eventuell kann man auch neue Mitglieder ansprechen, insbesondere Jüngere.
Apropos Digitalisierung, viele Vereine bewegen sich bislang nur in der analogen Welt.
Hamacher: Ja, das ist ein weiterer Punkt: Wir haben nach langen Überlegungen und vielen Diskussionen beispielsweise Veranstaltungen wie den Workshop oder das Altstadtgeschnuddel digital umgesetzt. Auch Mitgliederversammlungen können digital stattfinden – noch ist das wegen der Corona-Pandemie bis Ende 2021 erlaubt wegen einer Ausnahmeregelung. Das sollten Vereine tun und auch weiter den Schritt in die digitale Welt wagen, so kann der Kontakt zwischen Mitgliedern aufrechterhalten bleiben. Auf diesem Weg können auch neue Formen für Aktionen gefunden werden.
Wie könnten die aussehen?
Hamacher: Auch wir müssen hier noch Erfahrungen sammeln. Wir haben beispielsweise unser Café digital eröffnet, indem wir einen Livechat starteten und sich unterschiedliche Menschen dazu schalten konnten. Das wurde zunächst nur wenig wahrgenommen, es bessert sich aber. Da zeigt sich, dass wir in diesen Zeiten auch etwas wagen müssen und uns nicht diesem Stillstand hingeben müssen.

Weitere digitale Stammtische für Vereine im Schwalm-Eder-Kreis geplant

Weitere Termine für die digitalen Stammtische stehen bereits: Am 22. Januar soll es um Sportvereine während Corona gehen. Am 29. Januar geht es um Hasskommentare im Netz gehen und wie Vereine damit umgehen. Auch arbeitet der Vereine Mach mit an einer Homepage, auf der Vereine im Landkreis die Möglichkeit finden, sich darzustellen, sich zu vernetzen.

Von Linett Hanert

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